FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Bundesbank hat eine europaweite Ausschreibung für ihre neue Zentrale gestartet. Bis Ende 2027 soll der Zuschlag an den passenden Anbieter erteilt werden. Die Notenbank plant rund 2.500 Arbeitsplätze und etwa 15.000 Quadratmeter Nutzfläche in einem schlësselfertigen Objekt im Stadtgebiet von Frankfurt. Im alten, unter Denkmalschutz stehenden Gebäude soll die Europäische Schule einziehen.

Die Deutsche Bundesbank macht den nächsten Schritt auf dem Weg zu einer neuen Zentrale: Nach der Entscheidung, nach der Sanierung des bisherigen Standorts nicht wieder in das markante Betongebäude im Norden Frankfurts zurückzukehren, startet sie nun eine europaweite Ausschreibung. Ziel ist es, bis Ende 2027 den Zuschlag für das Projekt zu erteilen. Damit verlagert die Notenbank die Planungsphase in einen stärker vergleichenden Beschaffungsmodus – und bindet gleichzeitig frühe Anbieterfeedbacks über Angebote und nachfolgende Verhandlungen ein.
Im Kern geht es um ein wirtschaftliches Modell für die nächsten Jahre: Eine Wirtschaftlichkeitsprüfung kam laut Bundesbank zu dem Ergebnis, dass der Kauf einer Immobilie deutlich kostengünstiger ausfällt als eine fortgesetzte Rückkehr in das bislang dominierende Gebäude-Ensemble. Anstelle einer weiteren Sanierungs- und Rückzugsstrategie strebt die Bundesbank deshalb den Erwerb eines schlüsselfertigen Gebäudes im Stadtgebiet von Frankfurt an – entweder als Neubau oder als kernsanierte Bestandsimmobilie. Für das Baumanagement ist dabei entscheidend, dass der Anbieter nicht nur liefert, sondern die Verantwortung für die Fertigstellung bis zur Nutzungsreife übernimmt.
Für die spätere Nutzung konkretisiert die Bundesbank auch die Größenordnung: Die neue Zentrale soll Raum für etwa 2.500 Arbeitsplätze sowie rund 15.000 Quadratmeter Nutzfläche bieten. Neben Preis und Gebäudebeschaffenheit nennt die Bundesbank als zentrale Auswahlkriterien außerdem die Lage und die Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr. Der zuständige Chief Operating Officer Stephan Bredt ordnet die Anforderung mit Blick auf die tägliche Erreichbarkeit ein: Damit sollen Beschäftigte, externe Geschäftspartner sowie Besucherinnen und Besucher verlässlich zu Terminen und Abstimmungen gelangen. In der Praxis bedeutet das vor allem Anforderungen an Umsteigewege, Erreichbarkeit zu Randzeiten und eine städtisch gut vernetzte Lage.
Während die zukünftige Zentrale den organisatorischen Unterbau für viele Prozesse bildet, bleibt der Altstandort ein eigener Faktor – insbesondere wegen seines kulturellen Status. Das ehemalige Bundesbankgebäude steht unter Denkmalschutz und soll laut Planungen von der Europäischen Schule genutzt werden. Damit verbindet die Bundesbank den Standortwechsel mit einer Nachnutzung, die das bestehende Gebäudeumfeld weiter nutzt statt es langfristig zu entkernen. Interessant ist zudem die Symbolik: Das Grundstück der bisherigen Zentrale wird bereits jetzt als Hochsicherheitsareal für den Goldbestand genutzt.
Denn im alten Areal lagern hochgesichert in Tresoren mehr als die Hälfte der deutschen Goldreserven, die die Bundesbank für den deutschen Staat verwahrt: 1.710 Tonnen Gold. Diese Konstellation macht deutlich, dass Immobilienentscheidungen bei einer Notenbank nicht nur eine Frage der Bürofläche sind, sondern immer auch die Betriebslogik von sicherheitskritischer Infrastruktur berücksichtigen müssen. Selbst wenn ein Gebäude für Büronutzung wechselt oder umzieht, müssen Lagerung, Zugriffskonzepte und Sicherheitsprozesse über Jahrzehnte stabil bleiben; das beeinflusst typischerweise auch zeitliche Abläufe von Umzugskampagnen und Bauphasen.
Aus Marktsicht ist die europaweite Ausschreibung ein Signal für die Branche der Projektentwicklung und des Immobilienbaus: Anbieter müssen sich früh auf Anforderungen wie Nutzfläche, Arbeitsplatzdichte, Nahverkehrsanbindung und die Frage einstellen, ob Neubau oder kernsanierte Bestandsimmobilie den Zuschlag erhalten. Für die Bundesbank ist die Ausschreibung zugleich eine Möglichkeit, das beste Gesamtpaket aus Kosten, Umsetzungssicherheit und langfristiger Nutzbarkeit zu identifizieren. Entscheidend wird dabei sein, wie gut die Angebote die Zielwerte zur Flächengröße und die Anforderungen an die Erreichbarkeit in konkrete Projektpläne übersetzen – denn bis Ende 2027 soll das Ergebnis feststehen, nicht erst in einer späteren Planungsrunde.
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