LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin testet weiterhin die Zone um 87.000 US-Dollar, doch der Kurs wird dort wiederholt abgewiesen. Eine cycle-adjusted MVRV-Kennzahl ist dabei auf 25,7% gefallen und damit unter das 30.-Perzentil gerutscht. Laut der Analyse ordnet dieser Bereich die Bewertung wieder eher in typisches Akkumulations-Terrain ein. Gleichzeitig warnt der Bericht, dass langfristige Halter zuletzt mehr Coins abgeben als neu einsammeln.

Bitcoin nähert sich der Marke von 87.000 US-Dollar erneut – nur dieses Mal bleibt die Tür zur Oberseite nach mehreren Ablehnungen exakt dort, wo sie schon zuletzt mehrfach aufgegangen ist: am Widerstand. Der jüngste Impuls kommt nicht aus einer Schlagzeile zu neuen Produkten oder Makro-Nachrichten, sondern aus der On-Chain-Ökonomie. Laut einer Auswertung von Darkfost vom 18. Oktober 2026 ist die cycle-adjusted MVRV-Perzentilkennzahl auf 25,7% gesunken. Damit liegt Bitcoin unter dem 30.-Perzentil und bewegt sich in einem Bewertungsfenster, das historisch vergleichsweise selten von Euphorie dominiert war, sondern öfter in die Phase überging, in der sich Marktteilnehmer neu positionieren.
Technisch betrachtet beschreibt MVRV eine Spanne zwischen zwei Wertgrößen: dem Marktwert, bei dem der aktuelle Preis auf alle gehaltenen Coins angewendet wird, und dem Realized Value, der Coins jeweils mit dem Preis bewertet, zu dem sie zuletzt on-chain bewegt wurden. Solange die Differenz groß ist, sitzen Inhaber häufig auf hohen unrealisierten Buchgewinnen; wenn die Lücke enger wird, rückt der Markt näher an eine Art kollektive Kostengrundlage. Die von Darkfost genutzte Variante geht allerdings einen Schritt weiter: Statt nur das Verhältnis als Rohwert zu betrachten, ordnet sie die aktuelle Bewertung als Perzentil in den historischen Kontext ein – also als Rang, der sich an die jeweiligen Zyklusbedingungen anpasst. Genau diese Zyklus-Adjustierung soll verhindern, dass Schwellenwerte aus früheren Phasen blind auf spätere Marktstrukturen übertragen werden.
Die Einordnung fällt dabei differenziert aus: Das 25,7%-Perzentil befindet sich wieder im Bereich, der laut der Studie nur rund ein Viertel der Zeit erreicht wird. Auch der Charakter ist wichtig, denn der Bericht sagt nicht einfach „unterbewertet“, sondern verknüpft die Zone mit Akkumulationsverhalten statt mit extremen Panikniveaus. Gleichzeitig betont die Analyse eine Nuance, die für Trader und Investoren relevant ist: Der aktuelle Status liegt zwar im Akkumulations-Terrain, aber nicht im extremen Undervaluation-Band, das in der Vergangenheit besonders eng mit großen Markttiefs korreliert war. In der Praxis heißt das, dass der Markt noch ein Stück „weiter runter“ gehen könnte, ohne bereits zwangsläufig die klassischen Tiefen-Cluster zu erreichen – oder aber, dass sich oberhalb der historischen Floor-Zone eine Übergangsphase stabilisieren kann.
Rund um den Kursverlauf liefert der Text zusätzliche Anhaltspunkte. Bitcoin sei zwischen Ende September und Anfang Oktober 2026 mindestens dreimal nahe oder oberhalb der 87.000 US-Dollar abgewiesen worden. Als die Beobachtung bei Darkfost landete, notierte der Spot-Preis in einer Spanne von 81.700 bis 81.900 US-Dollar – ein sichtbarer Rückzug vom Widerstandsbereich. Der Bericht beschreibt das jüngste Verkaufsverhalten als „capitulation-style“, also als Muster, das nach einer Phase hartnäckiger Ablehnung plötzlich mehr Abgaben auslöst als nur das übliche Hin-und-Her. Wenn sich diese Interpretation bestätigt, könnte daraus eine „transitional accumulation phase“ entstehen: nicht der unmittelbare Turnaround in Richtung neuer Hochs, aber ein Prozess, in dem Rücksetzer weniger aggressiv ausgenutzt werden.
Auf der Nachfrage- und Angebotsseite verknüpft die Auswertung die Bewertung zudem mit einem anderen Engpass: langfristige Bitcoin-Inhaber sollen gerade mehr Coins verteilen als neu einsammeln. Als potenziellen „Aufnehmer“ für dieses Angebot nennt der Text insbesondere US-Spot-Bitcoin-ETFs. Dort seien die Nettozuflüsse im September 2026 zwar leicht positiv gewesen, in Oktober jedoch flacher geworden oder sogar in einen leichten Abfluss gekippt. Gerade das Zusammenspiel ist entscheidend: Wenn ETF-Nachfrage zwar nicht komplett verschwindet, aber die Abflüsse gegenüber den Zuflüssen spürbar überwiegen, verliert der Akkumulations-These ein wichtiges stützendes Element. Für die technische Interpretation heißt das zugleich: Ein einzelner Perzentilwert ist nur so stark wie die Annahmen, die man an das Umfeld knüpft.
Wichtig ist außerdem, wie der Bericht mit einem bekannten Schwachpunkt umgeht: Raw On-Chain-Metriken können mit zunehmender Reife des Marktes an Aussagekraft verlieren, weil sich die Marktstruktur verändert und damit die früheren Schwellenwerte „driften“. Eine cycle-adjusted percentile-Logik versucht genau hier nachzujustieren, indem sie die aktuelle Situation gegen einen sich bewegenden historischen Referenzrahmen rankt. Entscheidend bleibt jedoch, welche Richtung die nächsten Wochen einschlagen: Der Text beschreibt eine mögliche strategische Einstiegsvorstellung als abhängig davon, ob der Markt den Bereich um 81.700 US-Dollar hält und ob sich Anzeichen für eine bullische Umkehr zeigen. In der Konsequenz lässt sich aus der Kombination aus niedrigerem MVRV-Perzentil, fehlendem Sprung in das extreme Undervaluation-Band und der beobachteten Angebotsverteilung ein Szenario ableiten, in dem noch Luft nach unten bleiben kann – gleichzeitig aber die Wahrscheinlichkeit steigt, dass sich eine kontrollierte Akkumulationsphase formiert, sofern ETF-Abflüsse nicht deutlich eskalieren.
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