BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Wahlkampf fürs Berliner Abgeordnetenhaus spitzt sich auf einen möglichen Zweikampf zwischen Linke und CDU zu. Mit Elif Eralp rückt erstmals die Option in den Fokus, dass die Linke im Roten Rathaus eine entscheidende Rolle übernimmt, während CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers das verhindern will. Im Hintergrund laufen parallel politische Risiken: Der frühere Spitzenkandidat Steffen Krach sieht sich Ermittlungen ausgesetzt, die nach Angaben der Ermittler mit seiner früheren Tätigkeit zusammenhängen. Den Wahlkampf dominiert jedoch vor allem die Wohnungs- und Mietenpolitik, inklusive der Frage, ob ein Volksentscheid zur Vergesellschaftung umgesetzt wird.

Berlin-Wahl im Liveticker: Linke vs. CDU – Streit um Mieten und Expropriation
Berlin-Wahl im Liveticker: Linke vs. CDU – Streit um Mieten und Expropriation (Foto: IT BOLTWISE)
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In Berlin führt der Wahlkampf zum Abgeordnetenhaus in eine Phase, in der Umfragen nicht nur Verschiebungen zeigen, sondern auch Machtoptionen neu ordnen. Laut dem Bericht liegen Linke und CDU zuletzt eng beieinander, oft im Bereich von rund 20 bis 23 Prozent, während die AfD stabil auf Platz drei bleibt und die Grünen bei knappem Abstand folgen. Besonders relevant ist dabei, dass der Amtsinhaber in der Spitze zwar gesetzt ist, aber nicht mehr für die Spitzenkandidatur angetreten ist: Kai Wegner (CDU) bleibt als Regierender Bürgermeister bis zur Bildung des nächsten Senats im Amt, nachdem er im Juli auf die Spitzenkandidatur verzichtet hatte. Der Grund, der im Text genannt wird, sind fortlaufende Debatten über sein Krisenmanagement bei einem Stromausfall im Januar sowie weitere Kritik, die sogar bis zu einem Tennismatch in dieser Zeit reicht. Genau solche Themen erzeugen in der Endphase des Wahlkampfs einen Druck, der sich weniger in Programmpunkten ausdrückt, sondern in der Frage, wer nach dem Urnengang überhaupt die Legitimation für die Regierungsbildung mitbringt.

Während die politische Bühne um den Führungsanspruch der CDU und die Möglichkeit für die Linke kreist, verschiebt sich der Risikofaktor zusätzlich durch Ermittlungs- und Vorwurfslagen. Steffen Krach (SPD), der in der heißen Phase des Wahlkampfs als Spitzenkandidat aktiv war, wurde in der Vorwoche mit Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Hannover konfrontiert, wie es im Text heißt. Den Angaben der Ermittler zufolge geht es dabei unter anderem um den Anfangsverdacht der Vorteilsannahme in zwei Fällen; außerdem wurde laut Bericht auch seine Wohnung in Berlin durchsucht. Krach weist die Vorwürfe zurück, und der Text stellt ausdrücklich klar, dass die Unschuldsvermutung gilt. Damit entsteht für die SPD eine doppelte Herausforderung: Einerseits muss sie um Stimmen ringen, andererseits wirkt jede Schlagzeile im Endspurt wie ein eigener Wahlkampf für oder gegen sie – selbst wenn die juristische Bewertung offen bleibt.

Die Koalitionsarithmetik dürfte daher zum eigentlichen Entscheidungsraum werden. Laut Bericht haben CDU und SPD zusammen keine Mehrheit mehr; dadurch reduziert sich das Spektrum der realistischen Bündnisse auf Dreierkonstellationen. Als Optionen gelten Koalitionen aus Linke, Grünen und SPD oder aus CDU, Grünen und SPD. Für den neuen Senat bedeutet das auch: Grüne und SPD dürften selbst bei mäßigen oder schlechten Wahlergebnissen im Spiel bleiben, weil sie in mehreren Konstellationen als notwendige Mehrheitskomponente auftauchen. Gleichzeitig wird eine klare rote Linie betont: Mit AfD und deren Spitzenfrau Kristin Brinker möchte keine andere Partei zusammenarbeiten. Diese Form von „Koalitions-Triage“ führt in der Praxis dazu, dass die Entscheidung nicht nur zwischen Parteien, sondern zwischen politischen Linien fällt – etwa zwischen dem Grad an Konfrontation in Sozial- und Mietenfragen und dem Maß an Kompromissbereitschaft gegenüber juristischen und föderalen Spielräumen.

Keine andere Debatte dominiert Berlin so stark wie die Wohnungs- und Mietenpolitik. Der Bericht beschreibt, dass es in kaum einer anderen Stadt so intensiv um die Frage geht, wie der starke Anstieg der Angebotsmieten gestoppt oder zumindest gebremst werden kann. Dabei spielen Enteignungsoptionen als Bestandteil einer größeren Reformagenda eine Rolle, nicht nur als Schlagwort. Schon der Volksentscheid 2021 wird im Text konkret: Rund 59 Prozent stimmten dafür, Immobilienunternehmen mit mehr als 3.000 Wohnungen gegen Entschädigung zu vergesellschaften, umgesetzt wurde das bisher jedoch nicht. Im Wahlkampf entwickelt dieses „Nicht-Umgesetzt-Haben“ eine neue Dynamik, weil es als Testfall für politischen Durchsetzungswillen gelesen wird. Linke-Spitzenfrau Elif Eralp verspricht, den Volksentscheid umzusetzen; Bundesparteichefin Ines Schwerdtner macht das sogar zur Bedingung für den Eintritt in eine Koalition. Eralp stellt das inhaltlich scharf: Sie wolle Mieten senken, sich mit Konzernen anlegen und die Realisierung gegen Widerstände „mit jedem Hebel“ vorantreiben. Dazu passt der Hinweis im Text auf das Tragen eines „Mietendeckel“-Kettchens, das politisch als Symbol für eine bestimmte Härte gegenüber Preissteigerungen steht.

Gerade deshalb wird im nächsten Schritt die Frage entscheidend, welche Bündnispartner in einer Koalition bereit sind, die Enteignungslinie mitzutragen. Für die Grünen, so deutet es der Bericht an, wäre eine Vergesellschaftung am ehesten anschlussfähig, allerdings nicht ohne politische und juristische Kontroversen: Das Grundgesetz erlaubt Vergesellschaftungen grundsätzlich, doch die Umsetzung bleibt hochumstritten. Im Text wird zudem ein konkreter Kandidat der Grünen genannt, Werner Graf, der den Volksentscheid zur Vergesellschaftung von „Deutsche Wohnen & Co“ umsetzen will. Demgegenüber positioniert sich die SPD deutlich gegen den Enteignungsvorschlag: SPD-Politiker Steffen Krach sagt laut Bericht, es werde mit der SPD keine Enteignungen geben. Allerdings zeigt der Text auch eine innerparteiliche Spannungszone: Es gebe innerhalb der Berliner SPD einen „mächtigen linken Flügel“, der das offenbar anders bewertet. Zusätzlich wirkt ein bundespolitischer Konflikt in die Landespolitik hinein: Der Bericht erwähnt, dass eine schwarz-rote Koalition im Bund Anfang Juli vereinbart haben soll, solche Enteignungen von Immobilienkonzernen auf Landesebene verbieten zu wollen. Für eine SPD, die laut Bericht historisch auf ein schlechtes Wahlergebnis zusteuern könnte, wird damit Mietenpolitik zur Koalitionsprobe und nicht nur zu einem Wahlkampfthema.

Auch die CDU versucht, ihre Position neu zu schärfen – und zwar als Gegenentwurf zu den laut Text genannten „Rändern“. Stefan Evers will nach dem Bericht eine klare Abgrenzung, indem er AfD und Linke anspricht und ihnen unter anderem Antisemitismus vorwirft. Zugleich rahmt er sein eigenes Profil als „vernünftig“ und bezeichnet die Enteignungsforderungen der Linken als „populistisch“. Genau hier zeigt sich ein typisches Muster städtischer Wahlkämpfe: Während Mieten und Wohnraum ein breites, alltagsnahes Thema sind, wird die politische Identität über das Instrument erzählt – also über die Frage, ob der Staat in die Eigentumsstruktur eingreifen soll oder ob andere Stellschrauben wie Neubau, Regulierung oder Verwaltungsreformen im Vordergrund stehen. Dass die Berlin-Wahl 2023 bereits wegen schwerer Pannen im Jahr 2021 wiederholt wurde, wird im Text als Hintergrund verankert: Die CDU hatte damals 28,2 Prozent der Zweitstimmen erzielt, vor Grünen und SPD sowie Linke und AfD. Für den aktuellen Wahlkampf heißt das: Jede mögliche Koalition trifft auf eine Stadt, die sich nach wiederholten Abstimmungen an politische Stabilität klammert – und zugleich an eine Reformbereitschaft, die im Kern am Streit um Mieten und Vergesellschaftung festgemacht wird. Insofern ist der Wahlabend vor allem eine Entscheidung darüber, ob „Wohnen“ als sozialpolitische Leitplanke mit maximaler Härte verhandelt wird oder ob die Regierungsbildung in einen pragmatischeren Korridor rückt.


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