LONDON (IT BOLTWISE) – Bolt ermöglicht am Internationalen Autofreien Tag in Litauen bis zu tausend Menschen ein fast kostenloses Rollerlebnis. Nutzer kaufen ab 9 Uhr in der Bolt-App einen speziellen „Autofreier Tag“-Tarif für nur einen Cent und fahren damit 30 Minuten. Das Angebot wird proportional zur Stadtgröße verteilt. Bolt verweist zudem auf den Trend, Roller gezielt mit Bus, Straßenbahn und Zug zu kombinieren.

Bolt startet „Autofreier Tag“-Aktion: 1 Cent für 30 Minuten Rollerfahren
Bolt startet „Autofreier Tag“-Aktion: 1 Cent für 30 Minuten Rollerfahren (Foto: IT BOLTWISE)
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Bolt nutzt den Internationalen Autofreien Tag am 22. September, um die Nutzung von E-Scootern in Litauen kurzfristig massiv zu verbilligen. Ab Dienstag um 9 Uhr können bis zu tausend Menschen in der Bolt-App einen speziellen „Autofreier Tag“-Tarif erwerben, der lediglich einen Cent kostet. Für den Preis erhalten Nutzer eine Nutzungsdauer von 30 Minuten mit den Bolt-Scootern, wobei Bolt die Zahl der Aktionstarife proportional zur Größe der Städte in Litauen aufteilt. Damit ist die Aktion nicht als dauerhaftes Preismodell gedacht, sondern als starker Anreiz, an einem klar markierten Datum bewusst Alternativen zum Auto auszuprobieren.

Technisch und operativ stützt sich so eine Initiative auf die übliche Infrastruktur von Mobility-Apps: Der besondere Tarif wird in der Regel serverseitig an ein Zeitfenster und an eine Nutzer-/Standortlogik gekoppelt. In der Praxis heißt das für Produkt- und Operations-Teams, dass Preis, Verfügbarkeit und Laufzeit synchron sein müssen, damit der Coupon um 9 Uhr tatsächlich abrufbar ist und gleichzeitig die Rollerverfügbarkeit vor Ort nicht völlig „entkoppelt“ wird. Bolt positioniert die Aktion außerdem als Gelegenheit, Gewohnheiten zu hinterfragen: „Ein Tag ohne Auto bietet eine gute Gelegenheit, darüber nachzudenken, ob das tägliche Autofahren wirklich die einzige und bequemste Option ist. In Städten lässt sich ein Großteil der Wege bequem zu Fuß, mit öffentlichen Verkehrsmitteln oder mit dem Roller zurücklegen – oder durch eine Kombination dieser Verkehrsmittel. Deshalb laden wir heute tausend Menschen ein, ihr Auto stehen zu lassen und Roller zum symbolischen Preis von einem Cent zu nutzen“, sagt Ben Jurlovas, Leiter des Mikromobilitäts-Sharing-Dienstes Bolt in Litauen.

Für die Nutzerperspektive ist nicht nur der Preis entscheidend, sondern auch die Frage, wie gut Roller als Zubringer oder Abschlussstrecke funktionieren. Laut Jurlovas sind Bolt-Scooter für viele Menschen nicht das alleinige Verkehrsmittel; häufig kombinieren sie die letzte Meile per Roller mit dem öffentlichen Nahverkehr. Konkret beschreibt er das Muster „Scooter zur Bushaltestelle“ und danach „restliche Strecke mit dem Scooter“ nach der Ankunft im Zielgebiet. Solche Kombinationsszenarien sind für die Planung in Städten relevant, weil sie die Wegeketten verändern: Ein Roller kann damit nicht nur Fahrten ersetzen, sondern auch dafür sorgen, dass größere Teile einer Strecke überhaupt erst mit Bus, Straßenbahn oder Zug funktionieren.

Auch als Indikator für diese Multimodalität nennt Bolt einen konkreten Ort in Vilnius: „Einer der Beweise dafür ist, dass der beliebteste Ort, um eine Bolt-Scooter-Tour in Vilnius zu beginnen oder zu beenden, der Vincas-Kudirkas-Platz ist, neben einer der verkehrsreichsten Haltestellen des öffentlichen Nahverkehrs der Stadt, von der aus man bequem auf viele andere Routen umsteigen kann“, sagt Jurlovas. Das ist weniger eine Aussage über „bequem“ im Allgemeinen, sondern über die reale Kopplung zwischen Start-/Zielpunkten von Rollerfahrten und der Verteilung wichtiger ÖPNV-Hubs. Genau solche Muster lassen sich später auch in Betriebsentscheidungen übersetzen, etwa bei der Platzierung von Rollern, dem Management von Abstellzonen und der Aussteuerung von Angebot und Rückführung in hochfrequentierte Bereiche.

In den Hintergrund tritt dabei eine Studie des Sustainable Urban Transitions Lab, einer Initiative der ETH Zürich und des Bolt Urban Fund, die in Zusammenarbeit mit der Stadt Hannover durchgeführt wurde. Die Kernaussage lautet, dass Mikromobilitäts-Sharing und öffentlicher Nahverkehr nicht automatisch konkurrieren, sondern sich häufig ergänzen. In Hannover waren laut Studie 56 Prozent der Rollerfahrten direkt mit einer Bus-, Straßenbahn- oder Zugfahrt verbunden – die Rollerfahrer nutzten also Roller, um zu Haltestellen zu fahren oder von ihnen weg zu kommen. Darüber hinaus deuten Modellierungsergebnisse darauf hin, dass man durch eine gezielte Auswahl von Parkplätzen für Mikromobilitätsfahrzeuge in der Nähe von Haltestellen die Zahl der Autofahrten um 14 % reduzieren könnte; zugleich soll die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs um fast 20 % steigen können. Der größte Effekt wird insbesondere für Vororte erwartet, wo längere Wege zu Haltestellen anfallen.

Dass Roller im Alltag zunehmend eingeplant werden, stützt Bolt ebenfalls mit litauischen Nutzungsdaten. Laut Jurlovas zeigt sich das unter anderem an der wachsenden Beliebtheit von Reisepaketen: Im zweiten Quartal dieses Jahres seien fast 43 Prozent aller Fahrten mit Bolt-Scootern in Litauen nach dem Kauf eines Tages-, Mehrtages- oder Monatspakets gestartet worden. Zwei Jahre zuvor lag dieser Anteil bei 7 Prozent. Für Unternehmen ist das ein Hinweis darauf, wie Preislogik und Produktdesign Verhaltensmuster formen können: Pakete senken die Reibung vor der Fahrt (weniger spontane Einzelentscheidungen), und sie können das Vertrauen in die Planbarkeit von Mobilitätsalternativen erhöhen.

Wie es nach der Aktion weitergeht, bleibt im Text offen – aber die technische und betriebliche Botschaft ist bereits klar. Eine Tagesaktion für 30 Minuten Nutzungszeit ist als „Probiermoment“ gedacht, während die Studie und die Nutzungsdaten eher auf nachhaltigere Effekte abzielen: Kopplung an ÖPNV, passende Abstell- und Parklogik sowie ein Produkt, das aus Einzelfahrten wiederkehrende Routinen macht. Für Städte und Betreiber bedeutet das, dass Preisanreize allein selten reichen; sie müssen von einer passenden Verfügbarkeit im Netz und von gut platzierten Sammelpunkten begleitet werden. Gleichzeitig zeigt der Ansatz, wie stark sich Mobility-Sharing in vielen Metropolregionen von der reinen Substitution einzelner Autowege hin zu integrierten Mobilitätsketten entwickelt.


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