DARMSTADT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die ESA startet nach acht Jahren die heiße Phase der BepiColombo-Mission. Am 3. September wird sich das Mutterschiff von zwei Sonden trennen, damit sie Merkur in unterschiedlichen Umlaufbahnen untersuchen. Zuerst trifft ein Trennsignal nach rund elf Minuten ein, doch der finale Bestätigungslauf braucht bis zu zwei Stunden. Im Fokus stehen unter anderem die Zusammensetzung der Oberfläche, das Magnetfeld und die extremen Bedingungen zwischen minus 180 und 450 Grad Celsius.

Nach acht Jahren Reisezeit beginnt für BepiColombo jetzt der Abschnitt, der im Operationsalltag als „heiße Phase“ gilt: Am Donnerstag um 14 Uhr werden zwei Sonden von ihrem Mutterschiff getrennt, um Merkur systematisch aus unterschiedlichen Perspektiven zu vermessen. Dass dafür gerade der Moment gewählt wird, an dem die Planeten „ungünstig stehen“, ist mehr als eine organisatorische Randnotiz. Es beschreibt eine anspruchsvolle Himmelsmechanik, bei der die Abstände, Geschwindigkeiten und benötigten Bahnanpassungen so zusammenpassen müssen, dass die Sonden ihre Zielumlaufbahnen erreichen, ohne dass man später mit größeren Korrekturen die verbleibende Treibstoffreserve angreift.
Technisch ist die Mission dabei von Anfang an auf präzise Bahnführung ausgelegt. Die mehr als vier Tonnen schwere Sonde startete am 20. Oktober 2018 mit einer „Ariane 5“; danach legte das europäisch-japanische Gemeinschaftsprojekt laut Missionszahlen insgesamt 10,2 Milliarden Kilometer zurück. Auf dem Weg passierte BepiColombo die Erde, nutzte mehrere Venus- und Merkurvorbeiflüge als „Himmels-Bremsen“ und beschleunigte dabei bis auf bis zu 60 Kilometer pro Sekunde. Für den finalen Trennflug ist die konkrete Geometrie entscheidend: Im Schnitt liegt Merkur nur rund 92 Millionen Kilometer entfernt, doch bei der anstehenden Konstellation sollen es sogar 207 Millionen Kilometer sein – eine Distanz, die die Kommunikation und das Zeitfenster für Follow-up-Manöver direkt beeinflusst.
Die Abtrennung selbst ist dann ein logistischer Ablauf mit klarer Signalphysik. Ein erstes Trennungssignal soll bereits nach etwa elf Minuten die Erde erreichen und damit den Beginn des Manövers bestätigen. Direkt danach verliert die Bodenstation jedoch den Kontakt, weil sich die Antennen neu ausrichten müssen. Erst nach eineinhalb bis zwei Stunden kommt laut Missionsablauf das Signal zurück, das den endgültigen Erfolg der Trennung belegt. Solche Wartefenster gehören zum Alltag interplanetarer Flüge: Sie zwingen Teams dazu, parallel zur Telemetrie auch vorbereitete Beobachtungsketten und Notfallprozeduren bereit zu halten, damit die Mission ohne großen Leerlauf in den nächsten Betriebsmodus wechseln kann.
Warum der Aufwand ausgerechnet beim sonnennächsten Planeten gerechtfertigt ist, lässt sich an den offenen Fragen ablesen, die sich in den letzten Jahrzehnten trotz zweier früherer Missionen aufgebaut haben. Von Merkur existieren bisher vor allem die Ergebnisse der US-Mission „Mariner 10“ (1974) und der Sonde „Messenger“ (2011), die später in eine Umlaufbahn ging. Merkur ist mit Eisen und Nickel zwar relativ kompakt im Aufbau, besitzt aber – anders als Venus oder Mars – ein Magnetfeld. Daraus folgt die Plausibilität eines heißen, flüssigen Kerns; zugleich deuten Beobachtungen auf ungewöhnlich viel Kalium in der Nähe der Oberfläche hin. Genau diese Widersprüche treiben Hypothesen an, etwa dass Merkur weiter außen entstanden sein könnte und erst später durch frühe Kollisionen seine heutige „Kruste“ verloren und in Richtung der Sonne verschoben wurde. ESA-Wissenschaftler Geraint Jones beschreibt dazu eine Idee, nach der eine frühe Kollision vor möglicherweise 4,5 Milliarden Jahren Merkur seiner Kruste beraubt und in die Nähe der Sonne gebracht haben könnte – in Verbindung mit weiteren Ereignissen, die man auch mit der Entstehung des Mondes verknüpft.
Die wissenschaftliche Arbeit setzt anschließend bei den Messinstrumenten an und adressiert Merkur gleich in mehreren Dimensionen. Der europäische Orbiter MPO kartografiert die Oberfläche unter anderem mit einem Laser und ergänzt das Bild durch Messungen, die Zusammensetzung und Mineralogie identifizieren sollen. Parallel wird das Magnetfeld vermessen und auch die Teilchendichte bestimmt; zudem arbeitet die Sonde in einem Strahlungsbereich, in dem Sonnenenergie zwischen 6300 und 14.500 Watt pro Quadratmeter liegen kann – grob das Fünf- bis Zehnfache dessen, was auf der Erde ankommt. Hinzu kommt die Untersuchung der extrem dünnen Atmosphäre, die im Erd-Vakuummaßstab fast „leer“ wirkt, aber auf Merkur dennoch messbare Spuren hinterlässt. Auch Änderungen der Anziehungskraft stehen auf dem Plan, weil sie Rückschlüsse auf die innere Struktur erlauben. Für die thermische Stabilität ist das Design darauf ausgelegt, den Betrieb auch bei Temperaturen zwischen minus 180 und 450 Grad Celsius zu ermöglichen: Eine mehrschichtige „Decke“ aus Aluminium, Keramik und Titan soll das Innere der Sonde möglichst konstant halten, ergänzt um einen Radiator und 100 Heatpipes, also Hitzerohre, die Wärme gezielt abführen.
Während MPO als Teil des ESA-Systems die Geologie und das Weltraumumfeld „von innen“ charakterisiert, ergänzt JAXA den Blickwinkel mit der Sonde MIO. Diese wird um den 10. Dezember herum abgekoppelt und soll ebenfalls das Merkur-Magnetfeld vermessen; die Messungen zielen dabei auf ein Feld, dessen Stärke etwa bei einem Prozent der irdischen Größe liegt. Darüber hinaus stehen die Staubdichte und der Sonnenwind im Zentrum, außerdem die Erfassung von Plasmawellen in der Sonnennähe. MIO soll zudem das Natrium in der dünnen Merkur-Atmosphäre detektieren. Für die Missionsoperationen heißt das: Während MPO vor allem die Zusammensetzung und die magnetisch-physikalischen Parameter systematisch kartiert, konzentriert sich MIO stärker auf die Wechselwirkungen im unmittelbaren Raumumfeld des Planeten. Dass die Belastung real und nicht nur theoretisch ist, zeigt auch das Einsatzprofil: Ignacio Tanco, Leiter der innerplanetaren Missionsoperationen bei der ESA, nennt für MPO eine vorgesehene Betriebsdauer von etwa 2,5 Jahren in einer niedrigen Merkurumlaufbahn bis Dezember 2029 und betont zugleich, dass sich diese Schätzung ändern kann, sobald man das Verhalten in der anspruchsvollen Umgebung genauer kennt.
Für Unternehmen und Forschungsgruppen ist die Mission auch deshalb relevant, weil sie typische Engineering-Themen der Deep-Space-Laufzeit immer wieder auf die Probe stellt: präzise Trennmechanismen, robuste Thermik, signalfähige Funkstrecken über große Entfernungen und die saubere Auswertung komplexer Sensorik im Kontext stark variierender Strahlungsbedingungen. Gleichzeitig liefert die Mission eine Art „Testfeld“ für künftige Planung: Wenn Signallogik, Antennenneuausrichtung und Betriebswechsel so exakt koordiniert werden müssen, um in der heißen Phase keine Zeit zu verlieren, wird deutlich, wie wertvoll integrierte Missionssimulationen und prozedurbasierte Betriebspipelines für alle nachfolgenden Raumfahrtprogramme sind. Was am Ende aus dem Mutterschiff wird, ist dagegen klar: Es wird am Merkur vorbeifliegen, etwa 130.000 Kilometer entfernt, und sich danach im Sonnensystem verlieren – die wissenschaftliche Arbeit liegt nun auf den beiden Sonden, die in den nächsten Monaten zeigen sollen, wie „mysteriös“ Merkur in Daten tatsächlich ist.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "BepiColombo startet die heiße Phase: ESA und JAXA untersuchen Merkur" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "BepiColombo startet die heiße Phase: ESA und JAXA untersuchen Merkur" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »BepiColombo startet die heiße Phase: ESA und JAXA untersuchen Merkur« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!