LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin könnte laut einem CEO im Oktober ein Tief erreichen, bevor die Kurse Richtung rund 130.000 US-Dollar vor dem Halving 2028 anziehen. Cory Klippsten verweist dabei auf ein wiederkehrendes Muster: Nach jedem bisherigen Bullenmarkt-Höhepunkt sei das Bottoming rund zwölf Monate später eingetreten. Gleichzeitig kündigt er Altcoins als „basically dead“ an und erwartet, dass sich Krypto künftig stärker an TradFi-Regeln orientieren muss. Für den Markt spannend bleibt, ob andere Analysten mit einem früheren Tief im August recht behalten.

Bitcoin soll im Oktober ein Tief ausbilden: DeFi-„Long Tail“ verliert
Bitcoin soll im Oktober ein Tief ausbilden: DeFi-„Long Tail“ verliert (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Diskussion um den nächsten Zyklus bekommt frischen Zündstoff, weil ein prominenter Bitcoin-Vertreter den Blick nicht auf „mehr als nur“ Kursbewegungen richtet, sondern auf ein konkretes Timing-Window. Cory Klippsten von Swan Bitcoin sagt, Bitcoin könne im Oktober ein Tief ausbilden, bevor sich der Kurs wieder in Richtung etwa 130.000 US-Dollar bewegt – und zwar mit dem Blick auf das Halving 2028. Aus seiner Sicht ist das entscheidend, weil sich damit die Risikophase im Markt näherungsweise eingrenzen lässt: Wer in einer typischen Abwärtsstrecke kauft, muss nicht nur ein Preisniveau treffen, sondern auch die wahrscheinlichere Phase dafür.

Klippsten knüpft sein Szenario an historische Zyklusmuster an. Er verweist darauf, dass Bitcoin seinen Preis über 126.000 US-Dollar Anfang Oktober 2025 gesehen habe und dass sich der Markt „im Oktober“ zumindest „bottomen“ sollte. Die Logik dahinter ist statistisch und nicht fundamental: Er argumentiert, dass Bitcoin nach jedem bisherigen Bullenmarkt-Peak etwa zwölf Monate später ein Bottoming gezeigt habe. Gleichzeitig mahnt er zur Vorsicht, weil sich aus nur wenigen Zyklen nur begrenzt robuste Schlüsse ziehen lassen. Für das konkrete Abwärtsrisiko nennt er dabei ein Worst-Case-Korridor: Bitcoin könnte auf 57.000 US-Dollar oder sogar auf 53.000 US-Dollar fallen, bevor die Erholung schnell einsetzt.

Für Unternehmen und Marktteilnehmer ist an dieser Argumentation weniger die reine Preisprognose relevant als die Annahme zur Marktstruktur. Klippsten argumentiert mit langfristigem Halten: In einem früheren Interview habe er auf einen Rekordanteil an „langfristigen Haltern“ verwiesen, konkret auf 14,7 Millionen BTC. Technisch betrachtet wirkt so eine Verteilung wie ein Stabilitätsfilter für den Verkaufsdruck: Wenn ein größerer Teil der Coins in Händen liegt, die weniger häufig traden, kann das die Liquiditätsversorgung im Sell-Off verändern. Der Markt wird dann nicht nur durch neue Käufer und Verkäufer beschrieben, sondern auch durch die Geschwindigkeit, mit der bestehende Bestände in den Handel „zurückfließen“ – und damit durch Faktoren, die sich über Wallet- und Haltedynamiken indirekt beobachten lassen.

Dass andere Akteure ein früheres Tief anpeilen, zeigt, wie unterschiedlich die Indikatorlogik ausfallen kann. Markus Thielen, Gründer von 10x Research, nennt als Bedingung für eine Bestätigung eines Bear-Market-Bottoms einen Monatsabschluss im August über 63.000 US-Dollar. Eine solche Formulierung ist für Trader vor allem dann wertvoll, wenn sie als Trigger für das Umschalten von Risiko- und Positionsgrößen dient; für Portfoliomanager entscheidet aber meist die Kombination aus mehreren Signalen. Thielen argumentiert damit indirekt, dass sich der „Bottom“-Charakter nicht nur als Tiefpunkt, sondern auch als strukturelle Bestätigung über Zeitfenster definiert.

Während Bitcoin-Zeitfenster diskutiert werden, kippt die Debatte um Altcoins in eine grundsätzliche Richtung: Klippsten sagt, Altcoins seien „basically dead“ als Konkurrenz zu Bitcoin als Geld. Der Kernpunkt ist nicht, dass alternative Assets zwingend wertlos werden, sondern dass sie im Wettbewerb gegen Bitcoin als Stabilitätsanker für Wertaufbewahrung verlieren. Gleichzeitig setzt er auf einen Integrationspfad: Krypto und DeFi sollten nach seiner Ansicht „Teil von TradFi“ werden. Daraus leitet er ab, dass sich die Regulierungslogik traditioneller Finanzplätze mittelfristig auch auf zentrale Krypto-Plattformen ausdehnt – und dass diese dann weniger als „Gegenwelt“ wahrgenommen werden, sondern als regulierte Austausch- und Bankfunktionen.

An genau dieser Stelle wird die Marktmechanik greifbar, weil die Aussagen durch Kennzahlen unterfüttert werden. Als Beispiel nennt Klippsten Hyperliquid und verweist auf die eigene Einschätzung, dass zentralisierte Geschäftsmodelle am Ende in den Regulierungs- und Aufsichtsrahmen des Finanzsektors gezogen werden. Laut einer Datenplattform brachte Hyperliquid im vergangenen Zeitraum 5,9 Millionen US-Dollar Umsatz ein und lag damit auf Rang fünf unter den DeFi-Protokollen nach wöchentlicher Umsatzgröße. Dazu passt auch die Preisentwicklung: Der HYPE-Token habe im Jahresverlauf etwa 130 % zugelegt, während Bitcoin im gleichen Zeitraum laut Börsendaten um rund 28 % gefallen sei. Für die strategische Bewertung heißt das: Während Bitcoin vor allem über Zyklus- und Liquiditätsmuster betrachtet wird, zeigen selektive Altcoin-Segmente häufig eine andere Renditedynamik – oft, weil die Liquidität gezielt in bestimmte „Winners“ fließt.

Genau diesen Punkt hebt auch Wintermute hervor. In einem Bericht argumentiert das Unternehmen, dass institutionelle Investoren die Dynamik von Altcoin-Märkten verändert hätten: Altcoin-Rallies würden damit tendenziell schmaler und selektiver, weil die Liquidität stärker in den Assets konzentriert ist, die institutionelle Akteure bevorzugen. Gleichzeitig schwäche sich die Aktivität im „long tail“ ab – also in den weniger beachteten Märkten und kleineren Tokens, die früher stärker über Breitenwirkung liefen. Für Organisationen, die in Krypto investieren oder Krypto-Transaktionen in Workflows integrieren, ergibt sich daraus ein praktischer Schluss: Nicht jeder Altcoin reagiert proportional auf Makrobewegungen. Stattdessen lohnt es sich, Liquiditätsquellen, Handelsvolumen und das Verhalten institutioneller Kapitalflüsse pro Segment zu beobachten, weil sich der „Markttrend“ im Jahresverlauf zunehmend als Auswahlprozess zeigt.


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