FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Bundesbank fordert, die europäische PayPal-Alternative Wero stärker mit dem digitalen Euro zu verzahnen. In einem Symposium zum Zahlungsverkehr schlug der Bundesbank-Vorstand Lutz Lienenkämper unter anderem eine Integration des digitalen Euro in die Wero Wallet vor. Ziel ist, Reichweite und Nutzererlebnis europäischer Zahlungsangebote zu erhöhen, statt parallele Insellösungen aufzubauen. Außerdem betont er: Der digitale Euro soll Zentralbankgeld im digitalen Raum liefern – als Ergänzung, nicht als Ersatz.

Die Bundesbank stellt die Weichen für eine pragmatische Europäisierung digitaler Zahlungen – und zwar weniger über neue Inseln, sondern über geschickte Verbindungen. In Frankfurt argumentierte Bundesbank-Vorstand Lutz Lienenkämper, dass mehr europäische Unabhängigkeit im digitalen Bezahlen nur dann gelingt, wenn Wero und der digitale Euro nicht nebeneinander herlaufen. Der zentrale Vorschlag lautet: den digitalen Euro in bestehende Nutzer- und Wallet-Strukturen einzubetten, damit aus technischen Bausteinen ein zusammenhängendes Zahlungsangebot wird.
Konkret verwies Lienenkämper auf eine mögliche Integration: „Denkbar wäre beispielsweise, den digitalen Euro in die Wero Wallet zu integrieren“. Dahinter steckt aus technischer Sicht vor allem das Zusammenspiel von Identitäten, Konten- und Wallet-Logik. Wero soll dabei als Nutzeroberfläche und als Ausführungsweg fungieren, während der digitale Euro die Eigenschaft von Zentralbankgeld in den digitalen Raum bringt. Diese Trennung ist auch dann sinnvoll, wenn Nutzer am Ende eine einzige App erleben: Im Hintergrund lassen sich unterschiedliche Rollen sauber implementieren, etwa Zahlungslogik, Verfügbarkeit und die zugrunde liegende Wertstabilität.
Wero selbst befindet sich bereits in der Skalierungsphase. Laut den Angaben aus dem Umfeld der Veranstaltung gibt es bislang 57 Millionen registrierte Wero-Nutzer in Belgien, Frankreich und Deutschland. Seit Anfang Juli 2024 bietet Wero nach dem Muster des US-Konkurrenten PayPal vor allem direkte mobile Geldzahlungen von Mensch zu Mensch an; inzwischen wurde der Funktionsumfang erweitert, sodass Wero auch bei zahlreichen Händlern online nutzbar ist – ähnlich wie es für Kartenlösungen oder Mobile-Payment-Services wie Apple Pay und Google Pay bekannt ist. Lienenkämper machte dabei aber deutlich, dass der Markthochlauf noch nicht abgeschlossen ist: „Der Markthochlauf bleibt daher eine Aufgabe, die mit Nachdruck verfolgt werden muss.“
Damit verschiebt sich die Diskussion weg von der Frage „Brauchen wir zusätzlich einen digitalen Euro?“ hin zu „Wie verhindern wir Fragmentierung?“ Die Kritik an parallelen Entwicklungen richtet sich oft auf Kosten und auf den Nutzen zusätzlicher Infrastruktur. Die Argumentation der Bundesbank setzt dem jedoch eine Systemperspektive entgegen: Der digitale Euro soll privaten Zahlungsanbietern in Europa – darunter auch solche, die den Markt für digitale Zahlungen dominieren – ein europäisches Angebot gegenüberstellen. Gleichzeitig soll er nicht die komplette Landschaft ersetzen, sondern Funktionen ergänzen. In der Praxis heißt das: Nutzer wollen in der Regel keine neuen Wallets starten und keine neuen Zahlungswege lernen, sondern robuste Dienste, die in ihren Alltag passen.
In seiner Einordnung brachte Lienenkämper den Kernpunkt auf den Punkt: „Ein digitaler Euro ist Zentralbankgeld für den digitalen Raum: allgemein zugänglich, sicher, europäisch und mit hohem Datenschutz – als Ergänzung zu privaten Zahlungslösungen und auch zum Bargeld, nicht aber als deren Ersatz.“ Technisch übersetzt bedeutet das vor allem, dass der digitale Euro nicht nur ein weiterer Zahlungsanbieter sein soll, sondern eine andere Schicht im Zahlungsstapel repräsentiert. Zentralbankgeld als Referenzwert kann für Interoperabilität, Verlässlichkeit und Vertrauen in digitale Transaktionen entscheidend sein – selbst dann, wenn die Bedienoberfläche bei Händlern oder in der Wallet weiterhin von Wero geprägt wird. Für Unternehmen und Entwickler liegt darin außerdem die Chance, bestehende Integrationen in eine breitere, europäisch ausgerichtete Zahlungslogik einzubetten.
Dass eine Verzahnung nicht nur politisch, sondern auch operational nötig ist, zeigt der Zeitplan: Die Europäische Zentralbank arbeitet seit Jahren an einem digitalen Euro, als Ziel wird eine Einführung für 2029 genannt. Für Wero heißt das, dass jetzt die Weichen für die spätere Anbindung gestellt werden müssen – insbesondere bei Nutzerzugängen, Sicherheitsmechanismen und bei der Frage, wie Transaktions- und Wallet-Zustände konsistent gehalten werden. Lässt man beide Vorhaben unabhängig voneinander entstehen, drohen Brüche: Nutzer könnten verschiedene „digitale Konten“ mit unterschiedlichen Regeln erleben, und Händler müssten mehr Schnittstellen betreiben. Genau das will die Bundesbank mit dem Integrationsgedanken reduzieren.
Für den Markt bedeutet das eine Verschiebung der Wettbewerbslogik. Private Anbieter wie PayPal, aber auch etablierte Karten- und Mobile-Payment-Ökosysteme verfügen über große Reichweiten und ausgereifte User Journeys. Eine europäische Kombination aus Wero als Reichweitenhebel und digitalem Euro als zentraler Wertkomponente könnte diesen Vorteil teilweise ausgleichen – zumindest dort, wo europäische Präferenzen, Interoperabilität und Vertrauen besonders zählen. Gleichzeitig bleibt die Herausforderung klar: Wero muss den Markthochlauf weiter beschleunigen, während parallel die Grundlagen für die digitale-Euro-Anbindung entstehen. Wenn beide Pfade sauber zusammengeführt werden, könnten aus zwei Initiativen ein konsistentes europäisches Zahlungsangebot werden, das Nutzer nicht überfordert und Entwicklern stabile Integrationspunkte bietet.
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