SINGAPUR / LONDON (IT BOLTWISE) – BitMine hält rund 6,03 Millionen ETH und beendet damit ab einer Schwelle von 5 Prozent des Gesamtangebots seine weiteren Käufe. Verwaltungsratschef Tom Lee kündigte den Kaufstopp am 7. Oktober auf der Kryptokonferenz Token2049 in Singapur an. Für den Markt stellt sich vor allem die Frage, wer die fehlende Spot-Nachfrage künftig Woche für Woche auffängt. Zusätzlich belasten im Oktober spürbare Abflüsse aus US-Spot-ETFs auf Ether die Lage.

BitMine tritt als Nachfragesäule aus dem Ethereum-Spotmarkt heraus, und das passiert schneller, als es viele Anleger für möglich gehalten hätten. Das Unternehmen steuert nach eigenen Angaben auf einen Kaufstopp zu, sobald es 5 Prozent des gesamten Ether-Angebots hält. Zum 11. Oktober lagen die Bestände bei rund 6,03 Millionen ETH, entsprechend 4,9 Prozent der Gesamtmenge von 122,1 Millionen Token. Wenn ein so großer Käufer im Takt der Woche nur noch wenig nachlegt, wirkt das nicht nur auf den kurzfristigen Kurs, sondern auch auf die Erwartung, wie stabil „harte“ Nachfrage bei Rücksetzern bleibt.
Den konkreten Fahrplan liefert Verwaltungsratschef Tom Lee. Auf der Kryptokonferenz Token2049 in Singapur sagte er am 7. Oktober, das Unternehmen kaufe keine weiteren Ether mehr, sobald die 5-Prozent-Grenze erreicht sei: „Wir dachten, das würde fьnf Jahre dauern“, sagte Lee auf der Bühne – und ergänzte: „Jetzt hьren wir auf.“ Bis dahin fehlen laut seinen Angaben noch etwa 100.000 ETH. Auffällig ist dabei die Beschleunigung des Abschieds: In der Woche bis zum 11. Oktober kamen nur noch 12.532 ETH hinzu, nachdem es in der Woche davor gut 15.100 ETH gewesen waren. Genau diese Dynamik macht für Spot-Anleger den Unterschied zwischen „temporär weniger“ und „eine Grundannahme kippt“.
Technisch betrachtet ist BitMines Rolle vor allem marktmechanisch: Ein Käufer, der über 15 Monate hinweg im Wochentakt zugreift, stützt die Liquidität besonders dann, wenn andere Marktteilnehmer risikoärmer werden. Der im Text genannte Investitionsstil orientiert sich am Durchschnittskosteneffekt, also daran, nicht nur bei bestimmten Kursniveaus zu investieren, sondern regelmäßig. Fällt dieser Effekt weg, fehlt eine Nachfragekomponente, die Rücksetzer bislang abgefedert haben könnte. Für die Frage, was 2027 mit dem Preis macht, ist das entscheidend, weil Ethereum dann weniger vom „Käuferautomat“ profitiert, der Angebot und Nachfrage im Hintergrund glättet.
Zugleich ist die Debatte nicht nur „Kaufstopp ja oder nein“, sondern auch „was passiert mit Erträgen aus dem Netzwerkbetrieb“. In der Berichterstattung wird darauf verwiesen, dass Lee bereits angedeutet hat, Ether aus Staking-Erträgen verkaufen zu können, um die eigene Angebotshöhe nicht über die selbst gesetzte Obergrenze steigen zu lassen. Das würde bedeuten: Aus einem dauerhaften Käufer würde zumindest zeitweise ein Verkäufer. Der Effekt wäre weniger ein plötzlicher Angebotsschock, aber potenziell ein verändertes Muster im Orderbuch, weil Staking-Outputs nicht automatisch wieder in Spot-Einkäufe zurückfließen. Für Marktteilnehmer heißt das: Sie müssen nicht nur den Kaufstopp einpreisen, sondern auch das mögliche Umschalten von „Akkumulation“ auf „Rebalancing“.
Als potenzielle Lückenfüller werden in der Quelle zwei Gruppen genannt: größere börsennotierte Treasury-Gesellschaften und börsengehandelte Ethereum-Fonds. Bei den Treasury-Unternehmen bleibt der zweite namentlich genannte Player mit knapp 869.000 ETH allerdings deutlich hinter dem BitMine-Bestand zurück; selbst zusammengefasst kann das die entstehende Lücke kaum 1:1 ausgleichen. Noch schwieriger wird es bei den Fonds, weil die im Oktober beobachteten Nettoabflüsse gerade das Gegenteil einer Entlastung darstellen: In der Woche vom 5. bis 9. Oktober 2026 sollen rund 542 Millionen US-Dollar aus US-Spot-ETFs auf Ether abgeflossen sein, der höchste Wochenabfluss seit Januar 2026. Zudem zog sich die Abflussserie neun Handelstage in Folge, und der Saldo seit Jahresbeginn schrumpfte binnen einer Woche von rund 1,47 Milliarden auf gut 930 Millionen US-Dollar.
Der Kern der Anlegerfrage lautet daher: Fehlt BitMine als „verlässlichster Spot-Käufer“, während gleichzeitig die ETF-Nachfrage nicht anspringt, oder dreht sich das Muster bald wieder? Lee versucht, die Lage zu beruhigen, indem er argumentiert, dass Treasury-Unternehmen Ether nahezu dauerhaft aus dem Markt nehmen würden. Sein Einwand trifft einen echten Punkt: Ein Kaufstopp bedeutet nicht automatisch einen Verkauf. Die rund sechs Millionen Token bleiben gebunden, und gut fünf Millionen davon sind im Staking. Dennoch beantwortet das Argument nicht direkt, wer die zusätzliche Nachfrage ersetzt, die durch den Wegfall eines großen, regelmäßigen Käufers bisher entstanden sein dürfte. Entscheidender wird deshalb weniger, dass ein einzelner Player ausfällt, sondern ob Fondsabflüsse wieder in Zuflüsse übergehen.
Für die kurzfristige Kursdynamik spricht einiges für erhöhte Sensitivität: Ohne den zuletzt stabilisierenden Stützpfeiler könnten Rücksetzer schneller durchschlagen, weil weniger „bodenbildende“ Spotkäufe im Hintergrund stattfinden. Gleichzeitig bleibt die Wahrscheinlichkeit eines echten Angebotsschocks begrenzt, denn ein großer Teil der Ether ist gebunden und wird nicht schlagartig frei. Die nächsten Monate dürften damit vor allem zur Stresstest-Phase für die Marktstruktur werden: Werden ETFs die Abflussphase überwinden, und finden Treasury-Unternehmen oder weitere Akteure genügend Kapital und Beschaffungsmechanismen, um den wöchentlichen Nachfrageentzug zu kompensieren? Für Anleger heißt das praktisch: Wer die ETH-Lage beurteilt, sollte künftig nicht nur auf den Kurs schauen, sondern die Kombination aus Spot-Käuferprofilen und ETF-Strömen eng beobachten.
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