LONDON (IT BOLTWISE) – Bitwise-CIO Matt Hougan sieht erste Bodenzeichen bei Bitcoin, warnt aber: Der nächste Bull Run werde aus anderen Quellen gespeist als frühere Zyklen. Im Mittelpunkt stehen aus seiner Sicht TradFi-Integrationen, insbesondere Hyperliquid und Robinhood, die Handelsvorteile wie 24/7-Execution in klassische Nutzergruppen tragen sollen. Laut den Daten von Bitwise zeichnet sich zudem eine Wende bei der „apparent demand“ ab. Für Anleger verschiebt sich damit die Frage vom Timing einzelner Signale hin zur Auswahl der gut vernetzten Marktsegmente.

Bitcoin zeigt laut Bitwise bereits erste Anzeichen einer Bodenbildung, doch Matt Hougan macht den zentralen Punkt klar: Das nächste Aufwärtsmomentum dürfte nicht aus den gleichen Mechanismen kommen wie in früheren Rallye-Phasen. Hougan, Chief Investment Officer beim Krypto-Asset-Manager Bitwise, verknüpft die nächste Marktphase eng mit der Frage, wie zuverlässig sich Kryptowährungsvorteile in Umgebungen übertragen lassen, die bisher vor allem aus dem klassischen Finanzwesen stammen. Seine Kernaussage lautet, dass die „Hebelwirkung“ für den Gesamtmarkt vor allem dann entsteht, wenn große Teile des Kapital- und Nutzerflows dort Andockpunkte finden, wo Liquidität und Handelsgewohnheiten bereits etabliert sind.
Als Ausgangspunkt nimmt er dabei nicht die Makro-Story, sondern die konkrete Infrastruktur-Nähe: Für Hougan treiben insbesondere Integrationen, die Krypto-Trading rund um die Uhr ermöglichen und gleichzeitig vorhandene TradFi-Nutzungsmuster berücksichtigen, den nächsten Zyklus an. Hyperliquid steht in seinem Szenario stellvertretend für diesen Weg. Hougan argumentiert, dass dort ein großer Teil des Volumens bereits in konventionelle Assets fließt, etwa Öl, Silber oder auch der S&P 500, und dass Hyperliquid damit eine Art Brücke baut, auf der bestehende Kapitalmarkt-Teilnehmer in die Krypto-Welt hinein navigieren können. Zusätzlich nennt er Erweiterungen in Richtung Spot-Commodities, Prediction Markets sowie Optionen.
Das ist mehr als Marketing-Sprache, denn die technische Bedeutung solcher „Kreditpunkte“ für den Markt liegt in der Art, wie neue Marktsegmente Liquidität erzeugen. Wenn ein Handelsplatz nicht nur Tokens als Endziel betrachtet, sondern deren Anwendungslogik über Derivate, Optionen und zusätzliche Handelsmodi „vertraut“ macht, sinkt die Einstiegshürde für professionelle Nutzer. Gleichzeitig verschiebt sich die Nachfrage nach Tools und Schnittstellen: Margin- und Liquidationslogik, Order-Routing, Preisfindung und die schnelle Ausführung (inklusive der üblichen Latenz-Optimierungen) werden zur Voraussetzung dafür, dass neue Nutzergruppen die Bedienung als belastbar empfinden. Genau an dieser Stelle, so lässt sich Hougans Argumentation technisch einordnen, entsteht die Chance, dass eine breite Marktbelebung nicht nur einzelne Coins betrifft, sondern den gesamten Krypto-Komplex mitnimmt.
Als zweites Set von Katalysatoren bringt Hougan Robinhood ins Spiel – nicht als „einfaches“ Retail-Branding, sondern im Kontext der Robinhood Chain als Layer-2-Ansatz. Damit adressiert er einen wiederkehrenden Engpass aus früheren Zyklen: Viele neue Nutzer treten zwar interessiert auf, bleiben aber häufig an hohen Gebühren, geringer Transaktionsflexibilität oder an der Komplexität von Onchain-Abwicklungen hängen. Ein Layer-2-Ökosystem kann diese Reibung reduzieren, indem es Transaktionen effizienter bündelt und damit die Nutzbarkeit für häufige Handelsaktivität verbessert. Hougans Erwartung geht dabei auf „die Majors“ wie Bitcoin und Ethereum ebenso wie auf weitere Marktsegmente wie Krypto-Aktien: Er schließt daraus, dass die nächste Bull-Phase groß genug sein dürfte, um den Großteil des Sektors zu heben.
Unterfüttert wird diese Perspektive mit einer Beobachtung zur Nachfrageentwicklung bei Bitcoin. Bitwise sieht laut den eigenen Daten „apparent demand“ in Bewegung – also eine Kennzahl, die die Differenz zwischen neu geminiertem BTC und der Menge an BTC beschreibt, die mindestens ein Jahr inaktiv war. In der praktischen Interpretation bedeutet das: Wenn sich dieses Gleichgewicht wieder in Richtung steigender Aktivierung dreht, kann das auf eine Rückkehr von Kaufinteresse hindeuten, bevor Spot-Volumina in allen Zeitfenstern gleich stark anziehen. Gerade auf kurzfristigeren Zeithorizonten bleibt Spot-Nachfrage oft schwach, und trotzdem kann ein Wendepunkt bei solchen Flow-basierten Messungen früh sichtbar werden.
Für Unternehmen und institutionell geprägte Teams leitet sich daraus eine messbare Konsequenz ab: Die nächste Phase wird vermutlich weniger über „ein einzelnes Chart-Signal“ entschieden, sondern darüber, welche Ökosysteme die Zuflüsse in Handels- und Abwicklungsprozesse integrieren. Das spricht für eine stärker strukturierte Marktanalyse, bei der neben Preisniveaus auch Handelsarchitekturen, Liquiditätsquellen und die Anbindung an etablierte Nutzerprofile bewertet werden. Parallel dazu sollten Risikoteams ihre Annahmen zu Volatilität und Korrelationen mit klassischen Indizes regelmäßig überprüfen, weil Hougans Hinweis, dass BTCUSD an Boden gegenüber US-Aktien gewinnen kann, zwar eine Chance signalisiert, aber in Stressphasen auch unerwartete Korrelationen erzeugen kann.
Historisch betrachtet folgt Bitcoin in Zyklen häufig einem Muster: Nach Phasen mit schwacher Nachfrage und „Kapital im Wartemodus“ entstehen neue Auslöser, sobald sich Handelszugänge normalisieren. Hougans Fokus auf TradFi-nahe Integrationen reiht sich in diese Logik ein, weil er die Marktöffnung über Reichweite und Bedienbarkeit denkt. Entscheidend wird dabei, ob Hyperliquid und das Robinhood-Ökosystem nicht nur Volumen anziehen, sondern auch dauerhaft nutzbar bleiben, etwa durch robuste Ausführung, stabile Gebührenmodelle und verlässliche Marktbedingungen. Wenn sich die Wende bei „apparent demand“ weiter bestätigt, könnte genau diese Kombination aus besserem Zugang und sich drehendem Flow die nächste Aufwärtsbewegung tragen.
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