LONDON (IT BOLTWISE) – Nothing stellt mit dem Headphone (1) Pro ein überarbeitetes Over-Ear-Upgrade vor, das beim Klang und beim Active Noise Cancelling spürbar zulegt. Herzstück ist ein Triple-Treiber-System mit dynamischem Präzisionstreiber und xMEMS für Höhen-Details. Gleichzeitig sorgt das neue Transport-Case für Kritik, weil es den Kopfbügel im Rucksack offenbar ungeschützt lässt. Für 349 Euro richtet sich das Pro-Modell damit klar an Designfans, die eher Lifestyle als reinen Nutzen priorisieren.

Nothing Headphone (1) Pro im Test: ANC, Triple-Treiber und das unpraktische Case
Nothing Headphone (1) Pro im Test: ANC, Triple-Treiber und das unpraktische Case (Foto: IT BOLTWISE)
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Nothing will mit dem Headphone (1) Pro nicht nur ein weiteres Gadget liefern, sondern die eigene Position im umkämpften Over-Ear-Segment verbessern. Der Markt ist dabei brutal: Bei Preisen um 300 bis 400 Euro konkurrieren Hersteller mit ausgereiften ANC-Systemen, starken App-Ökosystemen und überzeugender Alltagstauglichkeit. Im Test wirkt das Pro-Modell deshalb wie ein „Upgrade mit Haltung“ – technisch plausibel überarbeitet, aber mit einem Detail, das den praktischen Nutzen sichtbar ausbremst.

Beim Klang adressiert Nothing gleich mehrere Schwachstellen, die man aus der ersten Generation kennen konnte. Anstelle eines einzelnen dynamischen Treibers setzt das Pro auf ein Triple-Treiber-Design: Ein 40-mm-Treiber bleibt die Basis, ergänzt durch einen dynamischen Präzision-Treiber mit 13 x 8 mm Membrandurchmesser für den Mitteltonbereich sowie einen xMEMS-Treiber (3,2 x 6,0 x 1,15 mm) für feinste Höhen-Informationen. Genau dort wird der Unterschied im Direktvergleich hörbar – Stimmen und Teile von Instrumenten treten präsenter hervor, besonders bei Rock und Pop. Auch orchestrale Musik und Live-Mitschnitte profitieren nach der Testbeschreibung von mehr Auflösung und einer insgesamt größeren „Bühne“, weil das Frequenzspektrum spürbar weiter ausgedehnt wirkt.

Damit das Klangbild nicht durch starre Presets „eingefroren“ wird, hebt Nothing zudem den neuen Flat-Modus hervor. Der Clou daran: Das Klangprofil wird ohne vorgeschalteten Equalizer-Anteil wiedergegeben, was dem Hörer mehr Kontrolle gibt, statt nur eine einzige Kurve „durchzurechnen“. Gerade bei Live-Aufnahmen und bei Film- oder Orchestermaterial bleibt die Wiedergabe natürlicher; der Bass soll dabei feine Details nicht überdecken. Über die Nothing X App kommt dann die eigentliche Stellschraube: ein einfacher oder komplexer Equalizer, Presets anderer Nutzer sowie die Möglichkeit, ein individuelles Profil anhand eines Hörtests zu erstellen. Damit verschiebt sich das Pro-Modell stärker in Richtung „konfigurierbare Klangmaschine“ statt „Fix-Charakter“, auch wenn der Testvergleich gegen Sony an einer Stelle zeigt, dass Klarheit bei orchestralen Passagen weiterhin Stärke des WH-1000XM6 bleibt.

Beim Active Noise Cancelling hält Nothing die Messlatte hoch – das ANC arbeitet mit fünf Mikrofonen pro Ohr, die Umgebungsgeräusche erfassen und Antischall erzeugen. Laut Testumgebung erreicht das System ein Niveau, das mit dem Sony WH-1000 XM6 vergleichbar sein soll; alltägliche Störgeräusche wie Gespräche oder Tastaturklicken werden sogar noch einen Hauch besser isoliert. Gleichzeitig gibt es Nuancen: Hochere Töne wie das Schreien von Kleinkindern dringen beim Nothing-Modell etwas stärker durch als beim Sony. Praktisch bedeutet das: Bei moderater Musiklautstärke (genannt werden im Test etwa 20 % bis 30 %) lassen sich Umgebung und Konzentrationsstress in beiden Fällen weitgehend ausblenden, aber die Art der Störung entscheidet über den letzten Rest an „Stille“.

Auch als Headset versucht Nothing, den Spagat zwischen Komfort und Verständlichkeit zu schaffen. In Telefonaten klingen Stimmen „okay“, während Umgebungsgeräusche solide herausgefiltert werden. Allerdings zeigt der Vergleich einen klaren Unterschied zu einem Referenzmodell aus dem eigenen Preis-Cluster: Anker Space 2 Pro soll selbst bei Umgebungslautstärken bis 90 dB noch problemlos Telefonate ermöglichen, während das Nothing bei einer Caféstimmung mit vielen Stimmen als Hintergrundkulisse stärker ins Wanken gerät. Dann fällt der Software offenbar schwer, sauber zwischen mehreren Umgebungsstimmen und der eigenen Sprechstimme zu trennen, was gelegentlich Störgeräusche verursacht. Rein als Alltagslösung bleibt es dennoch „solide“, besonders wenn man die häufigste Nutzungssituation berücksichtigt: ruhige Wege, Büroflur oder kurze Calls ohne komplette Gesprächs-Umgebung.

Technisch rundet die Plattform die Nutzung über Funk und Kabel ab. Der Bluetooth-6.1-Chipsatz unterstützt neben AAC und SBC auch LDAC; auf freier Fläche werden im Test etwa 12 Meter als stabiler Rahmen genannt, innerhalb eines Raums ohne Probleme, darüber hinaus hängt die Reichweite stark von Hindernissen ab. Besonders praktisch ist die duale Geräteverbindung: Kopfhörer koppeln gleichzeitig mit Smartphone und Laptop, während Audio zusätzlich über den 3,5-mm-Klinkenanschluss oder via USB-C übertragen werden kann. Bei der Akkulaufzeit nennt Nothing 68 Stunden bei ANC aus (50 % Lautstärke, AAC), bis zu 30 Stunden bei ANC an; mit LDAC sollen es ohne ANC 53 Stunden und mit ANC 28 Stunden sein. Im Test werden Werte von etwa 28 Stunden (AAC) beziehungsweise rund 25 Stunden (LDAC) berichtet – etwas unter der Herstellerangabe, aber innerhalb des erwartbaren Rahmens, was für die Planung im Alltag relevant ist.

Am sichtbarsten entscheidet das Pro-Modell jedoch nicht nur über „Technik“, sondern über die Frage, wie konsequent Hersteller Lifestyle und Alltagsgebrauch zusammenbringen. Das neue Transport-Case besteht aus Hartplastik, wirkt auf den ersten Blick wie eine Brotdose und schützt im Inneren vor allem die Ohrmuscheln. Das Case lässt sich über einen Druckknopf aufklappen, eine gummierte Einlage liegt passgenau an, und oben ragen Öffnungen heraus, durch die der Kopfbügel geführt wird. Dadurch bleibt der Bügel beim Transport im Rucksack oder Koffer im Test-Szenario ungeschützt – auch wenn er nicht wie ein „Sofortbruch-Kandidat“ wirkt, bleibt das Risiko einer Beschädigung real. Genau hier wird aus der Designidee „Form über Funktion“ ein echter Wettbewerbsnachteil, zumal das Modell mit 349 Euro in einer Preisklasse liegt, in der viele Käufer ein vollständigeres Schutzkonzept erwarten. Zusätzlich kritisiert der Test, dass der Bügel weiterhin mit Kunststoff ummantelt ist; hier wäre Metall-Ummantelung als Schutzmaßnahme naheliegend gewesen. Unterm Strich: Nothing liefert ein starkes Klang- und ANC-Upgrade mit Triple-Treibern, Flat-Modus, sehr granularen Equalizer-Optionen und einer überzeugenden App. Wer jedoch nicht in die Optik und die spielerische Bedienphilosophie des Unternehmens investiert, bekommt beim Case den Gegenpol zur Alltagstauglichkeit zu spüren – und das macht den Headphone (1) Pro eher zur Empfehlung für Design-Enthusiasten als zum uneingeschränkten Preis-Leistungs-Knaller.

Alternativ zeigt der direkte Wettbewerb, dass „gut für sein Geld“ nicht automatisch „bestes Gesamtpaket“ bedeutet. Im Vergleich zum Sony WH-1000XM6 wirkt das Klangbild beim Nothing bei orchestralen Passagen etwas verwaschener, und beim ANC bleiben feine Unterschiede bei sehr hohen Störsignalen bestehen. Gleichzeitig wird auch ein möglicher Preis-Leistungs-Anker im Test erwähnt: Wenn man den Fokus auf maximale Wirtschaftlichkeit legt, wird ein Soundcore Space 2 Pro als bessere Option genannt. Genau deshalb hängt die Kaufentscheidung am Profil: Für Nutzer, die sich bewusst für transparente, glasbetonte Premium-Details, haptische Verarbeitung und die „konfigurierbare“ Klanglogik begeistern, passt das Nothing Pro sehr gut. Für pragmatische Reisende zählt jedoch das Case, und dort liefert die neue Lösung nach der Testbeschreibung nicht das Sicherheitsniveau, das man bei einem Over-Ear in dieser Preisklasse erwarten würde.


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