BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Berliner Volksbühne baut vor dem Theater ein temporäres Freibad mit 25-Meter-Bahn. Der Intendant Matthias Lilienthal versteht das Projekt als Protest gegen den maroden Zustand zentraler Infrastruktur in der Stadt. Das Schwimmbecken startet am Freitag nach dem Aufbau mit Umkleiden, Bademeistern und Sicherheitskräften. Kritiker aus der Politik sehen die Kosten in Höhe von rund 300.000 Euro bei gleichzeitigem Spardruck skeptisch.

Vor dem monumentalen Bühnengebäude glitzert ab Freitag ein türkisblaues Becken, obwohl hier sonst Spielpläne, Proben und Bauabschnitte dominieren. Die Berliner Volksbühne setzt für einen begrenzten Zeitraum ein Freibad als öffentliches Ereignis in Szene – mit 25-Meter-Bahn, Umkleiden, engagierten Bademeistern und Sicherheitskräften. Damit verlagert der Intendant Matthias Lilienthal die Bühne buchstäblich nach draußen: nicht als bloße Sommerunterhaltung, sondern als sichtbares Zeichen. Die Konstruktion ist dabei bewusst als temporäres Setup gedacht und soll die Nachbarschaft einbinden, während im Haus selbst weiter an der Obermaschinerie saniert wird.
Technisch betrachtet ist das Projekt weniger eine dauerhafte Sportanlage als ein organisatorisch aufgesetztes Veranstaltungsformat. Das Becken wird gemietet, der Betreiberbetrieb folgt aber klaren Sicherheits- und Kapazitätslogiken: Für die gleichzeitige Nutzung gilt eine Obergrenze von maximal 46 Personen pro Vorgabe einer DIN-Norm. Auf das Zeitfensterticket ist die Zugangssteuerung ausgerichtet, und die Planung zielt auf rund 20.000 Badegäste bis Oktober. Programmlich kündigt die Volksbühne nicht nur freies Planschen an, sondern auch Formate wie Kraulkurs und Synchronschwimmen – also eine Mischung aus niedrigschwelliger Zugänglichkeit und kuratiertem Angebot.
In der Kostenlogik wirkt das Projekt wie eine begrenzte Theaterproduktion: Rund 300.000 Euro kostet der Aufbau, finanziert aus dem Haushalt des Theaters. Etwa 90.000 Euro entfallen auf das Schwimmbecken, der größere Block von ungefähr 210.000 Euro wird für Personal, Projektplanung und Sicherheit veranschlagt. Laut Theaterentsprechung liegen die Aufwände damit in einer Größenordnung, wie sie auch bei einer großen Produktion anfallen würde. Dem steht ein permanenter finanzieller Rahmen gegenüber: Die Volksbühne erhält jährlich mehr als 20 Millionen Euro bezuschusst, während sich gleichzeitig politischer und öffentlicher Druck auf Ausgabenstrukturen verschärft.
Genau hier setzt die Kontroverse an. Eine SPD-Abgeordnete aus dem Berliner Abgeordnetenhaus äußert Kritik daran, dass das Geld in Zeiten des Spardrucks aus ihrer Sicht besser bei kleineren Spielstätten aufgehoben wäre, insbesondere im Jugendtheater. Ihr Kernpunkt ist nicht nur der Betrag, sondern das Signal: Statt Plätze für Vorstellungen zu füllen, werde ein Schwimmmeister-Traum priorisiert. Lilienthal dagegen rahmt den Pool als soziale und politische Intervention und benennt konkrete Infrastruktur-Themen wie Bäder, S-Bahnen und Schulen. Für ihn ist das temporäre Volksbad ein Protest gegen das Gefühl, dass zentrale Angebote der Stadtversorgung nicht mehr zuverlässig funktionieren.
Historisch betrachtet passt das Vorgehen in die Spannungsachse, für die die Volksbühne in den letzten Jahrzehnten bekannt wurde. Unter früheren Intendanzen kam es wiederholt zu spektakulären künstlerischen Formaten, aber auch zu Reibungen und Protesten rund um den Kurswechsel. Mit Frank Castorf wurde das Haus laut Berichtslinie durch Aktionen wie Kunstblut, Videokamera und Gebrüll als radikale Kunstbühne wahrgenommen; die Nachfolge brachte wiederum Konflikte mit sich. Renè Pollesch, der als Nachbesetzung ebenfalls stilprägend war, starb überraschend vor zwei Jahren. Nun übernimmt Matthias Lilienthal nach, zuvor bereits mit Leitungsrollen am Berliner HAU und den Münchner Kammerspielen – ein Hinweis darauf, dass er sowohl in der freien wie in der etablierten Theaterlandschaft vernetzt ist, aber auch inhaltliche Erwartungen politisch unterschiedlich gelagert ausbalancieren musste.
Der Markteffekt des Freibads ist weniger im klassischen Kulturbetrieb zu sehen als im öffentlichen Gespräch: Die Volksbühne will Menschen anziehen, die sonst möglicherweise nicht ins Theater gehen, und nutzt dafür einen Ort, der in Berlin als Alltagsinfrastruktur wahrgenommen wird. Zugleich bleibt das Projekt eine Art Werbe- und Aufmerksamkeitsträger für die im Oktober beginnende Spielzeit, die zunächst mit „House of Hopes“ von Rimini Protokoll starten soll. Auch wenn das Event kostenlos zugänglich ist, folgt es einem kuratierten Prinzip: Publikum soll nicht nur kommen, sondern sich an die Kultur der Stadt heranführen lassen. Interessant ist dabei die Herkunft der Idee: Die Volksbühne verweist auf eine Performance-Künstlerin, die zuvor mit einer radikalen Intervention im österreichischen Pavillon in Venedig gearbeitet hat – Wasser als Medium, Provokation als Motor, Öffentlichkeit als Bühne. Bis zum Ende des Freibads soll das Material später für Inszenierungen weiterverwendet werden, während der aktuelle Betrieb auf den Alltag mit Regeleinhaltung reduziert wird.
Unterm Strich testet die Volksbühne mit dem Freibad eine Frage, die für viele Kultureinrichtungen gerade zentral ist: Wie lässt sich Relevanz vermitteln, ohne die eigenen finanziellen und inhaltlichen Grenzen zu verwischen? Pro ist, dass ein temporärer Zugang neue Zielgruppen erreicht, die normalerweise zwischen Alltag und Kultur getrennt denken. Contra ist, dass jede Ausgabe in der öffentlichen Debatte sofort gegen andere Bedarfe ausgespielt wird – etwa gegen Jugendtheater oder kleinere Spielstätten. Dass das Becken nur 1,30 Meter tief ist, unterstreicht zudem den Charakter als niedrigschwelliges Sommerformat. Trotzdem bleibt das größte Risiko wohl nicht das technische Setup, sondern die Deutung: Planschen, Pommes und eine politische Botschaft treffen hier auf eine Stadt, in der jeder symbolische Schritt unmittelbar nach Kosten, Nutzen und Prioritäten bewertet wird.
💳 Amazon-Kreditkarte mit 2.000 Euro Limit bestellen!
🔥 Heutige Hot Deals bei Amazon: Bis zu 80% Rabatte!
🎉 Amazon Haul-Store für absolute Schnäppchenjäger!
- ★ 23-stufiges KI-Go-Training – Für Spieler mit Grundkenntnissen der Regeln – Entwickelt als intelligenter Trainingspartner passt sich die KI Spielern von 18K bis 9D an. Ideal für alle, die die Grundregeln bereits beherrschen und ihr Spiel verbessern möchten.
- IHR EMOTIONALER AI-BEGLEITER: Eiliko ist mehr als nur ein Anhänger, es ist ein charismatischer KI-Freund. Mit einem dynamischen LED-Bildschirm, der eine Vielzahl von animierten Gesichtern und Ausdrucksformen anzeigt, reagiert er auf Ihre Interaktionen mit einzigartiger Persönlichkeit und Charme.
- 【MEHR LEBEN FÜR DEINEN SCHREIBTISCH】 Lerne Eilik kennen – deinen kleinen Roboter-Freund mit Persönlichkeit. Mit liebevollen Animationen, ausdrucksstarken Reaktionen und spielerischen Interaktionen bringt Eilik mehr Freude in deinen Alltag. Ob auf dem Schreibtisch, im Büro oder am Nachttisch – Eilik wird schnell zu einem vertrauten Begleiter für besondere Momente.
- 【XL-Größe für gedeihende Pflanzen】Geben Sie Ihren Pflanzen den Raum, den sie verdienen! Unser verbessertes, großes 13,7 cm großes Design bietet Platz für Pflanzen mit einem Durchmesser von bis zu 8,9 cm und damit deutlich mehr Platz für Wurzelwachstum und Pflanzengesundheit im Vergleich zu kleineren, veralteten Modellen. Die Produktabmessungen betragen 13,6 x 13,6 x 13,2 cm und das Gerät wiegt nur 355 g.
- V28 Update - JETZT MIT NEUEN FUNKTIONEN! Als Reaktion auf das Ladeproblem von Loona haben wir das automatische Aufladen 2.0 verbessert. Diese Optimierung hilft Loona, die Ladewege in verschiedenen Szenarien zu erkennen und anzupassen, um die Erfolgsquote beim automatischen Aufladen zu erhöhen. Mobile Hotspots können sich mit Loona verbinden und überwinden WLAN-Einschränkungen, sodass Sie jederzeit und überall mit Loona interagieren können.
- Die besten Bücher rund um KI & Robotik!

- Die besten KI-News kostenlos per eMail erhalten!
- Zur Startseite von IT BOLTWISE® für aktuelle KI-News!
- IT BOLTWISE® kostenlos auf Patreon unterstützen!
- Aktuelle KI-Jobs auf StepStone finden und bewerben!
- Künstliche Intelligenz: Dem Menschen überlegen – wie KI uns rettet und bedroht | Der Neurowissenschaftler, Psychiater und SPIEGEL-Bestsellerautor von »Digitale Demenz«
Du hast einen wertvollen Beitrag oder Kommentar zum Artikel "Berliner Volksbühne eröffnet Freibad als Protest gegen marode Infrastruktur" für unsere Leser?


#Sophos
Es werden alle Kommentare moderiert!
Für eine offene Diskussion behalten wir uns vor, jeden Kommentar zu löschen, der nicht direkt auf das Thema abzielt oder nur den Zweck hat, Leser oder Autoren herabzuwürdigen.
Wir möchten, dass respektvoll miteinander kommuniziert wird, so als ob die Diskussion mit real anwesenden Personen geführt wird. Dies machen wir für den Großteil unserer Leser, der sachlich und konstruktiv über ein Thema sprechen möchte.
Du willst nichts verpassen?
Du möchtest über ähnliche News und Beiträge wie "Berliner Volksbühne eröffnet Freibad als Protest gegen marode Infrastruktur" informiert werden? Neben der E-Mail-Benachrichtigung habt ihr auch die Möglichkeit, den Feed dieses Beitrags zu abonnieren. Wer natürlich alles lesen möchte, der sollte den RSS-Hauptfeed oder IT BOLTWISE® bei Google News wie auch bei Bing News abonnieren.
Nutze die Google-Suchmaschine für eine weitere Themenrecherche: »Berliner Volksbühne eröffnet Freibad als Protest gegen marode Infrastruktur« bei Google Deutschland suchen, bei Bing oder Google News!