MÜNCHEN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die CA-1 Roboterküche aus MÜNCHEN soll Portionen in rund drei Minuten frisch zubereiten und damit Verpflegung unabhängig von Kochzeiten machen. Statt Warmhalten bereitet das System jede Bestellung über ein Touchscreen-Terminal mit mehreren parallelen Kochstationen zu. Für Einsätze in der Ukraine läuft bereits ein kleineres System im Raum Kyjiw, während deutsche Streitkräfte das Konzept in einer Kaserne testen. Entscheidend wird auch, ob die Bedien- und Datenlogik zwischen Feldbetrieb und Küchenqualität funktioniert.

CA-1 Roboterküche: Frischkochen für Bundeswehr und ukrainische Einheiten
CA-1 Roboterküche: Frischkochen für Bundeswehr und ukrainische Einheiten (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer in der Truppenverpflegung bisher vor allem das klassische Kantinenprinzip kennt, bekommt mit der CA-1 Roboterküche aus MÜNCHEN einen Ansatz, der das Timing komplett neu denkt: Statt Gerichte vorzukochen und dann über Zeiträume warm zu halten, richtet das System die Zubereitung an einzelne Bestellungen aus. Genutzt wird ein Touchscreen-Terminal mit Auswahl aus mehreren Gerichten, und die Produktion soll pro Portion in etwa auf dem Niveau von drei Minuten liegen. Genau dieser Unterschied, so wird es im Kontext des Projekts beschrieben, macht das Konzept für Kommandos interessant, bei denen Essenszeiten nicht nur variieren, sondern auch durch Einsätze und Lageänderungen stark schwanken.

Technisch basiert die CA-1 auf einem modularen Silo-Prinzip: Zutaten werden auf Knopfdruck in definierter Größe zusammengestellt, anschließend gekocht. In der aktuellen Generation sollen dafür 36 solcher Silos zum Einsatz kommen, standardisiert sortiert und je nach Zutat kodiert. Nach dem „Aufmunitionieren“ können je nach Konfiguration 350 bis 450 Portionen kochen, unter anderem mit vier Kochplatten; die Systemleistung wird dabei auf 60 Portionen pro Stunde und eine durchschnittliche Zubereitungszeit von drei Minuten bezogen. Im Betrieb ist außerdem ein Rotationsprinzip zentral: Während an den Induktionskochfeldern gekocht wird, laufen zuvor genutzte Töpfe parallel in einer integrierten Spüleinheit wieder auf Neuzustand, sodass die Küche nicht in einen klassischen Koch-und-Wartezyklus fällt.

Ein weiterer Praxisabgleich erfolgt nicht nur im militärischen Umfeld, sondern auch im zivilen Testbetrieb in einem Düsseldorfer Supermarkt: Dort wird eine Version gezeigt, die Suppen, Salate, warme Gerichte und Desserts umfasst und nach Bestellung im Ausgabefach innerhalb von vier bis sechs Minuten bereitstehen soll. Die Auswahl erfolgt „intuitiv“, anschließend greift ein Roboterarm mittels Elektromagneten nach einem freien Topf, portioniert die Zutaten kontrolliert ein und bringt den Inhalt über Induktion auf Temperatur. Für die Gleichmäßigkeit im Kessel sorgen mehrere Rollen im Inneren; das ersetzt dann funktional den Kochlöffel. Das fertige Gericht wird von den Roboterarmen in eine Papp-Bowl gelegt und angehoben – eine Kette, die nicht nur die Kochphase, sondern auch Ausgabe, Packaging und Laufwege adressiert.

Für den Menürahmen gilt: Der Fokus liegt auf Gerichten, die im Topf oder in der Pfanne verlässlich funktionieren – von Pasta und Currys über Salate und Bowls bis hin zu Chili con Carne. Auch Klassiker wie Köttbullar und Currywurst werden als möglich genannt, weil das System weniger von exotischen Einzelschritten lebt als von der kontrollierbaren Größe von Zutaten und Prozessparametern. In der Darstellung wird außerdem eine Begrenzung benannt, die für die Unternehmensarchitektur wichtig ist: Nicht die Zutat selbst sei das Problem, sondern ihre Größe – ein Steak medium rare wäre demnach außerhalb des Spektrums, kleine Rinderfiletstückchen dagegen innerhalb. Dabei wird die CA-1 ausdrücklich nicht als Ersatz für eine Truppenküche oder als reines Restaurantkonzept positioniert, sondern als Ergänzung, die die zeitliche Verfügbarkeit von gekochten Speisen in Umgebungen mit Engpässen erweitert.

Für den Einsatzmodus wechselt das Konzept je nach Umfeld: In der Ukraine wird laut Angaben der Circus Group ein kleineres System bereits bei den ukrainischen Streitkräften im Raum Kyjiw genutzt; genannt werden bis zu 25 Systeme für den dortigen Betrieb. Zusätzlich testen deutsche Streitkräfte die Technik aus MÜNCHEN, konkret wird ein System in der Hugo-Junkers-Kaserne im schleswig-holsteinischen Alt Duvenstedt erwähnt. Aus Sicht der Bediener kommt offenbar ein pragmatisches Feedback zurück: Der Wunsch betrifft vor allem größere Portionen; technisch wird das als „trivial“ beschrieben, weil sich die Mengen pro Gericht im System anpassen lassen. Im Feld setzt das Unternehmen zudem auf eine containerbasierte Variante (CA-M), die komplett im Freien betrieben werden kann, während ein kleinerer CA-A-Roboter ohne Induktionskochfelder und Roboterarme auskommt und dafür Temperatur sowie Druckluft für Smoothies und Suppen einsetzt.

Damit rückt neben Hardware auch Software in den Mittelpunkt. Die Circus Group beschreibt, dass Bestell- und Nutzungsdaten im Hintergrund genutzt werden, um das Angebot der Roboterküche fortlaufend zu verbessern: Wenn bestimmte Zutaten oder ganze Gerichte weniger nachgefragt werden, werden sie ersetzt – und zwar nicht über lange Kochplanungszyklen, sondern innerhalb von „einem Tag und einer Schicht“. Dieses Prinzip wird als „Nutrition Intelligence“ bezeichnet und zielt auf eine Steuerung der Infrastruktur vom Nachschub bis zur Rezeptentwicklung. Genau hier entsteht ein sensibler Punkt: In abgrenzbaren Nutzergruppen wie einer Kaserne können Verhaltensmuster Rückschlüsse auf Alltag und Präferenzen erlauben, insbesondere wenn Nahrungsergänzungsmittel in die Rezeptlogik eingehen. Für Betreiber bedeutet das, Datenflüsse nicht nur technisch, sondern auch organisatorisch sauber zu gestalten, sobald Systeme dauerhaft im Betrieb bleiben.

Wirtschaftlich und strategisch bleibt der Maßstab die Skalierung über Pilotprojekte hinaus. Im Bericht wird für 2025 ein Umsatz von lediglich 1,5 Millionen Euro bei einem operativen Verlust von 15 Millionen Euro genannt; für das laufende Jahr steht demgegenüber die Prognose, dass der Umsatz auf 5,2 Millionen Euro steigen soll. Für 2026 wird der Fokus auf rund 50 Systemen gelegt, die in neun Ländern an über 25 Enterprise-Kunden verkauft werden sollen. Gleichzeitig tauchen in der Darstellung Beispiele für weitere Rollouts auf, bei denen Lieferpläne genannt werden, jedoch nicht überall sichtbar sind. Entscheidend für die nächste Phase dürfte deshalb weniger die Frage sein, ob Roboter „kochen können“, sondern ob sich Betrieb, Spül- und Nachschublogik, Geräteausfallzeiten und die datenbasierte Menüanpassung in unterschiedlichen Umgebungen stabil betreiben lassen – also ob aus einzelnen Küchen ein belastbares Netz autonomer Einheiten wird, die genau dann bereitstehen, wenn Hunger entsteht.

Für klassische Restaurants mit Genusskultur bleibt der Ansatz derweil eine Randnotiz: Die Argumentation lautet, dass Roboterküchen diese Kultur nicht ersetzen werden. Als geeignete Einsatzorte werden statt dessen Orte beschrieben, an denen Verfügbarkeit gegenüber Atmosphäre gewinnt – Raststätten, Bahnhöfe oder Flughäfen. Für Streitkräfte ist die Prämisse ähnlich: Versorgungssicherheit rund um die Uhr wiegt schwerer als „Ambiente“. Genau deshalb könnte der Reiz der CA-1 weniger im einzelnen Teller liegen als in der Kombination aus frischer Zubereitung, schneller Ausgabe und einem Software-Loop, der Nachfrage abbildet und in Rezept- und Nachschubentscheidungen übersetzt. Wenn dieser Loop im Alltag robust genug bleibt, wird die Schürze beim Küchenpersonal künftig seltener, der Roboterarm dagegen häufiger im Einsatzprofil auftauchen.


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