LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin ist in der vergangenen Woche um 23% gestiegen und hat damit die stärkste Einwochen-Performance seit dem Post-Wahlrally im November 2024 erreicht. Laut K33 wurden dabei Rekordmengen an Bitcoin-Shorts liquidiert, die Spot- und Perpetual-Futures-Volumes sowie der CME-Handel sprangen deutlich an. Gleichzeitig deuten mehrere technische Signale – von Options-Skew bis zu zurückgewonnenen gleitenden Durchschnitten – auf eine mögliche Richtungswende nach Monaten der Schwäche hin. Als zusätzlichen Hebel nennt der Markt die Makro-Perspektive rund um US-Treasury-Rückkäufe sowie geopolitische Verschärfungen im Iran-Kontext.

Die Rally wirkt auf den ersten Blick wie ein klassischer Kurssprung, ist technisch aber eher ein Zusammenspiel aus erzwungenem Positionierungsabbau und mehreren „Frühindikatoren“ aus dem Derivate-Universum. Bitcoin legte innerhalb von sieben Tagen um 23% zu, die stärkste Einwochen-Entwicklung seit dem Post-Wahl-Setup im November 2024. Parallel stieg die Aktivität in den Märkten: Spot- und Perpetual-Futures-Volumes kletterten um 188%, während das CME-Segment um 152% zulegte. Genau in solchen Phasen entscheidet nicht nur die Richtung, sondern auch die Frage, wie schnell sich Liquidität und Risiko über Hebelprodukte verschieben.
Der Kernmechanismus war laut K33 eine historische Short-Squeeze-Dynamik. Besonders auffällig: Am 19. August wurden 1,37 Mrd. US-Dollar an Bitcoin-Shorts liquidiert, fast doppelt so hoch wie das vorherige Tageshoch von 757 Mio. US-Dollar aus dem Juli 2021; anschließend folgte am 21. August eine weitere Liquidation von 739 Mio. US-Dollar. Solche Größenordnungen sind für viele Marktteilnehmer ein Hinweis auf „Sell-side Exhaustion“, also dass nicht nur kurzfristige Stopps auslösen, sondern ein ganzer Teil der fallenden Wette aus dem Markt gerissen wird. Der Effekt zeigte sich auch im Perpetual-Markt: Das Notional des offenen Interesses sank auf 284.000 BTC, den niedrigsten Stand seit Mai, während Funding-Raten wieder in Richtung Neutralität zurückfielen.
Damit rückt die Frage nach dem „Was kommt danach?“ in den Fokus. K33 verweist darauf, dass große Short-Squeezes historisch häufig in Bitcoin-„Bottoming-Phasen“ auftreten: Wenn Bear-Positionierung überfüllt ist und die Verkäuferseite ihre Widerstandsfähigkeit verliert, kann der Markt in eine Phase übergehen, in der neue Käufer nicht mehr gegen eine starke Short-Publikation anrennen. Ergänzend nennt K33 einen Wechsel bei den Optionen: Der 6-Monats-25-Delta-Options-Skew wurde erstmals seit September 2025 negativ. Praktisch heißt das, dass Calls nach 11 Monaten in Folge teurer als Puts wurden – ein Kontrast zu der Phase, in der Händler wiederholt Prämien für Downside-Absicherung bezahlten. Solche Skew-Flipps gelten in vielen Trading-Setups als zuverlässige Signale für eine Veränderung der Richtung, weil sie das implizite „Schadensszenario“ neu gewichten.
Auch auf der klassischen Chart-Logik lässt sich die Bewegung sauber einordnen. Bitcoin habe innerhalb von nur vier Tagen wieder mehrere wichtige gleitende Durchschnitte zurückerobert: den 50-Tage-, 100-Tage- sowie 200-Tage- und sogar den 200-Wochen-Durchschnitt. K33 betont, dass das in früheren Zyklen extrem selten war: Nur in Oktober 2015, April 2020 und Oktober 2023 gelang die Rückeroberung aller vier Linien innerhalb von 45 Tagen – jeweils nahe dem Start eines zyklischen Bullenmarkts. Für Investoren ist diese Kombination aus Derivatesignal (Skew/Funding) und Trendfilter (Moving Averages) häufig relevanter als ein einzelner Impuls, weil sie das Risiko reduziert, auf einen „One-Off“-Spike hereinzufallen.
Neben der Mikrostruktur spielt die Makro-Umgebung eine Rolle, die der Markt in der aktuellen Phase stark beobachtet. K33 ordnet die Rally in einen sich verändernden Zins- und Asset-Mix ein: Die Push-Agenda rund um US-Treasury-Rückkäufe langfristiger Anleihen signalisiere eine Bereitschaft zur Marktintervention. In der Folge wurde der Nachfrageeffekt auf „knappe“ Vermögenswerte diskutiert; parallel stiegen Bitcoin und Gold, während Aktien fielen. Besonders interessant ist die Korrelation: Die 90-Tage-Korrelation von Bitcoin zu Gold kletterte auf 0,52, den höchsten Stand seit Oktober 2020, während die Korrelation zu Nasdaq auf 0,38 sank – ein Einjahrestief. Das ist nicht automatisch „Bullenstoff“, aber eine klare Verschiebung der relativen Treiber.
Um die Makro-Perspektive zu erweitern, bringt Bitwise über seinen Chief Investment Officer Matt Hougan einen weiteren Katalysator ins Spiel. In einem Schreiben an Kunden wird auf eine angekündigte harte Linie im Kontext globaler Finanzverbindungen mit Bezug zum Iran verwiesen – inklusive der Idee, dass Vermittler im Geldwäsche-Umfeld aus dem US-Dollar-System herausgedrängt werden könnten. Hougan verknüpft das mit dem Bitcoin-Investment Case in zwei getrennten Bausteinen: Zum einen knüpft er die These an die Aussicht, langfristige Finanzierungskosten zu drücken, zum anderen an Bitcoins Rolle als weltweit übertragbares, neutraleres Wertnetzwerk außerhalb des Bankensystems einzelner Länder. Unabhängig davon, ob man die politische Zeitschiene teilt: Der Gedanke läuft darauf hinaus, dass ein Makro-Umfeld, das „Geopolitik“ stärker in Finanzstrukturen einpreist, dezentrale Alternativen aufwerten könnte.
Für Marktteilnehmer ist der wichtigste praktische Punkt derzeit weniger „ob“ als „wie nachhaltig“ die Bewegung sein kann. Die Liquidationsdaten zeigen, dass der Abbau von Short-Hebelpositionen kurzfristig viel Rückenwind liefern kann; die zurückkehrende Neutralität der Funding-Raten spricht jedoch dafür, dass der Markt nicht dauerhaft in einer einzigen überhitzten Richtung verharrt. Dazu passt, dass Bitcoin gegenüber seinem Allzeithoch noch 36% zurückliegt, gleichzeitig aber die Breite der technischen Marker bereits gedreht hat. Wenn dazu – wie K33 es formuliert – weitere Signale aus dem Options- und Trendbild Bestätigung liefern, rückt ein bull-market reset von einer reinen Story hin zu einem messbaren Regimewechsel. Entscheidend wird dann, ob Volumen-Impulse und Treasury-getriebene Asset-Rotation auch bei nachlassender Dynamik bestehen bleiben.
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