WEISSENOHE / LONDON (IT BOLTWISE) – Elektron Systeme nutzt mit dem D-Bot von Delta Electronics einen Cobot, der Fertigungsaufträge auch ohne Nachtschichtpersonal durchläuft. Nach mehrwöchigen Tests setzte der EMS-Dienstleister auf eine Lösung, bei der der Roboter bei leichter Berührung automatisch abschaltet und direkt neben Mitarbeitern arbeiten kann. Damit sollen bis zum nächsten Morgen vorgefertigte Mengen zur Prüfung und Weiterverarbeitung bereitstehen. Zusätzlich plant Elektron, weitere wiederkehrende Schritte in Lagerlogistik sowie SMT- und THT-Fertigung mit Cobots zu automatisieren.

In der Elektronikfertigung ist der Engpass selten nur die Maschine, sondern häufig die Schichtbesetzung. Genau an dieser Stelle setzt Elektron Systeme und Komponenten GmbH an: Der EMS- und Full-Service-Partner aus dem fränkischen Weißenohe nutzt mit dem D-Bot von Delta Electronics einen Cobot, um die Nachtschicht in definierten Fertigungsprozessen ohne Personal abzusichern. Für ein Unternehmen mit rund 120 Mitarbeitenden ist das nicht nur eine Komfortfrage, sondern eine Kapazitätsfrage, weil die Organisation von drei zusätzlichen Personen für einzelne Aufträge in Randzeiten schnell Aufwand und Abstimmungsfehler produziert. Gleichzeitig bleibt der Prozess nicht „halb automatisiert“, sondern wird als geplanter Durchlauf bis in den nächsten Morgen gedacht, sodass die anschließende Prüfung und Weiterverarbeitung am Morgen daten- und mengenbasiert anknüpfen kann.
Technisch betrachtet knüpft der Ansatz an die zentrale Stärke von Cobots an: Sie sind für die Koexistenz mit Menschen ausgelegt und übernehmen einzelne, klar abgrenzbare Prozessschritte. Der Artikel ordnet die Einsatzlogik in den typischen Cobot-Use-Case ein – gleichförmige Arbeiten, die sich flexibel in bestehende Produktionsbereiche integrieren lassen und entweder kollaborativ mit dem Personal stattfinden oder außerhalb der regulären Arbeitszeit „durchlaufen“. Wichtig ist dabei die Auslegung auf wiederholbare Aufgaben: Der Cobot soll nicht das gesamte Fertigungssystem ersetzen, sondern standardisierte Arbeitspakete übernehmen, die sich durch ein definiertes Ein-/Ausgabe-Schema sowie klare Taktzeiten in die Linie einbetten lassen.
In der Praxis lief die Einführung über einen mehrstufigen Test, in dem das Team mehrere Anbieter über mehrere Wochen gegenübergestellt hat. Ausschlaggebend waren aus Sicht von Elektron Systeme sowohl die Performance des konkreten D-Bots als auch die Zusammenarbeit mit dem technischen Team des Robotiklieferanten. Fabian Waas, CTO bei Elektron Systeme, bringt das in einer kurzen Einordnung auf den Punkt: „Die Kollegen von Delta waren immer sofort ansprechbar und technisch auf der Höhe“. Diese Aussage ist bemerkenswert, weil Cobots in der Fertigung selten nur „auspacken und losfahren“ sind: Selbst bei Standardfähigkeiten entscheidet die praktische Auslegung – von Greif-/Handling-Details über die Programmierung der Abläufe bis zur Abstimmung mit dem Werksprozess – darüber, ob ein Roboter in der Linie dauerhaft stabil läuft.
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der sicheren Zusammenarbeit. Laut Beschreibung führte Delta die Umsetzung weitgehend eigenständig durch, während Elektron lediglich Musterprodukte bereitstellte, auf deren Basis die Programmierung entwickelt wurde. Anschließend wurde dem EMS-Dienstleister die für den vorgesehenen Prozess nötige Anwendung vorgeführt. Besonders im Fokus stand die Kollaborationssicherheit: Der D-Bot soll sich schon bei leichter Berührung automatisch abschalten, wodurch Arbeiten ohne Schutzkäfig direkt neben dem Personal möglich werden. Für Unternehmen, die Nachtschicht ohne zusätzliche Absicherungskräfte planen, ist genau diese Eigenschaft entscheidend, weil sie die organisatorische Hürde senkt, ohne die physische Trennung zum Menschen zwangsläufig zu erhöhen. Dazu kommt die hohe Genauigkeit über die gesamte Armlänge, die für präzise, wiederkehrende Abläufe im Handling relevant ist – während die Mitarbeitenden sich stattdessen anspruchsvolleren Tätigkeiten widmen können.
Die positive Erfahrung soll sich nicht auf den einen Pilotauftrag beschränken. Elektron Systeme verweist darauf, dass weitere Prozessschritte mit Cobots automatisiert werden sollen – als nächste Kandidaten nennt das Unternehmen wiederkehrende Abläufe in der Lagerlogistik sowie in der SMT- und THT-Fertigung. Genannt werden Aufgaben wie das Zählen und Sortieren von Bauteilen sowie die Bauteilvorbereitung. Damit verschiebt sich der Schwerpunkt von „Schichtüberbrückung“ hin zu „Prozessverdichtung“: In solchen Bereichen wirken kleine Automatisierungen besonders stark, weil sie Durchlaufzeiten verkürzen, Fehlerquoten reduzieren und Personal für Wertschöpfungsschritte freistellen. Gerade in der Intralogistik und in der Bestückungs- sowie Lötfertigung können kontrollierte, wiederholbare Bewegungs- und Greifaufgaben außerdem mit Blick auf Qualitätssicherung und Rückverfolgbarkeit besser standardisiert werden.
Für die Markt- und Wettbewerbsdynamik zeigt der Use Case vor allem eines: Die Cobot-Strategie wird zunehmend von einzelnen Demonstratoren hin zu belastbaren Produktionsroutinen geführt. Der Ansatz steht damit im Einklang mit dem generellen Trend in der Elektro- und Elektronikindustrie, Robotik nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu sehen. Besonders im Kontext Fachkräftemangel lohnt sich dieser Weg, weil er Automatisierung dort ansetzt, wo sie am schnellsten „mehr Output pro Person“ erzeugt, ohne das komplette Produktionsdesign neu aufzubauen. Für andere EMS-Anbieter und Fertiger bedeutet das: Wer ähnliche Aufgaben identifiziert – klar definierte, wiederholbare Schritte in Nachtschichten oder Randzeiten – kann mit Cobots gezielt Kapazität stabilisieren, die Lieferfähigkeit absichern und zugleich schrittweise auf weitere Stationen wie SMT/THT oder Intralogistik ausrollen.
Entscheidend bleibt dabei die Umsetzung im Detail. Elektron Systeme beschreibt die Einführung als kooperatives Projekt mit Übergabe und Vorführung der Anwendung, statt als Blackbox-Installation. Genau diese Kopplung aus Praxisprogrammierung, sicherheitsorientierter Kollaboration und messbarer Prozesswirkung entscheidet darüber, ob ein Cobot als Ergänzung akzeptiert wird und sich in der Organisation durchsetzt. Wenn Elektron die geplanten Automatisierungsschritte in Lagerlogistik sowie SMT- und THT-Fertigung wie angekündigt weiterverfolgt, wird sich zeigen, wie gut sich die gewonnene Prozessstabilität von einer Nachtschichtaufgabe auf mehrere Fertigungsdomänen übertragen lässt – und damit, wie skalierbar der Ansatz im Alltag wirklich ist.
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