BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Bauchfett ist laut aktuellen Daten nicht nur ein ästhetisches Thema, sondern ein relevanter Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – auch bei Menschen mit Normalgewicht. Besonders viszerales Fett hängt mit erhöhten Ereignissen wie Herzinfarkt und Schlaganfall zusammen, wenn man nur den BMI betrachtet. In dem Kontext rückt die Messung von Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis stärker in den Fokus. Ergänzend werden biochemische Marker diskutiert, die mit tiefer liegendem Fett und Insulinresistenz korrelieren.

Bauchfett erhöht Herzrisiko auch bei Normalgewicht – worauf es ankommt
Bauchfett erhöht Herzrisiko auch bei Normalgewicht – worauf es ankommt (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer sich am klassischen BMI orientiert, übersieht laut den vorliegenden Studienergebnissen ein entscheidendes Detail: Wie Fett im Körper verteilt ist. Bauchfett gilt dabei nicht pauschal als „zu viel Fett“, sondern als Hinweis auf viszerale Fettdepots, die metabolisch aktiver sind als Unterhautfett. Das erklärt, warum Menschen mit scheinbar „normalem“ Gewicht trotzdem ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben können. Die aktuelle Forschung und Präventionspraxis setzt deshalb weniger auf eine einzelne Zahl, sondern stärker auf ein Gesamtbild aus Körpermessung, Lebensstil und – bei Bedarf – Laborwerten.

Ein wichtiger Praxisimpuls kommt aus der Empfehlung, die Fettverteilung aktiv zu erfassen. In der medizinischen Routine wird häufig der BMI als erster Filter genutzt; in den vorliegenden Aussagen wird jedoch betont, dass man ergänzend Taillenumfang und Taille-Hüft-Verhältnis messen sollte, um das Risiko präziser einzuschätzen. Die in dem Zusammenhang genannte Langzeitbeobachtung mit 259.000 Erwachsenen über durchschnittlich 20 Jahre unterstreicht die Größenordnung: Bei erhöhtem Bauchfett steigt demnach das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und Vorhofflimmern signifikant, obwohl der BMI im Normalbereich liegt. Entscheidend ist damit nicht nur, ob „zu viel“ Körpergewicht vorhanden ist, sondern wo sich Fett einlagert und welche Stoffwechselpfade dadurch stärker angestoßen werden.

Die konkreten Präventionsansätze setzen entsprechend bei Lebensstil-Mechanismen an. Im August 2026 wurde eine „Anti-Bauchfett-Formel“ vorgestellt, die auf fünf Säulen abzielt und damit explizit über eine reine Kalorienrestriktion hinausgeht. Im Kern stehen eine Ernährungsumstellung mit Fokus auf weniger Zucker und weniger raffinierten Kohlenhydraten, der Wechsel hin zu proteinreichen Lebensmitteln sowie der verstärkte Einsatz gesunder Fette. Dazu kommt ein Trainingsmix: Kraft- und Ausdaueranteile werden als Kombination beschrieben, ergänzt durch hochintensives Intervalltraining (HIIT). Ebenso wichtig wird Stressmanagement eingeordnet, beispielsweise über Meditation oder Yoga, kombiniert mit ausreichend Schlaf und dem Hinweis, Alkohol weitgehend zu reduzieren.

Technisch betrachtet lohnt sich in diesem Kontext ein Blick auf Energiehaushalt und Körperzusammensetzung, weil „Gewichtsverlust“ nicht automatisch „gesündere Körperzusammensetzung“ bedeutet. Fitness-Fachleute weisen darauf hin, dass reines Ausdauertraining für die gezielte Körperkomposition oft nicht genügt, während Krafttraining hilft, den Energieverbrauch im Ruhezustand zu erhöhen. Daneben wird ein häufiges Problem benannt: Wer zu wenig isst, bremst nicht nur die Regeneration, sondern auch den Muskelaufbau. Gerade viszerales Fett wird in der Praxis daher häufig dann am zuverlässigsten adressiert, wenn Krafttraining die Muskelmasse stützt und die Ernährungsstrategie gleichzeitig den metabolischen Druck reduziert. Das wird auch in den Aussagen von medizinischer Seite gestützt, die betonen, dass die Ernährung als Hebel für Gewichtsabnahme eine größere Rolle spielen könne als Bewegung allein.

Besonders praxisrelevant ist die Frage, wie sich die Risikobewertung von außen nach innen verschiebt. Laut der genannten Untersuchung zeigten fünf Prozent der Probanden mit Normalgewicht einen erhöhten Bauchumfang; weitere 18 Prozent wiesen ein erhöhtes Taille-Hüft-Verhältnis auf. Für genau diese Gruppen wurde ein um 15 bis 50 Prozent höheres Risiko für schwerwiegende Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie eine erhöhte Sterblichkeit beschrieben. Genau darin liegt die Botschaft für den Alltag: Der Verzicht auf „nur BMI“ ist kein theoretisches Detail, sondern beeinflusst, wen man gezielt in Präventionsprogramme einbindet. Ergänzend wird in dem Kontext genannt, dass Professor Ulf Landmesser von der Charité Berlin die Messung zusätzlicher Körpermaße in der Praxis empfiehlt, damit die Risikoabschätzung nicht an einer einzigen Kennzahl hängt.

Auch auf biochemischer Ebene wird der Zusammenhang zwischen Fettverteilung und Stoffwechsel sichtbar. Eine Studie der Harvard Medical School mit 196 Teilnehmenden hebt das Retinol-bindende Protein (RBP4) hervor: Die Konzentration im Blut korreliert demnach eng mit der Menge an viszeralem Fett und mit einer bestehenden Insulinresistenz. Zudem wird berichtet, dass RBP4 in viszeralem Fettgewebe höher ausfällt als im subkutanen Fett unter der Haut. Damit rückt RBP4 als möglicher Indikator in den Fokus, um tiefer liegendes Bauchfett funktionell „greifbar“ zu machen – also weniger als rein morphologisches Problem, sondern als Marker eines Stoffwechselzustands, der mit kardiovaskulären Risiken verknüpft ist.

Für Unternehmen und Präventionsanbieter ergibt sich daraus eine klare Implikation: Programme, die ausschließlich auf Gewicht oder BMI optimieren, laufen Gefahr, einen Teil der Hochrisikogruppen zu verfehlen. Sinnvoller ist eine Kombination aus Körpermessung (Taillenumfang, Taille-Hüft-Verhältnis), Training mit Kraftanteil und einem Ernährungsansatz, der Zucker und raffinierte Kohlenhydrate reduziert. Gleichzeitig sollten Erwartungen realistisch bleiben: In den Aussagen wird als Zielmarke für einen sicheren Gewichtsverlust eine Reduktion von einem bis vier Kilogramm pro Monat genannt. Wer solche Bandbreiten und Messpunkte in Mitarbeiter- oder Patientencoachings integriert, kann Fortschritt nicht nur an der Waage festmachen, sondern an Faktoren, die mit dem Herzrisiko tatsächlich verbunden sind.


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