LONDON (IT BOLTWISE) – Anthropic macht aus dem Claude-Nebenfenster in Google Chrome eine echte Cowork-Sitzung. Browserbasierte Aufgaben und Chats lassen sich nun in Claude history speichern und auf Desktop-, Web- und Mobile-Apps fortsetzen. Dadurch schließt der Anbieter eine Lücke im bisherigen Browser-Workflow, bei dem Kontext häufig getrennt blieb. Gleichzeitig betont Anthropic, dass Browser-Agenten weiterhin anfällig für Prompt Injection sind.

Claude im Chrome-Nebenfenster startet jetzt eine „Cowork“-Sitzung
Claude im Chrome-Nebenfenster startet jetzt eine „Cowork“-Sitzung (Foto: IT BOLTWISE)
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Anthropic erweitert CLaude in Google Chrome um eine neue Art von Arbeitsmodus: Aus dem bisherigen Nebenfenster für Chats wird eine „Cowork“-Sitzung, die browserbasierte Aufgaben nicht nur ausführt, sondern auch über Geräte hinweg fortführen kann. Konkret sollen Konversationen, die im Chrome-Side-Panel starten, künftig in der Claude history landen. Wer später am Desktop oder in der Web- beziehungsweise Mobile-App weiterarbeitet, kann dieselbe Sitzung wieder aufnehmen, statt bei Null anzufangen. Damit wird der Nebeneffekt kleiner „Kontextbrüche“ im Alltag adressiert, die entstehen, wenn ein KI-Assistent nur innerhalb eines einzelnen UI-Bereichs konsistent bleibt.

Technisch setzt die Neuerung dort an, wo Claude bisher im Browser-Kontext oft getrennte Arbeitsabläufe hatte. Bislang blieben Side-Panel-Sitzungen von Sessions in den übrigen Claude-Apps getrennt; Gespräche und Kontext gingen dadurch nicht automatisch in andere Oberflächen über. In der Cowork-Variante kann der Browser-Assistent jetzt direkt auf der gerade geöffneten Seite ansetzen und konkrete Interaktionen durchführen. Dazu zählt, dass Claude die aktuelle Seite sieht und dabei auf die vorhandenen Browser-Logins der Nutzer zugreifen kann, um beispielsweise Links anzuklicken, zwischen Seiten zu wechseln, Text einzugeben oder Formulare auszufüllen.

Ein Beispiel aus der Produktbeschreibung zeigt den praktischen Ablauf: Claude soll dabei aus mehreren Lieferantenportalen Rechnungsdetails sammeln, anschließend die Daten in eine Tabelle überführen und die Arbeit dann in derselben Sitzung am Desktop fortsetzen. Dort kann die Person laut Beispiel lokale Dateien ergänzen oder das Ergebnis mit einem vorherigen Budget vergleichen. Genau solche End-to-End-Prozesse sind in vielen Unternehmen zwar klassisch, aber umständlich zu koordinieren: Recherche in mehreren Webportalen, strukturierter Export, dann die Weiterverarbeitung in einer lokalen Umgebung. Indem Claude in Chrome die Arbeit in einem zusammenhängenden Session-Thread startet und später außerhalb des Browsers fortsetzt, wird der KI-Workflow stärker an reale Rollen und Tools im Unternehmensalltag gekoppelt.

Für Nutzer mit bereits vorbereiteten Automatisierungen kommt ein weiterer Hebel hinzu: Skills und Connectoren, die für ein Konto konfiguriert sind, sollen auch im Browser funktionieren, ohne dass man erneut Einstellungen nachziehen muss. Gleichzeitig beschreibt Anthropic den Unterschied zu einem früher stark hervorgehobenen In-App-Browser: Claude Code nutzt laut Darstellung einen isolierten Profilansatz. Die Chrome-Erweiterung arbeitet dagegen mit Websites, in die die Person bereits eingeloggt ist. Das ist zwar bequem, verändert aber auch die Bedrohungsfläche, weil die KI im Browser dann nicht im „geschützten Käfig“ eines separaten Profils agiert, sondern in einem Kontext, der vom aktuellen Login-Status des Nutzers abhängt.

Damit rückt die Sicherheitsfrage in den Fokus. Anthropic warnt ausdrücklich, dass Browser-Agenten weiterhin anfällig für Prompt Injection bleiben. Solche Angriffe entstehen typischerweise, wenn Inhalte auf Webseiten oder in Formularen Anweisungen enthalten, die das Modell in eine ungewollte Handlungsrichtung lenken könnten. Zusätzlich existiert laut Anbieter eine getrennte Absicherung: Eine weitere Prüfung überprüft, ob „konsequential actions“ ausgeführt werden, wenn automatische Genehmigungen aktiviert sind. Trotzdem soll Claude bei sensiblen Aktionen weiterhin vorab um Bestätigung bitten – etwa bei Käufen oder beim Teilen persönlicher Daten. Anthropic ordnet diese Schutzmaßnahmen als Risikominderung ein, weist aber gleichzeitig darauf hin, dass sie das Restrisiko nicht vollständig eliminieren.

In der Marktlogik ist die Richtung klar: Der Schritt zielt darauf ab, Claudes Arbeitsfähigkeit portabler über verschiedene Oberflächen zu machen. Der Anbieter nennt als Schwerpunkt, das Zusammenspiel zwischen UI-Bereichen konsistent zu gestalten, sodass Aufgaben nicht an einzelne Produkte oder Geräte gebunden wirken. Ein Blick auf die Produktentwicklung zeigt, dass Anthropic parallel an mehreren Stellen ansetzt, um Workflows besser zu verzahnen – etwa mit Erweiterungen rund um Claude Code und längere Laufzeiten („Opus 4.8 controls“) für Aufgaben, die mehr Kontext über Zeit benötigen. Der Cowork-Schritt im Chrome-Nebenfenster ergänzt das, indem der Browser als „Startpunkt“ für domänenspezifische Aufgaben stärker in die durchgängige Session-Strategie eingebunden wird.

Für Unternehmen bedeutet das vor allem: KI-Unterstützung im Webprozess kann realistischer werden, ohne dass man den Nutzer ständig in Medienbrüche zwingt. Wenn Administratoren die Funktion für Max- und Team-Kunden aktivieren und den Zugriff auf genehmigte Domains einschränken können, reduziert das den Spielraum für unerwünschte Interaktionen, zumindest auf der Ebene des organisatorisch erlaubten Webverkehrs. Allerdings ist die konkrete Implementierung noch nicht komplett universell: Claude im Chrome unterstützt laut Ankündigung aktuell keine anderen Chromium-Browser und auch noch keine mobilen Geräte. Für Verantwortliche für Plattform- und Sicherheitsteams heißt das, die Pilotierung zunächst auf die bestätigten Zielumgebungen zu planen und die Schutzmechanismen gegen Prompt Injection, das Bestätigungsmodell für riskante Aktionen sowie die Domain-Restriktionen eng zu evaluieren.

Die Verfügbarkeit startet heute für Max- und Team-Kunden, während eine Pro-Rollout-Phase in den kommenden Wochen angekündigt ist. Enterprise-Administratoren können die Funktion einschalten und dabei den Domain-Zugriff kontrollieren. Damit schließt Anthropic eine bekannte Lücke im Browser-Workflow von Claude: Nutzer sollen nicht mehr zwischen „Chat im Side-Panel“ und „Arbeit in den anderen Claude-Apps“ aufteilen müssen, sondern eine zusammenhängende Sitzung über Oberflächen hinweg erleben. Für Teams, die häufig Rechnungen, Portaldaten oder formularbasierte Prozesse ausführen, ist genau diese Kontinuität der eigentliche Produktgewinn – bei gleichzeitigem Bewusstsein, dass Agenten im Browser ein Sicherheitsmodell brauchen, das sich nicht allein auf Komfort verlässt.


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