LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin handelt nahe 79.600 US-Dollar und gibt einen Teil des Rally-Impulses vom Vortag zurück. Der Rücksetzer fällt mit einer Erholung bei Ölpreisen und einem Zinsanstieg der Bank of England zusammen. Während die britische Notenbank den Leitzins auf 4% hebt, bleiben auch in den USA wichtige Wirtschaftsdaten und die nächste Fed-Entscheidung in der Pipeline. Entscheidend wird, ob ETF-Käufer ihre Nachfrage stabil halten, sobald Energie wieder stärker auf die Inflation wirkt.

Bitcoin hat am Donnerstagmorgen die Marke von 80.000 US-Dollar kurzzeitig wieder verfehlt und sich zuletzt bei rund 79.632 US-Dollar stabilisiert. Das entspricht einem Plus von etwa 2% gegenüber dem Vortag, aber weiterhin einem deutlichen Abstand von rund 21.900 US-Dollar zum Preis vor einem Jahr. Nach dem vorherigen Anstieg bis knapp unter 80.900 US-Dollar am Abend zog der Kurs in den frühen Stunden wieder nach unten – ein Muster, das in der aktuellen Marktphase stark mit Makro-Nachrichten verknüpft bleibt.
Im Zentrum steht dabei die Rückkopplung über Energiepreise und Zinsen: Brent-Futures stiegen am Donnerstag um 1,53 US-Dollar bzw. 1,6% auf 96,15 US-Dollar je Barrel, während West Texas Intermediate um 52 Cent auf 88,64 US-Dollar zulegte. Genau diese Gegenbewegung setzt dem zuvor entlastenden „Teuerungsdruck“-Narrativ zeitweise Grenzen. In der Darstellung eines Rohstoff-Analysten wurde die Lage im Nahen Osten als weiterhin ungelöst beschrieben, was die Erholung der Energiepreise im Moment erklärt. Für Bitcoin ist das relevant, weil Energie ein zentraler Übertragungsweg in Richtung Inflation und damit in Richtung Geldpolitik bleibt.
Die Bank of England hat den Zusammenhang am Donnerstag besonders deutlich gemacht. Der Monetary Policy Committee entschied sich mit 8-1 dafür, den Bank Rate um einen Viertelpunkt auf 4% anzuheben; die einzige Gegenstimme kam von Catherine Mann, die stattdessen einen halben Punkt gesehen hätte. Die Bank erwartet nun, dass die britische Inflation bis zur Jahresmitte nächsten Jahres auf rund 5% steigt und verweist dabei explizit auf Energiepreise, die mit einem Konflikt „nun in seinem neunten Monat“ verbunden seien. Solche Signale wirken oft wie ein Gegenwind für riskante Assets, weil sie die realen Erwartungen an künftige Zinsniveaus und damit Diskontierungslogiken beeinflussen.
Auch an den US-Märkten zeigte sich, dass der Risikoappetit nicht durchgängig steigt. Zwar lagen Dow-Futures mit etwa 0,5% im Plus und S&P-500-Futures mit 0,1% leicht fester, Nasdaq-100-Futures dagegen fielen um rund 0,5%. Besonders chip- und data-center-nahe Werte standen damit spürbar unter Druck. Für Bitcoin bedeutet das: Selbst wenn einzelne Assetklassen kurzfristig drehen, bleibt das makroseitige „Policy Overhang“-Gefühl präsent – also die Erwartung, dass weitere Zins- oder geldpolitische Impulse den Bewertungsrahmen belastet.
Auf der Nachfrage-Seite gibt es dennoch einen stabilisierenden Punkt: U.S.-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am Mittwoch einen Nettozufluss von 74,6 Millionen US-Dollar. Damit wurde eine zuvor dreitägige Abfolge von Abflüssen beendet, die zusammen etwa 1,16 Milliarden US-Dollar ausmachten. Fidelitys Produkt zog 236,7 Millionen US-Dollar an, während ein Abfluss von 201,2 Millionen US-Dollar bei dem von BlackRock verwalteten Vehikel gegenläufig wirkte. Ob das reicht, hängt weniger von Tagesrauschen ab als davon, ob Käufer auch dann weiter investieren, wenn Energiepreise weiter anziehen und damit die Zinsstory wieder straffer wird.
Gleichzeitig bleibt das Angebot aus dem Mining ein wichtiger Belastungsfaktor. Riot Platforms meldete, dass das Unternehmen im laufenden Jahr 20.264 Bitcoin verkauft hat, um AI-Datenzentren zu finanzieren; rechnerisch verbleiben damit 2.418 BTC. Derartige Verkäufe können kurzfristig auf den Spotmarkt drücken, vor allem wenn sie sich mit Phasen schwächerer Nachfrage überlappen. Auffällig ist allerdings auch der Zeithorizont: Bitcoin liegt trotz des aktuellen Rücksetzers weiterhin deutlich über dem Tief vom Wahlabend bei rund 75.600 US-Dollar – und damit ist der Markt zwar anfällig für Volatilität, aber nicht in einer völligen Entkopplung von früheren Aufwärtsimpulsen angekommen.
Für die nächsten Schritte liefern der Kalender und die Kapitalflüsse die klarsten Handlungsanker. Am Donnerstag stehen um 8:30 Uhr ET die wöchentlichen Jobless Claims an, am Folgetag folgt der Oktober-Jobs-Report, und für den 10. November ist Oktober-CPI vorgesehen. Die nächste Fed-Entscheidung fällt auf den 9. Dezember. Bitcoin bleibt damit etwa 37% unter seinem Allzeithoch nahe 126.080 US-Dollar; der unmittelbare Test lautet daher, ob ETF-Käufer die Nachfrage auch dann aufrechterhalten, wenn Öl weiter steigt. Genau in dieser Schnittstelle aus Energie, Zinsen und börslichem Kapitalverkehr dürfte sich entscheiden, ob der Kursrutsch nur ein Atempause ist oder den Beginn einer größeren Korrektur markiert.
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