FORT BRAGG, N.C. / LONDON (IT BOLTWISE) – Die US-Streitkräfte stellen mit der Close Combat Assault Ration (CCAR) eine neue Feldverpflegung vor, die deutlich kompakter als frühere Konzepte ausfallen soll. Das Konzept zielt darauf ab, dass Soldatinnen und Soldaten auch bei längeren Abständen zur Nachschubversorgung mehr Mahlzeiten mitführen können, ohne das Einsatzgewicht unverhältnismäßig zu steigern. Entwickelt wird die CCAR unter anderem im Umfeld des DEVCOM Soldier Center in Natick. In Tests und Übungen zeigte sich laut den Rückmeldungen, dass die Akzeptanz nicht nur über Nährwerte, sondern auch über Geschmack und „Grazing“-taugliche Teilkomponenten erreicht werden soll.

Auf der Ebene des einzelnen Einsatzortes wirkt Verpflegung meist wie ein Detail. Bei modernen Konflikten wird sie jedoch schnell zu einem Engpassfaktor: Wenn sich kleine, weit verstreute Einheiten nicht in klaren Intervallen mit Nachschub versorgen lassen, entscheidet jedes zusätzliche Gramm darüber, wie lange ein Trupp durchhält. Genau an dieser Stelle setzt die neue Close Combat Assault Ration (CCAR) an. Sie wurde als Reaktion auf Anforderungen beschrieben, die sich aus Einsatzszenarien ergeben, in denen die Logistik schwerer wird und die Truppe eher Tage ohne planbaren Resupply überbrücken muss.
Historisch stehen dafür zwei bekannte Referenzpunkte. Während des Zweiten Weltkriegs waren C-rations weit verbreitet, mit Dosenmahlzeiten wie Fleisch- und Gemüseeintopf sowie kompakten, dichten Crackern. In neueren Konflikten prägte vor allem das Meal Ready-to-Eat (MRE) die Standardwelt: Einzelne Komponenten stecken dabei in einer robusten Kunststoffverpackung, die auf lange Haltbarkeit ausgelegt ist. Die CCAR folgt zwar in der Grundidee dem „eat-ready“-Ansatz, wird aber gezielt als leichtere und kleinere Alternative positioniert, weil moderne Gefechtsformen andere Gewichts- und Volumenrestriktionen erzwingen.
Entwickelt wird die CCAR im Umfeld des DEVCOM Soldier Center in Natick, Massachusetts. Die Combat Feeding Division verfolgt dabei einen klaren Zielkonflikt: Einerseits soll die Verpflegung den Energiebedarf decken, wenn Soldatinnen und Soldaten über längere Zeiträume in Bewegung bleiben; andererseits müssen ältere Konzepte an der Praxis scheitern, weil sie zu sperrig waren. Als Vorgänger nennt die Quelle die First Strike Ration, die vor allem für kurze Einsätze bis zu 72 Stunden gedacht war und keine klassischen Entrées vorsah. Bei der CCAR geht es dagegen um Missionen mit längerer Dauer; die Testausrichtung lag dabei auf einem fünf-Tage-Betriebsprofil, kombiniert mit einem spürbaren Vorteil bei Größe und Gewicht gegenüber der First Strike.
Technisch und ernährungswissenschaftlich bedeutet das vor allem: Das Kalorienziel wird dichter verpackt, und die Makronährstoffe werden so abgestimmt, dass die Truppe unter Feldbedingungen Leistung abrufen kann. Laut der Darstellung zeigte sich in Tests, dass Soldaten mit der CCAR mehr Kalorien aufnehmen. Dafür werden zwei Hebel genannt: Die Fettanteile liegen leicht höher, und die Produkte sollen geschmacklich besser angenommen werden. Die Herleitung orientiert sich dabei am aktuellen Stand der Sporternährung, geht jedoch über „Athletenwissen“ hinaus, weil der Vergleich hinkt: Athleten können Ereigniszeitpunkte und Belastungsarten oft planen, während Truppen in einem mehrstressoralen Umfeld agieren, in dem Schlafmangel, Umwelteinflüsse und unerwartete Ereignisse dazugehören.
Damit die Ernährung in der Realität auch tatsächlich gegessen wird, setzt die CCAR auf Palatability als Designkriterium. In mehreren Testphasen wurden Soldaten und Marines an die Verpflegung herangeführt, bis das endgültige Paket geschnürt war. Anfangs wurde unter anderem ein Ansatz mit vorwiegend Nährstoff-basierten Bars geprüft, weil diese leichter und zugleich „noch dichter“ sein können. Die Rückmeldungen führten jedoch dazu, dass Entrées ausdrücklich gewünscht wurden. Ein weiterer Punkt ist das Prinzip der „Grazing“-Ration: Es ist nicht nur „Frühstück/Mittag/Abend“, sondern mehrere Komponenten, die über den Tag verteilt kombiniert werden können, abhängig davon, welche Tätigkeit gerade ansteht.
Das äußert sich auch im Packaging und in der Logistik der Handgriffe. Die Quelle beschreibt Entrées, die mit einer Ausgieß-/Öffnungsvorrichtung ausgestattet sind, sodass sie sich auch während der Bewegung verwerten lassen. Zudem sind kleine Bestandteile wie Bars oder Trail-Mix-Komponenten Teil des Konzepts: In der Praxis können sie in der Tasche „zwischengelagert“ werden, um unkompliziert zusätzliche Energie abzurufen. In einer informellen Probe im Rahmen eines mehrtägigen Best-Squad-Wettbewerbs bei Fort Bragg wurde die CCAR unter anderem anhand einer „Chicken Burrito Bowl“ als besser im Vergleich zu einem klassischen MRE bewertet. Der Alltagseinsatz soll damit nicht nur mit „mehr Nährwert pro Volumen“, sondern auch mit besserer Essbarkeit und flexibler Portionierung funktionieren.
Selbst wenn die CCAR bereits als kompaktere Lösung gilt, bleibt die Entwicklung offen. Als nächster Schritt werden ausdrücklich Unterstützung aus Industrie und Wissenschaft gesucht, um Lebensmittel näher an die Bedingungen „an der Front“ heranzuführen. Genannt wird dabei auch ein Produktionsverfahren: Vacuum Microwave Drying, also ein Vakuum-Mikrowellen-Trocknungsprozess. Ein Beispiel resultiert in einer rechteckigen Komponente aus verdichteten Gemüsestücken, die mit einem Honig-Senf-Dressing infundiert ist und als „Salad Bar“ bezeichnet wird. Damit verschiebt sich die Forschung weg vom reinen „Haltbar machen“ hin zu sensorisch besseren und zugleich verarbeitungsfreundlichen Varianten, die sich ohne große Küchentechnik im Feld handhaben lassen.
Für die Einsatzfähigkeit zählt am Ende die Verbindung aus drei Faktoren: tragbares Gewicht, nachvollziehbare Energiedichte und ein Essen, das in Stressphasen tatsächlich konsumiert wird. Die CCAR ist in dieser Lesart weniger „neues Menü“, sondern ein System aus Ernährungsdesign, Verpackungslogik und Test-getriebener Akzeptanz. Genau daraus entsteht für Unternehmen und Entwickler von Zulieferern ein klarer Bedarf: Wer im Bereich Lebensmitteltechnik, Verpackungsentwicklung oder Produktionsprozesse arbeitet, kann an einem realen Nutzungsszenario mitarbeiten, in dem Geschmack, Handhabung und Haltbarkeit als zusammenhängende Parameter zählen.
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