LONDON (IT BOLTWISE) – Laut CryptoQuant bleibt der Blick auf Bitcoin kurzfristig konstruktiv, aber für einen bestätigten Bullenmarkt müssen mehrere Widerstandsmarken überwunden werden. Das entscheidende technische Signal sehen die On-Chain-Analysten bei rund 81.700 US-Dollar. Dort liegt nach ihrer Einordnung die 365-Tage-Moving-Average-Linie, über die Marktphasen historisch „offiziell“ kippen. Ohne Durchbruch bleibt das Szenario eher ein Seitwärtsmarkt, bis die kurzfristige Angebotslast verdaut ist.

Bitcoin zeigt sich trotz eines spürbaren Kursanstiegs in den letzten Wochen noch nicht „entschlossen“ genug, um einen neuen Bullenmarkt als bestätigt zu markieren. CryptoQuant verweist dabei auf eine konkrete technische Hürde: Der Kurs müsse den Widerstand bei $81.700 klar übertreffen, damit sich die Marktstruktur statistisch in Richtung eines neuen Aufwärtsimpulses verschieben lässt. In dem Zusammenhang fällt auf, dass der Kurs laut den genannten Daten zwar rund 24% innerhalb von zwei Wochen zugelegt hat, die Bewegung aber zunächst ins Stocken geraten ist. Der Preis habe sich demnach in einer Bandbreite zwischen $76.000 und $82.000 bewegt und liege aktuell bei etwa $77.000.
Technisch betrachtet geht es dabei nicht nur um eine einzelne Kursmarke, sondern um ein Bündel aus Angebotszonen, das sich aus dem On-Chain-Verhalten ableiten lässt. CryptoQuant ordnet den Bereich $77.100 bis $80.200 als „nächstes und schwerstes“ Hindernis oberhalb des aktuellen Preisniveaus ein. Der Grund: Langfristige Inhaber (Long-Term Holders) hätten dort in einem Zeitraum von 30 Tagen insgesamt bis zu 539.000 BTC verkauft. Solche Bewegungen sind für Marktteilnehmer deshalb relevant, weil sie das Verhältnis aus kurzfristiger Nachfrage und realisiertem Verkaufsdruck direkt beeinflussen. Erst wenn diese Angebotszone absorbiert ist, wird das Umfeld für einen nachhaltigen Ausbruch wahrscheinlicher.
Der nächste Schritt im Modell ist dann die 365-Tage-Moving-Average-Linie, die CryptoQuant zufolge aktuell bei rund $81.700 liegt. Moreno, Leiter Research bei CryptoQuant, beschreibt diese Schwelle als einen historischen Schalter: In früheren Bullenmarktphasen habe der Markt die „offizielle“ Startphase typischerweise dann eingeleitet, wenn der Kurs die Linie per Schlusskurs übertroffen hat. Damit ist die Logik klar: Nicht das kurzfristige Hoch entscheidet, sondern der Umstand, dass sich Käufer im Tagesabschluss gegen das vorhandene Angebot durchsetzen. Wenn dieser Schritt nicht gelingt, könnte Bitcoin weiter in einer Range verharren, statt in eine neue Trendphase überzugehen.
Auch jenseits des 81.700-US-Dollar-Signals werden weitere Niveaus genannt, die sich aus unterschiedlichen Bewertungsmodellen ergeben. So sieht CryptoQuant als nächste Station $83.600 auf Basis der sogenannten „3x Metcalfe band“. Metcalfe-Modelle versuchen den Wert einer Netzwerkstruktur über Aktivitätsindikatoren abzuleiten; im konkreten Fall wird Bitcoin laut Quelle über Netzwerkaktivität wie aktive Adressen bewertet. Für die Einordnung ist das mehr als eine akademische Übung: Moreno verweist darauf, dass diese Bandbreiten bereits in früheren Zyklen markante Ebenen gesetzt hätten. Als Beispiel wird genannt, dass die 3x-Band bei dem Zeitpunkt um $138.000 lag, als Bitcoin im Oktober 2025 ein Allzeithoch bei $126.000 erreichte. Gleichzeitig habe die 2x-Band nahe am damaligen Kurs gelegen, als Bitcoin im Dezember 2024 erstmals die Marke von $100.000 erreichte.
Nicht zu übersehen ist in diesem Kontext aber auch der Gegenpol: mögliche Verkaufsdruckzonen, die einem weiteren Anstieg kurzfristig Grenzen setzen könnten. CryptoQuant benennt dafür $88.700 als Bereich, in dem sich typischerweise Gewinnmitnahmen zeigen könnten. Grundlage ist hier der „trader realized price“-Ansatz, der den durchschnittlichen Preis ermittelt, den aktive Trader für ihre Coins gezahlt haben. Die Logik dahinter ist plausibel: Wenn der aktuelle Kurs über dem liegt, was viele aktive Marktteilnehmer zuvor als Einstandspreis realisiert haben, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Teil der Marktteilnehmer in Richtung ihrer Gewinnschwellen verkauft. Genau diesen Punkt ordnet CryptoQuant als oberen Bereich seines Modells ein und verknüpft ihn mit historisch beobachteten Take-Profit-Phasen.
Für die Risiken auf der Unterseite nennt CryptoQuant ebenfalls konkrete Support-Niveaus. Sollte Bitcoin nach dem Verdauen der kurzfristigen Angebotslast doch nach unten drehen, sehen die Analysten um $70.000 Unterstützung, weil dort die 200-Tage-Moving-Average-Linie verläuft. Unterhalb davon wird eine zweite Zone zwischen $62.000 und $65.000 genannt, wo langfristige Inhaber in dem Jahr laut Quelle etwa 476.000 BTC gekauft haben. Das Gesamtbild wird gleichwohl weiterhin als bullish beschrieben, allerdings mit der Betonung, dass der Markt zunächst „über die Decke“ schauen muss: Bitcoin soll die kurzfristige Angebotslast verdauen und gleichzeitig die genannten Bewertungs- und Trendhürden überwinden, bevor sich ein neuer Schub strukturell ausbilden kann.
Für Entscheider in Krypto-Investments und für Unternehmen mit Krypto-Exposure ergibt sich daraus vor allem eine Frage nach Timing und Risiko-Management: Die genannten Schwellen wirken wie technische Gatekeeper, an denen sich kurzfristig die Wahrscheinlichkeit für Trendfortsetzung oder erneutes Abtropfen im Orderbuch entscheidet. In der Praxis heißt das, dass Strategien, die konsequent mit Schlusskursen oder mit dem Durchlaufen von On-Chain-Zonen arbeiten, näher an den beschriebenen Marktmechaniken sind als Ansätze, die nur auf einzelne Tageshochs reagieren. Gleichzeitig zeigt der Verweis auf Metcalfe-Bänder und realized-price-Modelle, dass nicht nur Preis, sondern auch Netzwerkaktivität und die Kostenbasis aktiver Trader in die Bewertung einfließen. Genau diese Kombination dürfte in den nächsten Handelstagen relevant bleiben, solange Bitcoin noch zwischen der Verdauungsphase über dem $77.000-Niveau und der entscheidenden Schwelle bei rund $81.700 „pendelt“.
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