LONDON (IT BOLTWISE) – Die britische Wettbewerbs- und Marktaufsicht CMA hat eine Untersuchung gegen Microsoft eingeleitet. Im Mittelpunkt steht der Vorwurf, Kunden bei der Umstellung auf teurere Microsoft-365-Abonnements im Zuge der Copilot-Integration nicht transparent genug informiert zu haben. Seit Januar 2025 sollen Abonnenten offenbar automatisch auf Pläne umgestellt worden sein, die Copilot nach einer kostenlosen Testphase enthalten. Parallel dazu läuft in Großbritannien ein Rechtsstreit mit ValueLicensing, während Microsoft zugleich neue DLP-Funktionen für Purview plant.

Die CMA geht bei Microsoft 365 jetzt nicht primär über technische Fragen an, sondern über die Kommunikation an Bestandskunden. Laut Mitteilung der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsicht steht im Kern die Sorge im Raum, dass die Umstellung auf höhere Microsoft-365-Preisstufen mit Copilot nicht hinreichend klar erklärt wurde. Dabei geht es offenbar um den Übergang von bisherigen Tarifen zu aktualisierten Plänen, in denen KI-Funktionen nach einer kostenlosen Testphase dauerhaft enthalten sind.
Für Unternehmen und IT-Leiter ist diese Untersuchung vor allem deshalb relevant, weil Copilot in der Preislogik schnell zum „Kaufgrund“ wird, ohne dass sich ein Kunde im Alltag jedes Detail der Änderung bewusst anschaut. Die CMA will deshalb klären, ob Bestandskunden ausreichend über die Umstellung auf höherpreisige Tarife informiert wurden. Konkret nennt der Fall automatische Umschaltungen seit Januar 2025; die neuen Jahresabos sollen rund 30 Euro mehr kosten als die klassische Version ohne KI-Funktionen. Zwar soll weiterhin ein günstigerer Tarif ohne Copilot verfügbar gewesen sein, doch die Aufsichtsbehörde prüft, ob Verlängerungsmitteilungen irreführend waren oder Kunden ohne ausdrückliche Zustimmung in teurere Optionen gedrängt haben.
Mit Blick auf die Marktmechanik ist die Untersuchung auch deshalb brisant, weil sie an einer typischen Schwachstelle digitaler Abo-Modelle ansetzt: In vielen Organisationen laufen Verlängerungen überwiegend prozessgetrieben, während Produkt- und Kommunikationsdetails im Hintergrund aktualisiert werden. Wenn dann ein KI-Baustein wie Copilot in Paketlogik und Abrechnungsumfang einzieht, geraten Transparenz und Einwilligungsfragen automatisch in den Vordergrund. Gerade die betroffene irische Microsoft-Niederlassung, die laut Darstellung für den europäischen Markt zuständig ist, bekommt damit eine zusätzliche Aufmerksamkeitsebene: Neben dem reinen Vertrags- und Preisupdate wird auch die Qualität der Kundenbenachrichtigung zum Prüfstein.
Die technische Dimension bleibt in solchen Fällen nicht außen vor, sie verschiebt sich nur. Denn die Integration von KI-Systemen bringt nicht nur neue Workflows in die Office-Umgebung, sondern erzeugt zugleich zusätzliche Anforderungen an Governance, Datenhandhabung und Risikoeinstufung. Im Text wird der neue EU AI Act als Kontext gesetzt, und zwar mit dem Hinweis auf Pflichten, die bei der richtigen Einordnung von Risikoklassen und beim Einhalten regulatorischer Fristen entstehen. Für Entscheider heißt das: Selbst wenn eine Preisumstellung juristisch „nur“ Kommunikations- und Verbraucherschutzfragen berührt, hängt die Gesamtbewertung oft daran, wie ein Anbieter KI-Funktionen in bestehende Vertragslandschaften überführt.
Parallel zur Verbraucherschutzuntersuchung steht Microsoft in Großbritannien unter weiterer rechtlicher Spannung. Am 7. Juli habe der Court of Appeal eine Berufung des Konzerns in einem Rechtsstreit mit ValueLicensing zurückgewiesen. Der Fall betrifft Schadensersatzforderungen in einer Größenordnung von umgerechnet rund 320 Millionen Euro und dreht sich um den Weiterverkauf unbefristeter Softwarelizenzen; ValueLicensing wirft Microsoft vor, den Markt für Gebrauchtlizenzen unrechtmäßig eingeschränkt zu haben. Der Hintergrund: Bereits 2025 habe ein Competition Appeal Tribunal entschieden, dass der Weiterverkauf solcher Lizenzen kein Urheberrecht verletzt, und als Referenz wird ein ähnlicher Grundsatz aus einem Fall gegen Oracle aus dem Jahr 2012 genannt. Microsoft strebt nun eine Revision vor dem Supreme Court an, und aus der Branche wird die Möglichkeit betont, dass das Ergebnis auch Auswirkungen auf weitere Sammelklagen mit deutlich höheren Summen haben könnte.
Während die Gerichte und Aufsichtsstellen hier parallel laufen, treibt Microsoft laut Darstellung Produktfunktionen voran, die wiederum für Sicherheitsverantwortliche unmittelbar spürbar sein dürften. Ab September 2026 sollen neue Funktionen für Microsoft Purview Data Loss Prevention (DLP) kommen, um die „Flut“ von Sicherheitswarnungen für Systemadministratoren zu reduzieren. Die Plattform soll dabei regelbasierte Automatismen für risikoarme Alarme und automatische Kennzeichnungen für die Workflow-Steuerung ermöglichen. Vorgesehen ist eine Vorschauversion für August, danach folgt die allgemeine Verfügbarkeit einen Monat später. In der Praxis zielt das Update darauf, kleinere Meldungen automatisch zu schließen, wenn kein manuelles Eingreifen erforderlich ist – ein Ansatz, der vor allem dort entlastet, wo heute viele Teams zwischen hoher Sensitivität der Regeln und übermäßigen False-Positive-Raten „aufreiben“.
Für Unternehmen ergibt sich aus dieser Gemengelage ein klares Bild: KI-Features wie Copilot verschieben nicht nur Nutzererwartungen, sondern auch die Bewertungsmaßstäbe von Aufsicht und Recht. Gleichzeitig erhöht der Ausbau vernetzter KI-Tools die Anforderungen an IT-Sicherheit und Compliance, weil mehr Datenflüsse, mehr Automatisierung und mehr Integrationspunkte entstehen. Microsoft versucht offenbar, die operative Seite der Sicherheitsarbeit über DLP-Automatisierung zu verbessern, während die strategische und rechtliche Ebene über die CMA-Untersuchung sowie den Lizenzstreit weiter unter Beobachtung bleibt. Wer Copilot in einer Organisation einführt oder Tarife verwaltet, sollte daher sowohl Kommunikationsprozesse bei Abo-Änderungen als auch Sicherheits- und Freigabemechanismen für Datenzugriffe eng verzahnen.
Unabhängig vom Ausgang der CMA-Prüfung gibt es aktuell zumindest einen klaren Handlungsimpuls: Abteilungs- und Adminteams sollten Verlängerungs- und Paketänderungen künftig stärker dokumentieren und nachvollziehen, insbesondere wenn KI-Funktionen in bestehende Tarife „nachrutschen“. Das hilft nicht nur intern beim Change-Management, sondern kann auch dabei unterstützen, Fragen der Transparenz im Ernstfall schneller zu beantworten. Ebenso lohnt es sich, DLP-Regelwerke und Alarm-Workflows bereits jetzt auf mögliche neue Automatikpfade vorzubereiten, damit die Purview-Updates später ohne Reibungsverluste integriert werden.
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