ZUG / LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin rückt laut Aussagen eines Schweizer Blockchain-Funktionärs als Sicherheit für Kredite in den Fokus. Anleger könnten künftig häufiger gegen ihre Bestände beleihen, ohne ihre Coins zu verkaufen, was die verfügbare Liquidität verknappen würde. Der Wechsel hin zu geregelten Konten und teilweiser Verwahrung zeigt dabei, wie sich der Markt von der reinen Self-Custody-Logik entfernt. Parallel dient das ETF-Umfeld als Katalysator für eine breitere Institutionalisierung des Assets.

Bitcoin als Sicherheit: Warum ETF-Trends und Kollateral-Nutzung jetzt zunehmen
Bitcoin als Sicherheit: Warum ETF-Trends und Kollateral-Nutzung jetzt zunehmen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die vielleicht unscheinbarste Veränderung am Bitcoin-Markt ist nicht die Kursbewegung, sondern die Nutzungskette hinter dem Asset: Laut Marc Bernegger, Vorstandsmitglied der Schweizer Blockchain-Föderation, entwickelt sich Bitcoin zunehmend von einem reinen „Hold-and-Wait“-Bestand zu einer Art Sicherheiten-Backbone. Wer Bitcoin als Kollateral hinterlegt, kann sich Liquidität beschaffen, ohne die Coins selbst zu verkaufen. Genau an dieser Stellschraube hängt die Idee, „generational wealth“ nicht nur über Wertsteigerungen, sondern über wiederverwendete Sicherheiten zu organisieren.

Technisch und praktisch ist der Unterschied zwischen „verkaufen“ und „beleihen“ vor allem eine Frage der Kapitalbindung und der Kostenstruktur. Beim Verkauf realisiert ein Anleger Gewinne und muss typischerweise Steuern sowie Markteintrittskosten berücksichtigen; bei einer Beleihung bleibt der Bestand dagegen im Portfolio und wird nur partiell für die Laufzeit eines Kredits verpfändet. Für das Angebot bedeutet das: Wenn mehr Marktteilnehmer Kredite gegen ihre Bestände nutzen, entsteht ein Effekt wie bei jeder Form von Sicherheiten-Governance – Coins bleiben im Sicherheitenkreislauf, statt sie als frei verfügbare Liquidität anzubieten. Bernegger ordnet diesen Schritt als „noch frühe Phase“ ein, erwartet aber, dass er sich zu einem Megatrend auswächst.

Im Hintergrund steht eine zweite Parallele, die Bernegger ausdrücklich betont: Bitcoins feste Obergrenze und die wachsende institutionelle Nachfrage erinnern ihn an Golds lange Geschichte als Wertspeicher. Diese Analogie ist mehr als Marketing – sie beschreibt eine mentale Landkarte für Investoren, die ein knappes, nicht beliebig vermehrbares Gut als Schutz gegen monetäre Entwertung betrachten. Wenn in einem Umfeld, in dem ETF-Strukturen den Zugang erleichtern, die institutionelle Nachfrage zunimmt, verschiebt sich die Rolle des Assets vom „Spekulationsobjekt“ hin zu einem Bestandteil portfoliostrategischer Allokationen. Für Bernegger steht dabei nicht die kurzfristige Rendite im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, Wert über mehrere Marktzyklen hinweg zu halten.

Interessant wird es auch, weil sich damit die Verwahr- und Betriebsmodelle verändern. Bernegger stellt Self-Custody zwar weiterhin in den Mittelpunkt – gerade im frühen Stadium war das für viele frühe Bitcoin-Halter die logische Konsequenz. Gleichzeitig signalisiert er, dass Kollateral-Nutzung und „Mainstream Finance“-Bedarfe immer stärker zu einer Mischform aus Eigenverwahrung und regulierten Konten führen. Aus Markt-Sicht ist das relevant, weil Beleihungen typischerweise organisatorische Prozesse erfordern: klare Verantwortlichkeiten, Risikobewertung, Sicherheitenbewertung und operatives Handling. Mit zunehmender Nutzung wachsen damit auch die Erwartungen an Standards, die institutionelle Partner leichter einbinden können als rein private Abläufe.

Historisch verknüpft Bernegger diese Entwicklung mit der Schweizer Crypto-Genese. Er verweist auf die frühe Szene in der Umgebung von Zug, wo der Ethereum-Start „rund um 2015“ die Region in Richtung Crypto Valley geprägt habe. Diese Einordnung ist bedeutsam, weil sie erklärt, warum sich die Schweiz in den späten 2010er-Jahren als relevante Jurisdiktion für Digital-Assets etablierte. Auch seine berufliche Laufbahn passt in dieses Muster: Bernegger sieht eine gedankliche Nähe zwischen Longevity-Investing – also der geduldigen Wette auf langfristige Fortschritte in der menschlichen Gesundheit – und dem Halten von Bitcoin trotz starker Schwankungen.

Darüber hinaus lohnt sich der Blick auf die ETF-Dimension, die im Source-Text über eine konkrete Produktkategorie angedeutet wird. Bernegger teilt seine Perspektive in einem Interview im Umfeld eines Digital-Asset-Managers, der hinter einem Bitcoin-ETF steht. Damit entsteht ein Zusammenhang, den viele Marktteilnehmer in der Praxis spüren: ETFs senken Hürden beim Zugang, reduzieren einige operative Komplexitäten für klassische Investoren und schaffen eine „brückenfähige“ Infrastruktur. Unabhängig davon, ob ein Anleger am Ende kollateralbasiert arbeitet oder nicht, kann die ETF-Nachfrage die Wahrnehmung verschieben – Bitcoin wirkt stärker wie ein langfristig einsortierbares Wertspeicher-Instrument, nicht nur wie ein Randphänomen.

Für Entscheider in Unternehmen und für vermögende Privatkunden folgt daraus eine konkrete Fragestellung: Wie verändert sich die Portfoliologik, wenn Beleihung häufiger statt Verkauf genutzt wird? Wer Kredite gegen Bitcoin aufnimmt, kombiniert Liquiditätsbedarf und Werterhalt – aber er muss auch Beleihungsquoten, Liquidationsrisiken und die operationalen Abläufe der Sicherheitenverwaltung verstehen. Bernegger macht zudem deutlich, dass sein eigener Fiat-Fokus (zumindest kurzfristig) weiterhin auf Schweizer Franken liegt und er sich gegen die breitere Abwertungserzählung absichern will; langfristig setzt er aber auf Bitcoin. Der Markt diskutiert damit weniger die Frage „ob“, sondern „wie“: Welche Verwahrmodelle, welche Finanzierungsprodukte und welche Mechanismen sorgen dafür, dass ein knappes Asset wie Bitcoin in einen wiederholbaren Sicherheits- und Wertkreislauf übergeht – ohne dass die ursprüngliche Stärke, die knappe Verfügbarkeit, verwässert.


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