LONDON (IT BOLTWISE) – Der litauische Satelliten-Softwareanbieter Blackswan Space hat eine Seed-Runde über 2,5 Mio. Euro abgeschlossen, um sein „RPO Kit“ für autonome Rendezvous-, Pointing- und Orbitalmanöver im All zu demonstrieren. Das System kombiniert visionbasierte Navigation mit Software, die Blackswan selbst entwickelt hat. Die In-space-Demo ist für Q4 2027 als gehosteter Payload bei einem noch nicht genannten Partner geplant. Nach der Selbstfinanzierung des ersten Tests will das Startup die Serienfähigkeit zügig auf Vollbetrieb umstellen.

Blackswan Space sammelt 2,5 Mio. Euro an und treibt RPO-Kit-Demo im All voran
Blackswan Space sammelt 2,5 Mio. Euro an und treibt RPO-Kit-Demo im All voran (Foto: IT BOLTWISE)
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Blackswan Space verschiebt mit der neuen Seed-Finanzierung den Schwerpunkt vom Rechnen im Simulator hin zu echter Navigation und Manövern im Orbit. Das litauische Startup, das bisher vor allem mit Mission-Design-Simulationssoftware in Erscheinung trat, sammelt laut Unternehmensangaben 2,5 Mio. Euro in einer Runde, die bei insgesamt 3,2 Mio. Euro bisheriger Kapitalbeschaffung kumuliert. Als Lead wird Iron Wolf Capital genannt; beteiligt sind außerdem Lemonade Stand und NGL Ventures. Unter den weiteren Geldgebern tauchen zudem Angel-Financiers rund um NanoAvionics-Gründer Linas Sargautis und den litauischen Serial Entrepreneur Tomas Žilandauskas auf. Für ein Unternehmen, das autonome RPO-Fähigkeiten („Rendezvous, Pointing und Orbit“) adressiert, ist dieser Schritt typischerweise der Übergang von Engineering-Iterationen zu einer Demonstration, die technische Risiken im Weltraumbetrieb sichtbar macht.

Technisch rückt dabei das „RPO Kit“ in den Fokus: Es soll Kundenraumschiffen autonome Navigation sowie RPO-Manöver ermöglichen und dafür auf visionbasierte Navigationsverfahren (VBN) setzen. In der Praxis bedeutet VBN, dass Kameradaten als zentrale Eingangsgröße dienen, um relative Lage und Bewegung zu schätzen und die Steuerungslogik für Annäherung, Ausrichtung und Bahnkorrekturen daran auszurichten. Blackswan plant die erste In-space-Demo als gehosteten Payload; sie soll im vierten Quartal 2027 stattfinden und bei einem Partner-Satelliten eingebunden werden, der noch nicht benannt ist. Diese zeitliche Zielsetzung ist nicht nur ein Meilenstein im Produktfahrplan, sondern auch ein Signal dafür, dass das Startup die Integration in fremde Missionsumgebungen als wiederholbares Muster aufbauen will.

Der Weg zum RPO Kit ist dabei bewusst als „Market statt Reinvention“ gedacht. Blackswan entwickelt die Software hinter dem Kit laut eigener Darstellung inhouse und greift bei der Hardware weitgehend auf COTS-Teile (Commercial off-the-shelf) zurück. Dazu gehören kommerzielle optische Sensoren sowie NVIDIA-Compute-Chips. Damit kombiniert das Startup zwei Ansätze, die in der New-Space-Entwicklung oft gegeneinanderstehen: Einerseits soll durch COTS ein schnellerer Entwicklungs- und Validierungszyklus möglich sein; andererseits muss die Software so robust sein, dass sie mit realen Sensorcharakteristika, wechselnden Licht- und Geometriebedingungen sowie typischen Systemlatenzen im Orbit zurechtkommt. Interessant ist außerdem die strategische Begründung, die CEO Marius Klimavičius gibt: „The RPO Kit came about from my conversation with [Orbit Fab cofounder] Daniel Faber, “, sagt Klimavičius laut Quelle, und fährt fort: „Back in 2021 or 2022, he told me, ‘Look, if I can buy an RPO kit from the market right now, I would buy one. But I am struggling to find one.’“ In dieser Logik wird der Markt zu einem Hebel: Servicing-Anbieter, die sonst ihre eigenen RPO-Fähigkeiten entwickeln müssten, könnten auf ein fertiges Kit ausweichen, sobald dessen Einsatz im Orbit nachgewiesen ist.

Auch die Positionierung am Markt hängt stark an der Reihenfolge, in der Fähigkeiten produktisiert werden. Blackswan argumentiert, dass der wichtigste Vorteil darin liegen kann, früh verfügbar zu sein, und dass sich die Nachfrage nach Abschluss der Demo erhöhen dürfte. Gleichzeitig ist Docking der kritische Teilprozess mit hoher Komplexität; genau dort setzt der Erwartungsrahmen des Managements an. Klimavičius beschreibt, dass „Docking probably the most complex thing that you can do in orbit… So you really need experts that have done this before“ und dass sich aus einer erfolgreichen Durchführung sowohl über die „in-orbit demonstration next year“ als auch über die nächste Mission „ASTRAL“ „plenty of opportunities“ ergeben. Diese Einordnung deckt sich mit dem allgemeinen Engineering-Problem: Schon kleine Fehler in relativer Lageabschätzung oder Trajektorienplanung können bei Rendezvous-Phasen zu Grenzwerten für Gleitkommafehler, Trigger-Logik oder Steuerungsbandbreite führen. Wer hier früh Erfahrungen sammelt und die Fehlerbudgets konservativ in Software und Testmethodik übersetzt, kann später schneller skalieren.

Für zusätzliche Marktvalidierung sorgt ein bestehender ESA-Kontext: Im November habe Orbit Fab Blackswan’s RPO Kit ausgewählt, um RPO- und Docking-Fähigkeiten für die erste ESA-finanzierte Mission „ASTRAL“ bereitzustellen; diese Mission wird für 2028 erwartet. Damit bekommt das Startup nicht nur einen potenziellen Referenzfall, sondern auch einen Pfad, in dem die eigenen Fähigkeiten in einer definierten Programmeinbettung getestet werden. Gleichzeitig bleibt für die nächsten Schritte entscheidend, wie das RPO Kit in fremde Missionsarchitekturen integriert wird, insbesondere wenn Host-Satelliten, Kommunikationsfenster und Attitude-Profile variieren. Genau deshalb ist die geplante Investition eines Teils der neuen Mittel in eine physische Präsenz in den USA ein naheliegender Taktikwechsel: Wer Verträge mit US-amerikanischen In-Space-Servicing-Anbietern gewinnen will, braucht oft neben Technik auch Nähe zu Projektteams, Beschaffungsprozessen und industriellen Partnernetzwerken.

Im Hintergrund steht damit ein breiter Trend in der Raumfahrt: Viele Teams erkennen, dass autonome Servicing-Funktionen wie Rendezvous, Ausrichtung und Docking schwer genug sind, um sie nicht bei jeder neuen Mission von Null an neu zu entwickeln. Stattdessen werden wiederverwendbare Software- und Hardware-Module gesucht, die schnell in bestehende Bus-Systeme integriert werden können. Wenn Blackswan die RPO-Kit-Demo wie geplant in Q4 2027 erfolgreich durchführt und dabei Integrationsrisiken reduziert, könnte das die Eintrittshürde für Folgeprojekte senken. Unmittelbar spannend ist dabei, wie das Startup nach der Selbstfinanzierung des ersten Demonstrators zügig auf Full Operations umstellt – und ob aus der frühen Marktphase tatsächlich ein wiederkehrendes Geschäftsmodell entsteht, das Servicing-Anbieter weniger Entwicklungsarbeit kostet, als es der Aufbau eigener RPO-Teams verlangen würde.


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