LONDON (IT BOLTWISE) – Blockstream-CEO Adam Back erwartet eine „dritte Welle“ der Bitcoin-Nachfrage, getragen von professionellen Kapitalpools wie Pensionskassen und Versicherern. Er verweist auf Modellportfolios großer Banken mit einer Zielallokation von 2 bis 4%, die sich über Fonds und Altersvorsorgeprodukte in Privathaushalte übertragen könnten. Regulierung und Bankkapitalregeln machen eine direkte Verwahrung für Institute jedoch teurer. Gleichzeitig deuten sich durch Änderungen im US-Regelwerk neue Möglichkeiten für Kustodiatoren an, Bitcoin häufiger im Verwahrgeschäft zu unterstützen.

Bitcoin scheint gerade weniger an einzelnen „Neuzugängen“ zu hängen als an Kapitalströmen aus dem klassischen Finanzsystem. Genau in dieses Muster ordnet Blockstream-CEO Adam Back seine Vorstellung einer „dritten Welle“ der Adoption ein: Nach seiner Darstellung folgt auf die erste Phase mit direkten Käufen oder selbstständigem Mining eine zweite Welle, die vor allem durch Spot-Bitcoin-ETFs angestoßen wurde. Die nächste Stufe kommt demnach nicht primär aus dem Retail-Sektor, sondern aus großen Pools institutionellen Kapitals, die ihre Entscheidungen über Mandate, Fondsvehikel und Versicherungsstrukturen treffen.
Technisch und marktseitig ist daran vor allem interessant, wie sich der Ownership-Wechsel verteilt. Back beschreibt, dass viele Menschen Bitcoin letztlich nicht selbst kaufen, sondern indirekt halten: Ihr Vermögen wird von professionellen Geldverwaltern in Produkte wie Pensionsfonds, Versicherungen oder Lebensversicherungen eingebettet. Dadurch wird Bitcoin nicht als isoliertes „Asset-Wagnis“ behandelt, sondern als definierbarer Baustein innerhalb einer übergeordneten Anlagestrategie. In der Praxis bedeutet das: Wenn ein institutioneller Investor Bitcoin als Beimischung vorsieht, müssen im Hintergrund Prozesse für Orderausführung, Bewertung, Verwahrung und Risikoberichterstattung mit dem Asset integriert werden.
Konkreter wird Back bei der möglichen Größenordnung der Beimischung. Er verweist auf Vorschläge großer Investmentbanken für Modellportfolios, in denen eine Allokation von 2 bis 4% an Bitcoin vorgesehen ist. Solche Modellportfolios sind in der Welt traditioneller Asset-Allokation verbreitet, weil sie Governance, Risikorahmen und regulatorische Dokumentation auf eine wiederholbare Struktur stützen. Fließt diese Allokation anschließend in Investmentfonds, die wiederum von Endkunden für langfristige Sparziele genutzt werden, oder in Pensionsstrukturen, könnten sich die Effekte bis in die private Altersvorsorge übertragen. Auch wenn Back keine konkreten Zahlen zur zukünftigen Kapitalzufuhr liefert, ist die Logik klar: Eine moderate Beimischung kann bei großen verwalteten Vermögen spürbare Nachfrageeffekte auslösen.
Damit rückt zwangsläufig die Frage in den Vordergrund, was institutionelle Anbieter operativ und regulatorisch bremst. Back nennt explizit Bankkapitalregeln als Kostentreiber: Das Halten von Bitcoin für Kunden „verbrauche“ viel Tier-1-Kapital, wodurch es für klassische Banken vergleichsweise teuer werde. In der Argumentation steckt die Wechselwirkung aus Bilanzlogik und Risikoaufsicht: Wenn ein Institut ein Asset so hält oder strukturiert, dass es aufsichtsrechtlich stark ins Eigenkapital greift, wird selbst eine moderate Allokation schnell zu einer wirtschaftlichen Hürde. Parallel betont Back, dass sich die globalen Basel-Vorgaben noch an die Asset-Klasse anpassen und dass viele Institute daher weiterhin in einem Übergang zwischen bisherigen Rahmenbedingungen und neuen Verfahren stecken.
Für die Praxis entscheidend ist außerdem die Verwahrseite. Back ordnet ein, dass große Kustodiatoren von Aktien und Anleihen zunehmend in Richtung Bitcoin-Kustodie drängen. Ein Beschleuniger seien Regeländerungen in den USA im Verlauf des vergangenen Jahres gewesen, die es Verwahrakteuren erleichtern könnten, Bitcoin technisch und vertraglich standardisiert anzubinden. Damit verschiebt sich das Risiko-Management-Thema von der Frage „Darf man?“ stärker hin zu „Wie betreibt man?“: Dazu gehören Cold-Storage-Strategien, Schlüsselmanagement, Nachweisketten (Audit-Trails) und Schnittstellen, über die Portfolio- und Collateral-Workflows mit Blockchain-verwalteten Positionen zusammenlaufen. Für professionelle Marktteilnehmer reduziert das die Reibung, die bislang oft Projekte im Proof-of-Concept-Stadium festhielt.
Während institutionelle Prozesse also langsam skalieren, bleibt der Markt daneben weiterhin vom Grad der Retail-Sentiments geprägt. In der Quelle wird erwähnt, dass das Bitcoin-Preisbild über 24 Stunden leicht zulegte und die Stimmung in einem Social-Umfeld von „extrem bearisch“ in Richtung „bearish“ wechselte. Für die Einordnung ist das allerdings nur eine Momentaufnahme: Selbst wenn kurzfristige Stimmungsindikatoren schwanken, wirkt eine „dritte Welle“ durch Pensionskassen und Versicherer wie ein struktureller Nachfragepuffer, weil dort typische Anlagehorizonte länger sind und Allokationsentscheidungen weniger stark von Tagesbewegungen getrieben werden.
Für Unternehmen, die mit Krypto-Werten in Kontakt stehen, lässt sich aus Back’s Argumentation eine klare Konsequenz ableiten: Entscheidend ist nicht nur das Modell der Asset-Allokation, sondern die betriebliche Umsetzung über die gesamte Kette. Dazu gehören Portfolio-Integration, Verwahr- und Abwicklungsfähigkeit sowie dokumentierbare Risikoprozesse, die mit kapitalaufsichtsrechtlichen Anforderungen zusammenpassen. Genau dort entscheidet sich, ob institutionelle Anbieter Bitcoin in produktive Linien überführen oder ob die Umsetzung an Kosten und Komplexität scheitert. Wenn die Verwahrung stärker industrialisiert wird und institutionelle Allokationen als „2 bis 4%“-Baustein wiederkehrend werden, könnte die nächste Adoption-Welle weniger wie ein Hype aussehen, sondern wie ein schrittweiser Wechsel im Standardrepertoire professioneller Geldverwaltung.
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