LONDON (IT BOLTWISE) – Der Logistikverband BGL hält die geplante Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen für keine Lösung zur Entlastung der Wasserstraßen. Laut BGL-Präsident Dirk Engelhardt entstehen dadurch keine zusätzlichen Fahrerkapazitäten. Zwar ließen sich wichtige Transporte flexibler planen, doch gesetzliche Lenk-, Pausen- und Ruhezeiten bleiben vollständig einzuhalten. Das grundlegende Kapazitätsproblem im Straßengüterverkehr werde daher nicht aufgelöst.

Die angekündigte Lockerung des Lkw-Fahrverbots an Sonn- und Feiertagen wird in der Logistikbranche vor allem daran gemessen, ob sie Engpässe wirklich abbaut – oder nur den Takt verlagert. Nach Einschätzung des Logistikverbands BGL schafft die Änderung keine zusätzlichen Transport-Kapazitäten, die spürbar zur Entlastung der Wasserstraßen führen. Für Reeder, Spediteure und Verlader ist das eine wichtige Unterscheidung: Wenn sich Kapazität nicht vermehrt, sondern lediglich umverteilt, bleibt der Druck auf den gesamten Verkehrsknoten bestehen, auch wenn einzelne Fahrplanfenster kurzfristig attraktiver wirken.
Die Logik dahinter ist vergleichsweise technisch, weil sie an die physische Grenze der Fahrerbindung und an die gesetzlichen Arbeitszeitregeln gekoppelt ist. BGL-Präsident Dirk Engelhardt stellt dabei ausdrücklich klar, dass die Lockerung nicht automatisch mehr Menschen auf die Straße bringt. In der Begründung heißt es: „Sie schafft jedoch keine zusätzlichen Fahrerkapazitäten. Auch bei einer Aufhebung des Fahrverbots müssen die gesetzlichen Lenk-, Pausen- und Ruhezeiten vollständig eingehalten werden.“ Für die Praxis bedeutet das: Die vorhandene Lenkzeit der verfügbaren Kräfte kann höchstens anders über die Woche verteilt werden, statt zusätzliche Zeitreserven zu erzeugen.
Damit verschiebt sich das Timing von Nachfrage und Angebot, ohne den Umfang des vorhandenen Personals zu erhöhen. Wenn Ruhezeiten zu anderen Zeitpunkten genommen werden müssen, entsteht ein Wechsel in den Tages- und Wochenmustern – etwa hin zu einer stärkeren Nutzung vormals ruhiger Zeiträume. Solche Verschiebungen können zwar für einzelne, besonders zeitkritische Sendungen spürbar helfen, insbesondere wenn Betriebe planbare Transportfenster für Umschlag, Produktion oder Disposition benötigen. BGL formuliert deshalb den Punkt zugleich konstruktiv: „Besonders wichtige Transporte könnten zeitlich flexibler geplant werden“, während die strukturelle Kapitallücke im Fahrpersonal unangetastet bleibt.
Im Hintergrund steht ein seit Jahren beschriebenes Personalproblem. Der Verband verweist auf einen Mangel von mehr als 100.000 Fahrern in Deutschland. Diese Zahl ist entscheidend, weil sie erklärt, warum zusätzliche Wochentage oder Feiertagsfenster nicht automatisch zu mehr Gesamtfahrten führen: Fahrzeuge und Infrastruktur mögen vorhanden sein, doch die steuernde Ressource ist die Zeit der Fahrer, die wiederum durch Lenk-, Pausen- und Ruhevorschriften begrenzt wird. In einem solchen Engpasssystem kann eine Lockerung daher eher wie ein „Umschichten“ innerhalb derselben Kapazitätsmenge wirken – mit möglichen lokalen Vorteilen, aber ohne Entspannung im Gesamtsystem.
Für Marktteilnehmer beeinflusst das die Planungslogik über mehrere Verkehrsträger hinweg. Wenn die Straße nicht spürbar mehr Volumen aufnehmen kann, bleibt der Übergang von Ladung von den Wasserstraßen in den Straßengüterverkehr begrenzt – zumindest nach dieser Lesart. Genau darin liegt die Relevanz für Unternehmen mit multimodalen Transportketten: Sie sollten sich weniger darauf verlassen, dass zusätzliche Zeitfenster sofort zusätzliche Kapazität schaffen, und stärker mit Szenarien arbeiten, die auf betriebliche Reserven, zusätzliche Umschlagplanung und eine realistische Verfügbarkeit von Fahrpersonal setzen. So vermeiden Spediteure, Verlader und Logistikdienstleister, dass kurzfristige Fahrplanhoffnungen in mittel- bis langfristige Engpassrisiken kippen.
Auch technologisch und organisatorisch lässt sich aus der Argumentationslinie eine Konsequenz ableiten: Wer nur das Verkehrsrecht als Stellhebel betrachtet, greift möglicherweise zu kurz. In der täglichen Disposition entscheiden daher zunehmend Systeme, die Fahrzeiten, Ruhezeiten und Tourenplanung so orchestrieren, dass gesetzliche Vorgaben eingehalten werden und zugleich möglichst wenig Stillstand entsteht. Solche KI-gestützten oder regelbasierten Planungsansätze können Flexibilität in der Wochenverteilung erhöhen, ersetzen aber nicht die fehlende Kopfzahl. Das Ergebnis ist ein nüchterner Ausblick: Die Lockerung kann einzelne Transporte erleichtern, doch wenn der Fahrerbestand nicht wächst, bleibt das grundsätzliche Kapazitätsproblem im Straßengüterverkehr bestehen – und damit auch der Erwartungsdruck auf Alternativen wie Bahn und Wasserwege.
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