SEATTLE / LONDON (IT BOLTWISE) – Boeing-Chef Kelly Ortberg räumt ein, dass die Stabilisierung der 737-MAX-Produktion auf das Zieltempo von 47 Jets pro Monat länger dauert als erwartet. Als Engpass nennt er vor allem die nicht schnell genug steigende Flügelproduktion sowie die noch laufende Zertifizierung einer neuen 737-Produktionslinie in Everett. Gleichzeitig zieht das Unternehmen die 787-Dreamliner-Hochfahrpläne aufgrund von Triebwerksknappheit in die Länge. Für die finanziellen Erwartungen bedeutet das: Beim Free Cash Flow landet Boeing voraussichtlich eher im unteren Bereich der bisherigen Guidance.

Boeing: Stabilisierung der 737-MAX-Rate dauert länger – 787 auch langsamer
Boeing: Stabilisierung der 737-MAX-Rate dauert länger – 787 auch langsamer (Foto: IT BOLTWISE)
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Die nächste Stufe der Boeing-Produktionspläne rückt in Sichtweite, aber eben nicht im Zeitplan, den das Unternehmen selbst als erreichbar dargestellt hatte. In Seattle sagte Boeing-CEO Kelly Ortberg, die Stabilisierung der 737-MAX-Fertigung auf die anvisierten 47 Flugzeuge pro Monat dauere „länger als erwartet“. Unmittelbar nach seinen Kommentaren gab die Aktie rund 2,25 % nach und schloss den Handelstag mit einem Minus von 4 %. Für Investorinnen und Investoren ist das mehr als nur ein operatives Detail: Gerade die 737 MAX ist das zentrale Programm, um nach den mehrjährigen Krisen wieder Tempo in die Erholung zu bringen und die Finanzlage zu stabilisieren.

Technisch und operativ hängt das Hochfahren der 737 MAX an zwei Engstellen, die Ortberg klar adressierte. Erstens reichen die Fähigkeiten, 737-Flügel in den benötigten Mengen fertigzustellen und zuverlässig in den Produktionsfluss zu integrieren, aktuell nicht aus, um die höhere Rate dauerhaft aufrechtzuerhalten. Zweitens soll Boeing die neue 737-Produktionslinie im Werk Everett, Washington, zertifizieren lassen, damit das Unternehmen künftig auf 52 Jets pro Monat hochgehen kann. Ortberg stellte dabei auch den nächsten Jahres-Schritt in Aussicht: Werksseitig benötigt Boeing dafür sowohl eine schnellere Flügelproduktion als auch die Zertifizierung der Linie, während gleichzeitig die Lieferkette das größere Tempo grundsätzlich stützen könne.

Damit verknüpft ist die Frage, wann die größte Variante der 737 MAX in das volle System eingestiegener Kapazitäten gelangt. Ortberg sagte, die Zertifizierung der 737-10 stehe „sehr bald“ an. Diese Variante macht laut den Angaben im Umfeld der Aussagen etwa 30 % aller 737-Bestellungen aus und hatte damit einen beträchtlichen Anteil am Auftragsmix. Gleichzeitig ist die 737-10 mehrere Jahre hinter dem ursprünglich kommunizierten Zeitplan; als Referenz diente im Bericht auch die jüngste Zertifizierung der kleinsten Variante, der 737-7, durch US-Behörden im August. In der Praxis wirkt sich das unmittelbar auf die Planbarkeit aus: Sobald eine dominante Variante nicht rechtzeitig zertifiziert ist, verteilt sich die Produktionslast zwar möglicherweise auf bereits freigegebene Versionen, aber die geplante Erlös- und Auslieferungsdynamik wird gedämpft.

Auch die 787 Dreamliner folgt dem Muster „Zielbild ja, Timing nein“, allerdings aus einem anderen Grund. Boeing plant, die 787-Rate auf 10 Flugzeuge pro Monat zu erhöhen, doch Ortberg führte aus, dass dies „länger als erwartet“ dauert, weil Triebwerke fehlen. Aktuell produziert Boeing acht der Twin-Aisle-Jets pro Monat; dennoch sinken die Auslieferungen zeitweise, weil die Zertifizierung bei Premium-Sitzen langsamer verläuft. Solche Verzögerungen sind in der Luftfahrt nicht nur eine Frage der Teileverfügbarkeit, sondern auch ein Thema der Zulassungs- und Konfigurationskette: Wenn Innenausstattungsvarianten oder Sitzsysteme später als geplant freigegeben werden, kann selbst ein nahezu fertig montiertes Flugzeug nicht sofort in den Auslieferungsrhythmus einsteigen. Ortberg sprach deshalb von einem in Monatszyklen „lumpigen“ Verlauf bei den 787-Auslieferungen.

Aus den beiden verlangsamten Rate-Steigerungen leitet das Unternehmen auch eine Verschiebung bei der Free-Cash-Flow-Erwartung ab. Die langsameren Hochfahrbewegungen bedeuten, dass Boeing voraussichtlich nicht auf die zuvor als Upside genannte Schwelle von 3 Milliarden US-Dollar Free Cash Flow kommt, sondern eher im Bereich von 2 Milliarden US-Dollar landet. Jay Malave, Chief Financial Officer, bezog sich dabei auf den Mittelpunkt der Guidance. Für die Marktkommunikation ist das eine heikle Nachricht: In den Jahren zuvor hatte Boeing mit erheblichen Belastungen zu kämpfen, darunter eine hohe Nettoverschuldung von nahezu 26 Milliarden US-Dollar und ein beschädigtes Marken- und Vertrauensbild. Entsprechend ist der Free Cash Flow nicht nur eine Kennzahl, sondern eine Art „Beweis“ für wiedergewonnene Liefer- und Effizienzfähigkeit.

Parallel dazu dämpfte Boeing die Erwartungen rund um mögliche Bestellungen aus China im Vorfeld eines politischen Gipfels nächste Woche in Washington. Ortberg spielte die Hoffnung herunter, dass China in diesem Umfeld einen großen Auftrag ankündigen könnte. Bereits im vergangenen Mai hatte China bei einem Treffen in Peking zugesagt, insgesamt 200 Flugzeuge zu bestellen. Für den Wettbewerb auf dem Markt der Single-Aisle-Jets ist diese Dimension trotzdem wichtig: Selbst wenn Bestellungen nicht kurzfristig in der Pipeline landen, beeinflusst der Timing-Faktor die Kapazitätsplanung von Airlines. Das zeigt sich auch im Kontext der MAX 7: Southwest Airlines, als erste Airline, die die MAX 7 einsetzt, rechnet nach den Angaben von deren Finanzchef Tom Doxey damit, dass einige Auslieferungen etwa zum Ende 2026 beginnen könnten und der Einstieg in den Service Anfang 2027 erfolgt. Boeing hat bereits 27 MAX 7 für Southwest gebaut und bereitet sie für die Auslieferung vor.

Für die weitere Umsetzung bedeutet das Gesamtbild: Boeing muss die Produktionssysteme so stabilisieren, dass die geplanten Raten nicht nur kurzfristig erreicht, sondern mit gleichmäßiger Taktung in die nächsten Monate überführt werden. Der Berichtstreffpunkt „Flügel, Zertifizierung, Triebwerke, Innenausstattung“ beschreibt dabei eine Kette aus Fertigungsstufen und regulatorischen Freigaben, in der Verzögerungen selten isoliert bleiben. Gerade deshalb ist die nun bestätigte Linie der Guidance-Kommunikation für das Management so entscheidend: Sie koppelt operative Fortschritte an finanzielle Zielgrößen und macht transparent, wo derzeit die größten Zeitverluste entstehen. Für Unternehmen, die in der Lieferkette oder im direkten Serviceumfeld der Airlines arbeiten, heißt das vor allem eins: Planungen sollten mehr Robustheit gegen Monats-Schwankungen bei Auslieferungen einplanen und zugleich die spezifischen Engpässe (z. B. Triebwerke oder zeitverzögerte Zertifizierungsbausteine) in ihren eigenen Kapazitätsmodellen berücksichtigen.


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