DORTMUND / LONDON (IT BOLTWISE) – Borussia Dortmund startet in der BVB-App den „FanModus“, der belohnt, wenn Fans ihr Smartphone im Stadion in der Hosentasche lassen. Die App misst die Zeit, in der das Display gesperrt ist, und vergibt pro Minute Punkte. Während der Halbzeitpause ist die Nutzung zwar möglich, danach muss das Handy wieder in den FanModus versetzt werden. Parallel gibt die BVB-Aktie zeitweise leicht nach und notiert an XETRA bei rund 3,01 Euro.

Wenn Fans im Stadion ohnehin schon unruhig werden, sobald das Display aufblitzt, versucht Borussia Dortmund genau an dieser Gewohnheit anzusetzen. Der Verein führt in seiner BVB-App den sogenannten „FanModus“ ein: Wer am Spieltag den Modus aktiviert, erhält Punkte dafür, dass das Smartphone während der Spielzeit gesperrt bleibt. Damit verknüpft der Klub den klassischen Stadionbesuch nicht nur mit Unterhaltung, sondern mit messbarem Nutzerverhalten – und macht aus „Handy weglegen“ eine Art spielerisches Ziel, das sich direkt in der App-Steuerung abbildet.
Technisch betrachtet ist das Prinzip erstaunlich geradlinig: Die App erfasst die Dauer, in der das Display gesperrt ist, und verteilt in jeder Minute ohne Handynutzung Punkte. Gleichzeitig legt der Ablauf klare Zäsuren fest: In der Halbzeitpause dürfen Fans das Handy nutzen, müssen es anschließend aber wieder in den „FanModus“ versetzen. Auch das Schlusspfiff fungiert als harte Grenze fürs Punkte sammeln. Für den Eventbetrieb ist das relevant, weil es eine klare, zeitlich begrenzte Aktion erzeugt – ohne dass der Verein dauerhaft in die digitale Lebenswelt der Fans eingreifen muss.
Die Punkte sind dabei nicht nur für die eigene Statistik gedacht, sondern treiben ein Teilnahme- und Wettbewerbsgefühl an: Die Fans mit den meisten Punkten können Preise gewinnen, etwa signierte BVB-Trikots oder Gutscheine für den Fanshop. In der Meldung wird zudem auf einen breiten Trend verwiesen: Laut BVB nutzen fast zwei Drittel aller Fußballfans auf der Tribüne regelmäßig ihr Handy. Das ist der Kern der Begründung für den Schritt – weniger als „Technikfeindlichkeit“, eher als Versuch, Selfies, Streaming und Social Media im Stadion stärker zu begrenzen, damit Atmosphäre und Spielgeschehen wieder im Fokus stehen.
Für die Marktseite kommt eine zweite Dimension hinzu. Zeitweise steht die BVB-Aktie über XETRA 0,99 Prozent tiefer bei 3,01 Euro. Damit zeigt sich, wie eng sportliche Ereignisse und digitale Vereinskommunikation in der Wahrnehmung vieler Anleger und Beobachter miteinander verwoben sind: Neue App-Features sind zwar primär Fan-Engagement-Mechaniken, können aber das Bild einer aktiveren Nutzerbasis unterstützen. Gerade bei börsennotierten Sportorganisationen wirken solche Maßnahmen häufig wie ein Signal, dass man zusätzliche Erlös- und Bindungshebel neben dem Spielbetrieb adressiert.
Historisch ist Gamification im Sport nichts völlig Neues. Schon lange nutzen Vereine digitale Abstimmungen, Treueprogramme oder virtuelle Badges – der Unterschied beim „FanModus“ liegt jedoch im Zielkonflikt: Das Feature belohnt nicht zusätzliche Aktivität, sondern bewusst reduzierte Nutzung. Aus Sicht des Produktdesigns ist das anspruchsvoller, weil das Smartphone in der Praxis oft als Standardwerkzeug für Kommunikation, Aufnahmen oder Verfolgung von Inhalten dient. Dortmund dreht diese Logik um, macht aus dem „Nicht-nutzen“ eine Handlung mit unmittelbarem Feedback und schafft damit einen klaren Gegenentwurf zur Dauernutzung.
Für Unternehmen und Entwickler, die vergleichbare Ansätze planen, lässt sich daraus ein Muster ableiten: Erfolgreiche Engagement-Features brauchen nicht zwingend komplexe KI oder Vorhersagemodelle, sondern saubere Messpunkte, verständliche Regeln und einen Zeitpunkt, an dem das Verhalten im Alltag leicht umstellbar ist. Der FanModus setzt genau dort an, wo die Umstellung kurzfristig möglich ist – im Stadion während der Spielzeit. Gleichzeitig ist die Halbzeit als „Buffer“ wichtig: Sie senkt die Hemmschwelle, weil eine feste Nutzungspause vorgesehen ist und der Neustart danach klar kommuniziert wird.
Ab dem kommenden Liga-Spiel ist die Funktion laut Vereinsangaben bereits ab Samstag gegen Eintracht Frankfurt verfügbar. Entscheidend wird nun, wie gut die Nutzer die Aktivierung im laufenden Spielablauf hinkriegen und ob der Punkteanreiz langfristig trägt, ohne die Stimmung zu stören. Wenn das Feature wie geplant viele Fans zur bewussten Handy-Pause bewegt, könnte der FanModus als Blaupause dienen – nicht nur für Fußballstadien, sondern auch für andere Live-Formate, in denen Aufmerksamkeit ein knappes Gut ist. Für den Verein bleibt jedenfalls das Ziel klar: weniger Ablenkung, mehr gemeinsames Erleben – und ein Messsystem, das aus Disziplin einen spielbaren Wettbewerb macht.
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