LAGUNA SECA / LONDON (IT BOLTWISE) – Bentley hat den Continental Supersports auf der Rennstrecke Laguna Seca erstmals fahrbar gemacht, allerdings nur mit sechs Rundenzügen und aktivierten Assistenzsystemen. Der Supersports gilt als leichtester Bentley-Straßenwagen seit 85 Jahren und soll laut Hersteller auf rund 1995 Kilogramm kommen. Entscheidend dafür sind der Umstieg auf Heckantrieb und der Verzicht auf das Plug-in-Hybrid-System. Trotz „nicht ganz leicht“-Gewicht zeigt sich ein klarer Fahrfokus: mehr Downforce, größere Carbon-Keramik-Bremsen und ein konsequent abgestimmtes Chassis für die schnellen Passagen.

Bentley Continental Supersports: über 85 Jahre auf „leicht“ getrimmt
Bentley Continental Supersports: über 85 Jahre auf „leicht“ getrimmt (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer sich sonst über zunehmende Fahrzeugmasse aufregt, findet im Segment der ultra-luxuriösen Grand Tourer oft wenig Ansatzpunkte. Beim Bentley Continental GT wird das Gewicht dagegen seit Jahren als Teil des Designs erzählt: dichteres Packaging, mehr Verstrebungen, zusätzliche Schichten zur Akustik- und Komfortabschirmung. Genau an diesem Selbstverständnis setzt der Continental Supersports an. In den ersten Eindrücken direkt auf der Strecke bei Laguna Seca ging es nicht um einen langen Road-Test, sondern um sechs schnelle Runden mit vollständig aktivierten Sicherheitssystemen und einem Instruktor im Beifahrerraum. Damit wird die wichtigste Frage eher indirekt beantwortet: Kann Bentley die eigene Masselogik so weit zurückdrehen, dass sich der Wagen wie ein echtes Track-Tool anfühlt?

Die Antwort kommt über Zahlen und über Architektur. Bentley positioniert den Supersports als leichtesten Bentley-Straßenwagen seit 85 Jahren. Das Zielgewicht nennt der Hersteller mit 1995 Kilogramm, also knapp unter zwei Tonnen. „Objektiv“ ist das natürlich immer noch schwer, aber der Vergleich innerhalb der Continental-Baureihe ist der eigentliche Hebel: Der aktuellste Continental GT Speed liegt laut Kontext deutlich über dieser Marke, und die größten Einsparungen sollen aus dem Wechsel auf Heckantrieb und dem Wegfall des Plug-in-Hybrid-Systems stammen. Der Wagen wirkt dabei auch nicht wie ein bloßer „Sport“-Aufkleber auf einem bekannten Grundgerüst, sondern wie eine neue Symbiose aus Aerodynamik und veränderter Gewichtsverteilung. Mit dem Verlust des angetriebenen Frontkonzepts, dem Wegfall des Hochvolt-Batteriepacks und dem Abbau der hinteren Sitzreihe sinkt die Masse dort, wo bisher Komponenten den Schwerpunkt mitgeprägt haben.

Optisch und funktional führt das zu klaren Eingriffen in die Aerodynamik. Die Front trägt einen tiefen Chin Splitter, dazu kommen Flügel- und Rocker-Elemente. Bentley nennt für die aerodynamische Auslegung eine Zunahme der Abtriebskraft um bis zu 660 Pfund gegenüber dem GT Speed. Gleichzeitig hilft der Verzicht auf die zuvor relevanten Bauteile dabei, das Setup der Luftkräfte neu zu balancieren. Hinzu kommt die Material- und Bauteilstrategie: Carbon-Bauteile an Karosserie und Aero reduzieren nicht nur Masse, sondern dienen auch dazu, die Aerodynamik so zu „re-synchronisieren“, dass sie nicht gegen die geänderte Schwerpunktlage arbeitet. Bei den 22-Zoll-gefalteten Leichtbau-Felgen verweist Bentley auf Manthey: Die Räder sollen gleichzeitig leicht und stabil sein, und ihre Bauart reduziert vor allem die ungefederte Masse, was dem Ansprechverhalten in schnellen Kurven zugutekommt.

Auch innen setzt der Supersports auf Entschlackung, allerdings ohne das klare Markenversprechen aufzugeben. Die vorderen Sitze sind tiefer montiert, Massagefunktionen wurden entfernt, dafür wachsen die Seitenwangen und die Schulterunterstützung. Der Rest bleibt Continental-typisch, inklusive Kohlefaser-Einlagen im Dash-Bereich; die zweifarbige Inszenierung im Testwagen hebt den Sportcharakter optisch hervor. Auffällig ist die Lösung beim „James Bond“-artig wirkenden drehbaren Zentral-Display: Es wurde als Teil der Gewichtstaktik geopfert. Stattdessen bleibt die Bedienlogik funktional und weniger „showroom-lastig“. Technisch ergänzt sich das Bild durch die Antriebskonfiguration: Im Supersports kommt ein 4,0-Liter-Twin-Turbo-V8 mit 657 PS und 590 lb-ft zum Einsatz, doch die Kraft geht ausschließlich an die Hinterräder. Das Zielbild ist nicht die Sprintzeit, dennoch liegt die 0-60 mph-Angabe laut Kontext unter vier Sekunden, abhängig von der Traktion.

Auf der Strecke zeigte sich das Fahrverhalten dann weniger als „Theater“, sondern als messbarer Kompromiss zwischen Präzision und begrenzter Eingriffsfreiheit. Besonders stark fiel die Bremsanlage auf: vorn arbeitet eine 17,3-Zoll-Carbon-Keramik-Scheibe mit 10-Kolben-Sätteln, dazu hinten 16,1-Zoll-Scheiben mit 4-Kolben-Sätteln. Bentley betont außerdem die Luftfederung mit Twin-Valve-Dämpfern für Tour- und Sport-Modus. In der Karosseriesteifigkeit und in der aktiven Seitenneigungskontrolle helfen die Komponenten, die man aus dem Continental-Umfeld kennt: ein 48-Volt aktives Anti-Roll-System, plus Hinterachslenkung und ein elektronisch gesteuertes Hinterachs-Differenzial. In den sechs Runden kamen die in Laguna Seca so typischen Wellen der Curbs spürbar durch, nicht als aggressives Schlagen, sondern als Texturübertragung. Wiederholtes starkes Bremsen führte dabei zu keinem spürbaren Fading im kurzen Testfenster.

Beim Handling wird es gleichzeitig interessanter und eindeutiger: Der Supersports „will“ schieben, also erkennbar über die Hinterachse ausbrechen. Mit etwas über 650 PS an der Hinterachse wirkt das bei Einlenk- und Bremsphasen kontrollierbar, aber eben spürbar. Selbst mit aktivem Traktionskontrollsystem griff das Auto in dem Moment ein, in dem der Fahrer gern noch mehr Einfluss über die Linie genommen hätte. Laut Eindrücken senkt der Regelsatz nicht nur dezent das Drehmoment, sondern kappselt die Leistung, um milden Oversteer früh zu neutralisieren. Das unterscheidet den Supersports im Verhalten spürbar von vielen Systemen, die gerade im Motorsport- und Supersport-Umfeld oft so ausgelegt sind, dass sie dem Fahrer den „Fehlerraum“ kontrollierter öffnen. In der Praxis führt das zu einer konsistenten Oversteer-Strategie: Wer die Einlenkphase korrekt „setzt“, kann die Plattform für Poise nutzen, statt dagegen zu arbeiten.

Genau an den Stellen, an denen man in Laguna Seca gern Positionierung zeigt, punktet der Supersports besonders: der schnelle, hohe Kink, der Corkscrew und die riskante abwärtsführende Off-Camber-Kombination. Im Test wird beschrieben, dass das Auto die vordere rechte Reifenlast sehr zielgenau aufbaut, mit nur minimalem Push zur richtigen Zeit, und dass die Linie durch den Corkscrew über eine brutal präzise „Zanardi“-ähnliche Strategie möglich wird. Gleichzeitig bestätigt sich: Dieses Verhalten sollte man nicht „in jeder Ecke“ provozieren, sondern passend zur verlangten Kurvencharakteristik einsetzen. Bei manuellen Schaltvorgängen bleibt ein echter Kritikpunkt übrig: Der Doppelkupplungs-Schaltlogikapparat lässt deutlich mehr Drehzahlspielraum als nötig und verhindert Abwärtsgänge, die den Motor in den oberen Bereich ziehen würden. Wer am Track arbeitet, muss daher den Downshift-Paddle bis in einen ausreichend niedrigen Drehzahlbereich warten lassen; sonst wirkt die Dynamik künstlich gebremst. Dazu passt der subjektive Gesamteindruck vom Klang: Der V8 liefert einen tiefen, gutturalen Bariton, aber er ist akustisch nicht „weit“ genug, was besonders auffällt, wenn man den Wagen aus größerer Distanz beobachtet.

Preis und Positionierung schließen den Kreis. Der Continental Supersports ist als limitierte Edition ganz oben im Continental-GT-Regal angesiedelt und entsprechend bepreist: In den Angaben liegt der Einstieg bei 486.000 US-Dollar zuzüglich Destination, Delivery und Steuern. Sonderfarben wie Ombre und die gesplittete Farbwelt im Cockpit kosten ebenso extra wie zahlreiche kleinere Upgrades über die Mulliner-Individualisierung. Bentley geht zudem davon aus, dass die komplette Auflage von 500 Fahrzeugen bereits ausgebucht ist. Für den Markt bedeutet das weniger „Rationalität“, sondern eine typische Luxusmarkt-Logik: Es kostet besonders viel, Performance, Features und Technik in ein Fahrzeug zu packen, das gleichzeitig den Stil eines Großtourers wahren soll. Ebenso kostspielig ist es laut Fahr- und Designphilosophie, das später wieder herauszunehmen, um daraus ein zeitkritisches, leichtfüßiges Trackpaket zu machen.


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