LONDON (IT BOLTWISE) – Bitcoin hat die Marke von 65.000 US-Dollar erreicht, doch ein Blick auf frühere Vier-Jahres-Zyklen spricht noch nicht für sofortige Ruhe. Ein Analyst verweist auf typische Verläufe nach Zyklus-Hochpunkten und rechnet mit weiteren Monaten erhöhter Schwäche. Besonders ein Zeitfenster von Ende September bis Mitte Dezember könnte entscheidend werden, um den nächsten großen Tiefpunkt auszubilden. Wer investieren will, sollte laut dieser Einschätzung weniger auf den perfekten Einstiegszeitpunkt fixiert sein als vielmehr auf eine längerfristige Positionierung.

Bitcoin hat in den vergangenen Tagen kurzfristig den Bereich um 65.000 US-Dollar angesteuert. Für viele Marktteilnehmer ist das ein Signal: Der Bärenmarkt könnte sich dem Ende nähern. Gleichzeitig bleibt die Erwartung, dass unmittelbar nach solchen Kursimpulsen schon alles „durch“ ist, riskant. Denn die Argumentation, die hier ansetzt, ist nicht rein gefühlsbasiert, sondern lehnt sich an wiederkehrende Muster aus früheren Vier-Jahres-Zyklen an.
In einem Podcast vom 6. August trägt der Crypto-Experte Benjamin Cowen genau dieses Muster als Kernthese vor. Seine zentrale Aussage: Bitcoin verhalte sich trotz vieler früherer „Pattern-Break“-Prognosen auffällig ähnlich zu den historischen Vier-Jahres-Phasen. Technisch bzw. datengetrieben wird das mit Zeitachsen untermauert: Gemessen an den jeweiligen Zyklus-Tiefs lagen die damaligen Hochpunkte etwa bei Tag 1.069 im zweiten Zyklus und bei Tag 1.059 im folgenden. Auch der aktuelle Zyklus habe sein Hoch ungefähr in diesem historischen Fenster ausgebildet – ein Punkt, der den Vergleich zunächst plausibel erscheinen lässt.
Der zweite Teil der Logik betrifft nicht das Hoch, sondern die „Nachlaufphase“ bis zum nächsten Boden. Cowen verweist darauf, dass frühere Tiefpunkte typischerweise um Tag 1.432 und Tag 1.436 auftraten. In derselben Zähllogik befindet sich Bitcoin derzeit ungefähr bei Tag 1.354. Damit wäre nach dieser Rechnung der Markt noch nicht am erwarteten Zyklus-Boden angelangt, sondern bewegt sich in der späten Phase des Bärenmarkts. Ergänzend wird der zeitliche Abstand zum jüngsten Peak betrachtet: Die aktuelle Schwächephase liege bei rund 304 Tagen, während in früheren Abschwüngen ein durchschnittlicher Boden eher bei etwa Tag 406 sichtbar geworden sei. Daraus leitet Cowen ab, dass Bitcoin sich grob im letzten Viertel dieser Bärenmarktphase befinden könnte.
Aus dem Zeitmodell ergibt sich dann ein konkretes Praxisfenster: Cowen nennt Ende September bis Mitte Dezember als möglichen Zeitraum, in dem Bitcoin seinen nächsten großen Tiefpunkt ausprägen könnte; Oktober hält er dabei für ein besonders plausibles Szenario. Diese Orientierung ist auch deshalb relevant, weil frühere Zyklus-Tiefs laut derselben Darstellung sukzessive in Richtung Januar verschoben aufgetreten sind – mit Beispielen in Januar, Dezember und November. Daneben ordnet Cowen auch das Makro-Risiko ein, indem er 2026 als weniger volatil beschreibt als 2018. Gerade 2018 ist als Vergleich nicht zufällig: Während der S&P 500 damals rund 6% nachgab, fiel Bitcoin im selben Zeitraum um etwa 73%. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass sehr starke oder zumindest stabile Aktienmärkte nicht automatisch Schutz für Krypto-Assets bieten.
Für Anleger leitet sich daraus vor allem eine Frage nach dem Umgang mit Timing und Risiko ab. Cowen sagt, dass er trotz möglicher weiterer Schwäche bereits mit dem Aufbau von Bitcoin begonnen hat – allerdings unter 60.000 US-Dollar. Der strategische Schluss lautet weniger „warten bis alles sicher ist“, sondern eher: längere Zeithorizonte stärker gewichten und die Positionierung für den nächsten Zyklus priorisieren statt den exakten Bottom-Tag zu treffen. Diese Perspektive trifft zudem einen Nerv in der aktuellen Marktpsychologie: Nach dem Überschreiten markanter Niveaus steigt zwar die Hoffnung auf Trendwende, doch gerade in zyklischen Modellen ist ein zusätzlicher „Shakeout“ typischerweise Teil des Wegs zum endgültigen Boden.
Unternehmen und institutionelle Teams, die Krypto-Exponierung steuern, können aus solch einer Zyklusbetrachtung vor allem zwei Dinge ableiten: Erstens ist es sinnvoll, Szenarien für erhöhte Volatilität in die eigene Risikomatrix einzubauen, statt Kursmarken als Garant für „Entwarnung“ zu interpretieren. Zweitens macht ein Zeitfenster wie Ende September bis Mitte Dezember die operative Planung greifbarer, etwa für Preis- und Liquiditätsannahmen bei Treasury-Entscheidungen oder für die Abstimmung von Hedging-Strategien. Wie stark ein historischer Vergleich tatsächlich trägt, bleibt natürlich ein Modellrisiko – dennoch zeigt er, wie sehr sich das Timing-Management im Kryptobereich von klassischem „aus Aktien abgeleitet“-Denken unterscheidet.
Am Ende steht damit weniger eine konkrete Kursprognose als ein Erwartungsrahmen: Bitcoin könnte sich zwar in der finalen Phase des Bärenmarkts bewegen, aber der Weg zum nächsten großen Tiefpunkt verlangt laut Cowen möglicherweise noch Geduld. Seine Formulierung bringt das auf den Punkt: Die Nähe zum Bärenmarkt-Ende sei sichtbar, doch die Geschichte spreche dafür, dass es noch nicht ganz so weit sei. Für den Markt bedeutet das: Selbst wenn 65.000 US-Dollar wie ein Wendepunkt wirken, könnte der nächste relevante Schritt eher über Monate als über Tage entschieden werden.
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