BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Heeresinspekteur Christian Freuding will das neue Drohnenregiment der Bundeswehr bis 2029 voll einsatzbereit machen. Der Verband soll aus fünf oder sechs Kompanien mit unterschiedlichen Fähigkeiten bestehen, darunter Einheiten für den „close fight“, für den Waffeneinsatz über 500 Kilometer sowie für elektronische Kampfführung (Eloka) und Drohnenabwehr. Zudem plant Freuding eine eigene Test- und Versuchskompanie innerhalb der Regimentsstrukturen, um Weiterentwicklung, Tests und Betrieb enger zu verzahnen. Bereits 2027 soll die Erstbefähigung mit rund 350 Soldaten erreicht und anschließend auf 600 anwachsen.

Die Bundeswehr arbeitet an einem eigenen Drohnenregiment, das ab 2027 erstmals einsatzfähig werden soll und bis 2029 vollständig in den Regelbetrieb übergeht. Heeresinspekteur Christian Freuding stellte dafür eine klare Zielmarke in den Raum: Der ganz auf unbemannte Systeme ausgerichtete Verband soll dann „voll einsatzbereit“ sein. Im Kern geht es damit weniger um ein einzelnes neues Waffensystem als um eine organisatorische Antwort auf den Umstand, dass Drohnen inzwischen sowohl Aufklärung als auch Wirkungsketten und Sensor-zu-Effektorkonzepte verändern. Dass der Aufbau zeitlich gestaffelt ist, deutet auf eine schrittweise Befähigung hin, bei der Ausbildung, Verfahren und Technik nicht erst am Ende „zusammenpassen“ sollen, sondern über mehrere Jahre iterativ zusammenwachsen.
Für die interne Struktur skizzierte Freuding einen Verband, der aus fünf oder sechs Kompanien besteht und über verschiedene Reichweiten und Rollen operiert. Eine Kompanie soll demnach Gegner auf kurze Reichweite bekämpfen können, was er ausdrücklich als „close fight“ beschrieben hat. Eine weitere Komponente soll den Waffeneinsatz bis über 500 Kilometer tragen können – allerdings abhängig von den jeweils marktverfügbaren technologischen Möglichkeiten. Damit wird zugleich ein zentrales Planungsprinzip sichtbar: Das Regiment soll nicht nur mit „heutigen“ Fähigkeiten startet, sondern die Wirkungskette fortlaufend an die real verfügbare Technologie anpassen. Gerade bei Reichweiten und Funktionsumfängen ist diese Kopplung an den Markt wichtig, weil Reichweite, Zielerfassung und Datenübertragung im selben Takt funktionieren müssen.
Neben der Wirkung auf den Gegner nennt der Heeresinspekteur auch Komponenten, die die eigene Informationslage schützen und den Betrieb unter Störbedingungen ermöglichen sollen. Dazu gehört eine Kompanie für die elektronische Kampfführung (Eloka) sowie eine Drohnenabwehrkompanie. Technisch bedeutet das: Unbemannte Systeme erhöhen zwar die Perspektive und Reaktionsgeschwindigkeit, machen die eigenen Verbände aber zugleich angreifbar – etwa durch Störung von Verbindungen, Abschattung von Sensoren oder die Bedrohung durch gegnerische UAVs. Eine Eloka-Einheit zielt auf die Beeinflussung des elektromagnetischen Umfelds, während eine spezialisierte Drohnenabwehrkompanie die Lücke zwischen „Detektion“ und „wirksamer Gegenmaßnahme“ schließen muss. Dass diese Aufgaben im Regiment verankert werden, spricht dafür, dass man nicht ausschließlich auf externe Unterstützung setzt, sondern eigene Fähigkeitsbausteine plant.
Ein besonders auffälliger Punkt in Freuding’s Beschreibung ist die geplante Test- und Versuchskompanie innerhalb der Regimentsstrukturen. Er will nach eigener Aussage so Weiterentwicklung, Test, Versuch und Operation „aus einer Hand“ fahren, also nicht nur Pilotprojekte anstoßen, sondern die Ergebnisse direkt in laufende Betriebsverfahren überführen. Für die technische Umsetzung heißt das in der Praxis: Software- und Systemanpassungen, neue Betriebsmodi und geänderte Sensor- oder Link-Parameter können schneller vom Labor in Training und Einsatzlogik wandern. Historisch sind gerade bei komplexen Drohnenverbänden typische Reibungsverluste häufig organisatorischer Natur gewesen – etwa wenn Erkenntnisse aus Erprobungseinheiten in den Ausbildungs- und Einsatzbereich zu langsam zurückspielen. Eine fest eingeplante Testkomponente soll genau diese Latenz reduzieren.
Auch die Frage, wie unbemannte Systeme in die Truppengattungsstruktur integriert werden, spielt in der Argumentation eine Rolle. Freuding sieht sowohl die Möglichkeit, Drohnen tief in bestehenden Strukturen zu verankern, als auch den Weg über ein selbstständiges Regiment als erfolgversprechend an – und entscheidet sich ausdrücklich für letzteres. Das ist strategisch relevant: Ein eigenes Regiment bündelt Personal, Ausbildung und Standards, kann Schnittstellen zwischen Sensorik, Funk/Links, Führungssoftware und Wirkungsketten konsistent halten und verbessert damit die Wiederholbarkeit. Gleichzeitig bleiben die Wechselwirkungen zu anderen Bereichen bestehen, etwa bei Zielzuweisung, Führungsunterstützung oder Zusammenarbeit mit Kräften, die nicht im Regiment organisiert sind. Die Entscheidung für einen selbstständigen Verband wirkt daher wie der Versuch, eine „durchgängige Drohnenlogik“ organisatorisch abzusichern, statt sie in mehreren Nachbarsystemen nur teilweise mitzuführen.
Der politische Startschuss kommt aus dem Verteidigungsressort: Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte die Aufstellung des Verbandes zuvor angekündigt, nachdem die Erstbefähigung zum Einsatz bereits 2027 erreicht werden soll. Laut Planung soll der Verband zunächst mit rund 350 Soldaten starten und später auf etwa 600 Soldaten anwachsen. Für Unternehmen und Zulieferer in den Bereichen Funktechnik, Sensorik, Flugplattformen und Systemintegration ist das vor allem ein Signal für mittel- bis langfristig planbare Beschaffungs- und Integrationszyklen. Die besondere Bedeutung liegt dabei weniger in einer einzigen Beschaffungsmaßnahme, sondern in der Fähigkeit, technische Upgrades während des Regimentaufbaus in Betrieb zu bringen – genau dort, wo Freuding die Test- und Versuchskomponente als verbindendes Element ansiedelt. Welche konkrete Kombination aus Reichweite, Links, Abwehr und elektronischer Kampfführung am Ende den Ausschlag gibt, wird sich damit nicht erst 2029 zeigen, sondern Schritt für Schritt in der Aufbauphase bis dahin.
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