LONDON (IT BOLTWISE) – Century Casinos prüft einen möglichen Rückzug aus der kanadischen Provinz Alberta und will sich stärker auf das US-Geschäft konzentrieren. Präsident Peter Hötzinger sieht eine Neuausrichtung vor, bei der bis Ende 2026 eine Entscheidung über den Verkauf der vier Standorte fallen soll. Während Nordamerika nach Angaben des Managements bereits 90 Prozent der Gesamtergebnisse liefert, belasten Anlaufkosten in Polen das Gesamtbild. Parallel arbeitet das Unternehmen an einer finanziellen Entschuldung, um Kapital für wachstumsstärkere Märkte freizusetzen.

Century Casinos prüft Rückzug aus Alberta: Fokus auf USA
Century Casinos prüft Rückzug aus Alberta: Fokus auf USA (Foto: IT BOLTWISE)
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Century Casinos bringt Bewegung in seine geografische Aufstellung: Nach einer Telefonkonferenz zu den Ergebnissen des zweiten Quartals erwägt das Unternehmen einen möglichen Rückzug aus Alberta. Präsident Peter Hötzinger stellt dabei nicht nur die Frage, ob verkauft wird, sondern auch, wie und in welchem Tempo. Ziel ist eine strategische Neugewichtung hin zu den USA, die sich operativ deutlich dynamischer entwickeln als die verbleibenden Geschäftsfelder. Die entscheidende Klärung soll bis Ende 2026 folgen, wobei für Alberta vier Standorte im Raum stehen.

Die wirtschaftliche Logik dahinter wirkt vor allem im Verhältnis von Cashflow und Umsatz. Laut den Angaben aus der US-Organisation wuchs der Cashflow im zweiten Quartal um 16 Prozent, während der Umsatz im selben Zeitraum um fünf Prozent zulegte. Dieses Muster passt zu einem Geschäftsmodell, das zunehmend stärker auf Standort- und Kostenhebel statt allein auf Umsatzsteigerungen setzt. In Missouri melden die beiden Casinos das siebte Quartal in Folge mit Cashflow-Wachstum; besonders das Century Caruthersville sticht heraus, weil es in der Region den höchsten Umsatzanstieg mit acht Prozent verzeichnete. Auch in Colorado lagen die Zahlen laut Management auf breiter Front: Die beiden Standorte Cripple Creek und Central City erzielten 11,5 Prozent mehr Umsatz und steigerten den Cashflow um 32 Prozent.

Dass Alberta trotz solider Basis eine Verkaufsprüfung auslöst, hängt laut Unternehmensrahmen auch mit dem Bilanzbild aus anderen Regionen zusammen. In Kanada nennt das Management für das zweite Quartal ein Umsatzplus von 2,2 Prozent; trotzdem drücken laut Darstellung Anlaufkosten in Polen auf das Konzernergebnis. Die Lage in Europa ist damit nicht nur ein Nebenschauplatz, sondern wirkt als Belastungsfaktor auf die Gesamtplanung. Gleichzeitig beschreibt das Unternehmen Nordamerika als das Ergebniszentrum: Hötzinger ordnet ein, dass die Region inzwischen 90 Prozent der Gesamtergebnisse abbildet. Wer sich in diesem Umfeld fragt, warum der Konzern nicht einfach auf Kanada setzt, findet die Antwort in der Kapitalallokation: Alberta soll Mittel freisetzen, die für Schuldenabbau und weitere Investitionen in Märkte mit höherem Wachstumspotenzial genutzt werden.

Technisch-operativ zeigt sich die strategische Ausrichtung bei Century vor allem im Ausbau des Resort-Ansatzes. Ein konkreter Indikator ist die Entwicklung der Hotelübernachtungen: Die Einnahmen aus Zimmervermietungen stiegen um 36 Prozent. Besonders auffällig ist die Veränderung in der Nachfragebasis: Buchungen durch Firmenkunden sollen sogar um 300 Prozent zugelegt haben. Das passt zur Idee, weniger als „reiner“ Casino-Betreiber aufzutreten und stattdessen Zielgruppen zu erschließen, die länger bleiben und mehr Konsumvolumen im Standortumfeld auslösen. Auch beim durchschnittlichen Ausgabeverhalten nennt das Management messbare Fortschritte: Die Zahl der Gäste, die mindestens 400 US-Dollar pro Nacht umsetzen, soll um 20 Prozent gestiegen sein.

Historisch wirkt der mögliche Schritt aus Alberta weniger wie ein plötzlicher Kurswechsel, sondern eher wie die konsequente Fortsetzung einer früher begonnenen Strategie. Bereits im Januar 2022 veräußerte Century Resorts Alberta eine Immobilie in Calgary für 8,1 Millionen kanadische Dollar an Rowanwood Financial Properties. Zuvor war der Casinobetrieb in Calgary nach Angaben der Vorlage für 10 Millionen kanadische Dollar an New Star Capital verkauft worden. Die aktuelle Diskussion um die verbleibenden vier Standorte in Alberta knüpft damit an einen Umbau der kanadischen Präsenz an, der seit Jahren vorbereitet wird. Ergänzend verweist das Management darauf, dass man den Online-Markt in Alberta aufmerksam beobachte; Hötzinger sagt dabei, eine Kannibalisierung des stationären Geschäfts durch iGaming sei bisher nicht zu erkennen, sondern eher eine gegenseitige Befruchtung. Für den kanadischen Ausbau sieht er dagegen Chancen eher im Bereich physischer Sportbars als im Online-Segment.

Auch in Polen bleibt der Kurs nicht durchgehend stabil, sondern bleibt ein Baustein mit eigener Dynamik. Das neue Casino in Breslau (Wroclaw) befinde sich laut Darstellung in typischen Startschwierigkeiten, werde aber perspektivisch als Flaggschiff-Standort betrachtet. Auffällig ist in diesem Zusammenhang, dass die langjährigen Bemühungen, die polnischen Aktivitäten komplett zu verkaufen, in der aktuellen Konferenz nicht wieder aufgegriffen wurden. Das kann als Signal für eine gewisse Stabilisierung gelesen werden, weil das Management dann weniger „Abwurf“-Optionen betont, sondern den operativen Ausbau in den Vordergrund rückt. Für Anleger und Betreiber mit Blick auf das Lizenz- und Standortrisiko ist entscheidend: Regionen mit unruhigerem Geschäftsverlauf werden eher aus dem Portfolio heraus verdünnt, wenn gleichzeitig in einer anderen Geografie deutlich bessere Ertragshebel sichtbar sind.

Für deutsche Spieler ist die Meldung vor allem indirekt relevant, aber nicht nebensächlich: Wenn ein globaler Betreiber seine Kapitalkonzentration auf den US-Markt verlagert, verschiebt sich damit auch die Wahrscheinlichkeit, dass internationale Angebote künftig stärker über unterschiedliche Vertriebs- und Investitionsmodelle laufen. Deutschland bleibt dabei besonders reguliert. Wer hier legal spielen will, muss sich auf Anbieter mit Lizenz durch die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) verlassen können. Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 setzt dafür enge Grenzen, etwa ein Einzahlungslimit von 1.000 Euro pro Monat über alle Anbieter hinweg sowie ein Einsatzlimit von einem Euro pro Spielrunde an virtuellen Automaten. Die Einhaltung wird über das zentrale Überwachungssystem LUGAS kontrolliert, während GGL-lizenzierte Casinos zudem strenge Vorgaben für Werbe- und Sozialkonzepte erfüllen müssen.

Aus der Perspektive deutscher Betreiber und ihrer Wettbewerbsrealität lässt sich der Kern der Regulierungswirkung ebenfalls festhalten: Während in Deutschland lizenzierte Angebote an die Regeln gebunden sind, kann der Schwarzmarkt diese Pflichten umgehen. Das betrifft im Kern sowohl steuerliche Aspekte als auch technische und organisatorische Schutzmechanismen wie die im Kontext genannten Einschränkungen, etwa in Verbindung mit der Panik-Button-Regelung. Vor diesem Hintergrund bleibt für Spieler die praktische Empfehlung klar: Wer auf rechtliche Sicherheit achten will, sollte ausschließlich auf der offiziellen Whitelist der GGL nach legalen Angeboten suchen. Damit wird auch nachvollziehbar, warum Portfolioentscheidungen von Anbietern aus anderen Jurisdiktionen zwar wirtschaftlich interessant sind, aber in Deutschland vor allem als Signal für den internationalen Wettbewerb gelesen werden – nicht als Ausweichoption für den legalen Spielbetrieb.

Welche Rolle die geplante Entscheidung bis Ende 2026 spielt, hängt schließlich an zwei Messgrößen: Entschuldung und Investitionsspielraum. Hötzinger spricht davon, dass 2026 ein Jahr der „Ernte“ werde, und zielt darauf, die Verschuldung bis zum Jahresende auf das Sechsfache des Cashflows zu senken. In den nächsten drei Jahren sollen zudem keine nennenswerten Kredite fällig werden, wodurch dem Unternehmen finanzielle Luft für die Portfoliobereinigung und für weitere Investitionen in US-Standorte bleibt. Sollte die Alberta-Strategie tatsächlich in Verkäufe münden, wird man in den USA und in den Hotel-ergänzenden Resortbereichen genau beobachten müssen, ob die Cashflow-Dynamik in eine nachhaltig skalierende Ertragskurve übergeht.


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