LONDON (IT BOLTWISE) – Cadence hat mit AuraStack den „AI Super Agent“ für das PCB- und Advanced-Packaging-Design angekündigt. Die agentenbasierte Plattform soll es ermöglichen, Änderungen und Optimierungen per Textprompt anzustoßen und sofortiges Feedback im Entwicklungsprozess zu erhalten. Laut Hersteller reduziert sich die Platzierung von 300 Komponenten von vier Tagen auf vier Minuten. Im Hintergrund laufen Beschleuniger von NVIDIA mit der Blackwell-Architektur und CUDA-X.

Cadence positioniert den neuen AuraStack AI Super Agent als eine agentenbasierte Plattform für den Entwurf von Leiterplatten (PCB) und fortschrittlichen Gehäusetechnologien. Entscheidend ist dabei nicht nur die Zielbranche, sondern die Art der Arbeitsaufteilung: Statt einzelne Assistenzfunktionen in eine Designkette einzuziehen, sollen mehrere domänenspezifische KI-Agenten koordinierte Schritte übernehmen – von der Planung über die Implementierung bis hin zu Multiphysik-Analysen. Genau an dieser Stelle wird das „4 Tage auf 4 Minuten“-Narrativ technisch greifbar: Wenn ein Designprozess bisher aus vielen manuell getriggerten Iterationen besteht, kann eine bessere Orchestrierung die Schleifenzeit drastisch verkürzen.
Die Rechenleistung ordnet Cadence dabei klar dem NVIDIA-Stack zu. Für AuraStack ist Hardware von NVIDIA vorgesehen, beschleunigt durch die Blackwell-Architektur sowie CUDA-X. Diese Kombination ist für Agenten-Workloads relevant, weil solche Systeme häufig wiederholt Modelle ausführen, Zwischenstände validieren und Analyseschritte parallelisieren müssen. Im AuraStack-Ansatz geht es laut Beschreibung außerdem um die Koordination domänenspezifischer Agenten, die Aufgaben in unterschiedliche Analyse- und Modellierungsschichten verteilen. Dadurch entsteht ein eng gekoppelter Loop aus Generierung, Prüfung und Korrektur – genau das, was in der Praxis oft den Unterschied zwischen „KI-Idee“ und „KI im Engineering-Alltag“ ausmacht.
Zur inhaltlichen Tiefe nennt Cadence eine Integration bestehender Analysewerkzeuge: Dazu gehören Celsius, Clarity und Sigrity sowie MSC Nastran und Marc. Das ist mehr als eine freundliche Kompatibilitätsliste, denn sie deutet auf ein pragmatisches Vorgehen hin: Agenten übernehmen Entscheidungen und Orchestrierung, während etablierte Solver und Analyseketten die physikalische Bewertung liefern. Für die Multiphysik will Cadence durch die Zusammenarbeit mit NVIDIA eine Beschleunigung „bis zu 20-fach“ erreichen. Gleichzeitig werden auch typische Fertigungs- und Implementierungsaspekte adressiert, etwa in der Halbleiterfertigung: In Kooperationen mit TSMC soll eine bis zu 100-fache Produktivitätssteigerung beim automatischen Substrat-Routing erzielt worden sein. Damit verschiebt sich der Fokus von reiner Layout-Automatisierung hin zu durchgängigeren Prozessschritten, bei denen Geometrie, Designregeln und analytische Plausibilisierung zusammenwirken.
Im Zentrum steht aber die Frage, wie sich das Tool im Tagesgeschäft der Ingenieurteams anfühlt. Cadence verweist auf die Beobachtung, dass über 60 % der Arbeitszeit von Ingenieuren auf Aufgaben entfallen, die potenziell automatisierbar sind – und AuraStack soll diese Lücke über Textprompts adressieren. Der Hersteller beschreibt einen Workflow, bei dem Nutzer Änderungen und Optimierungen in natürlicher Sprache anstoßen und das System direktes Feedback liefert. Für Unternehmen mit komplexen Design- und Validierungsprozessen ist das vor allem deshalb interessant, weil damit nicht zwingend neue Bedienoberflächen entstehen müssen: Die Agenten können bestehende Prozesse „entkoppeln“ und wieder an die etablierten Toolketten anbinden, während die Interaktion auf ein Prompt-basiertes Steuerungsmodell umgestellt wird.
Für die wirtschaftliche Einordnung nennt Cadence sowohl Kennzahlen als auch konkrete Praxisbeispiele. Laut Angaben erzielte das Unternehmen im zweiten Quartal 2026 einen Umsatz von 1,584 Mrd. USD (+24 % gegenüber dem Vorjahr) und ein GAAP-operatives Ergebnis, das mit EPS von 1,33 USD angegeben wird; Non-GAAP-EPS lag bei 2,11 USD. Der Auftragsbestand erreichte 8,1 Mrd. USD. Zusätzlich hebt das Management die Prognose für 2026 an: Umsatz zwischen 6,26 und 6,34 Mrd. USD sowie Non-GAAP-EPS zwischen 8,05 und 8,15 USD. Im selben Kontext nennt Cadence, dass die breite Verfügbarkeit von AuraStack für das laufende Jahr 2026 geplant sei.
Die Praxisdaten sollen zeigen, dass der Agentenansatz nicht nur im Marketing „schnell“ ist. Cadence führt FORVIA HELLA als Beispiel an: Die Platzierung von 300 Komponenten soll mit der neuen Technologie lediglich vier Minuten gedauert haben – zuvor vier Tage. Als weitere Partner werden Socionext und Schneider Electric genannt, die das System einsetzen oder unterstützen. Auffällig ist auch die strategische Einbettung in die AgentStacks-Logik von Cadence: Neben AuraStack werden ChipStack, ViraStack und InnoStack als Teile eines größeren Portfolios erwähnt. Für den Markt ist das ein Signal, dass sich Wettbewerbsfähigkeit zunehmend daran entscheidet, wie schnell Domänen-KI in die Engineering-Kette integriert wird – und ob die Systeme über vereinzelte Automatisierungen hinaus in valide, analysestarke Workflows eingebettet sind.
Damit rückt AuraStack auch in eine breitere Entwicklung der Chip-Entwicklung, die KI und Robotik im Fertigungs- und Engineering-Kontext zusammenzieht. Wenn mehr als die Hälfte der Ingenieurszeit für potenziell automatisierbare Tätigkeiten aufgewendet wird, wird die ROI-Rechnung für Agenten nicht nur von Modellgüte, sondern von Tool-Integration, Messbarkeit und Prozessstabilität bestimmt. Genau hier liegen die nächsten Hürden: Agenten müssen nicht nur gute Vorschläge machen, sondern sie müssen im Designkontext konsistent, nachvollziehbar und in den etablierten Validierungsschritten schnell genug sein. Für IT- und Engineering-Entscheider bedeutet das: Bewertungskriterien verschieben sich von „Demo-Tauglichkeit“ hin zu Laufzeit, Validierungsgrad, Wartbarkeit der Agentenprozesse und der Frage, wie gut sich solche Systeme in existierende Toolchains und Datenflüsse integrieren lassen.
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