LONDON (IT BOLTWISE) – Coinbase-CEO Brian Armstrong sieht für Bitcoin mittelfristig ein deutliches Kurspotenzial. Nach einer Phase oberhalb von 72.000 US-Dollar spricht er die Kombination aus politischem Rückenwind und konkreten Gesetzesfortschritten beim CLARITY Act an. Armstrong rechnet für die Senatsabstimmung am 15. September mit breiter Unterstützung. Gleichzeitig verweist er auf erhöhte Rückkäufe von länger laufenden Staatsanleihen, die als zusätzlicher Liquiditätstreiber wirken könnten.

Coinbase-CEO Armstrong sieht bis zu 450% Potenzial für Bitcoin
Coinbase-CEO Armstrong sieht bis zu 450% Potenzial für Bitcoin (Foto: IT BOLTWISE)
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Als Bitcoin am 20. August nach mehr als 2,5 Monaten erstmals wieder die Marke von 72.000 US-Dollar übertraf, rückte in der Kryptobranche vor allem eine Frage in den Vordergrund: Ist das nur eine kurzfristige Gegenbewegung – oder der Start einer neuen Aufwärtsphase? Brian Armstrong, Gründer und CEO von Coinbase Global, verknüpfte die Kursdynamik in einem Interview mit mehreren politischen und fiskalischen Auslösern. Er machte dabei keine einzelne Ursache verantwortlich, sondern eine Kette aus erwartbarer Gesetzgebung, spürbarem Handlungsdruck und möglichen Effekten auf die Marktliquidität.

Technisch betrachtet reagieren Krypto-Märkte nicht nur auf Fundamentaldaten, sondern auch auf den Regulierungs- und Erwartungspfad, weil sich daraus Risikoaufschläge, Handelsbereitschaft und die Geschwindigkeit kapitalintensiver Produkte ableiten lassen. Armstrong bezog sich in diesem Kontext ausdrücklich auf den CLARITY Act, der in den USA einen umfassenderen Rechtsrahmen für digitale Assets schaffen soll. Im Gespräch wurde die Kernlogik klar: Wenn der Markt mit mehr Verlässlichkeit rechnet, sinkt häufig die Unsicherheit im kurzfristigen Preisbildungsprozess. Armstrong sagte, er sehe den politischen Prozess in eine entscheidende Phase gehen, weil am 15. September eine Senatsabstimmung anstehe und das Gesetz in einer parteiübergreifenden Kompromissform vorliege.

Armstrong gab zudem eine konkrete Erwartungshaltung hinsichtlich der Stimmenverhältnisse ab. Er beschrieb den Kompromiss beim CLARITY Act als so „hoffnungsvoll“, dass er mehr als 60 Stimmen für das Projekt erwartet. Entscheidend sei dafür auch das Tempo, mit dem die Trump-Administration den Prozess vorantreiben will. Armstrong verwies auf einen „big sense of urgency“ aus dem Weißen Haus nach dem Treffen am 19. August und ordnete die anschließende Marktreaktion als Rebound in diese Logik ein. In seiner Darstellung markiert die aktuelle Bewegung damit nicht einfach eine technische Erholung, sondern „den Beginn“ der nächsten Krypto-Bullenphase.

Parallel zum Gesetzespaket spielte laut Armstrong auch das Umfeld an den Finanzmärkten eine Rolle. Nach einer Ankündigung des US-Finanzministeriums, die längerfristigen Rückkäufe von Staatsanleihen mindestens verdoppeln zu wollen, könne zusätzlicher Liquiditätsspielraum in den Markt gelangen. Für Krypto-Assets ist so ein Liquiditätskanal besonders relevant, weil er die Risikobereitschaft erhöht und damit sowohl Kapitalströme in Handelsvolumen als auch in Derivate und strukturierte Produkte begünstigen kann. Armstrong deutete die zeitnahe Rallye unmittelbar im Anschluss an die beiden „twin announcements“ als Hinweis darauf, dass sich Erwartungen und Cash-Lage gleichzeitig verdichten.

Während Armstrong die politische Linie stark betonte, machte er auch einen Vergleich zwischen den USA und einer globalen Zentrumsrolle. Auf Nachfrage, ob die USA damit zur weltweiten „Crypto Capital“ würden, stimmte er dem zu und schrieb dem Präsidenten die entsprechende Entwicklung zu. Er nannte dabei mehrere konkrete Initiativen: eine Executive Order zur Einrichtung einer föderalen strategischen Bitcoin-Reserve, den GENIUS Act zur Regulierung von Stablecoins sowie die Ernennung von Paul Atkins und Mike Selig als Vorsitzende der Securities and Exchange Commission (SEC) beziehungsweise der Commodity Futures Trading Commission (CFTC). Vor allem beim CLARITY Act stellte er jedoch die Notwendigkeit klarer Regeln in den Mittelpunkt – also weniger Interpretationsspielraum, mehr Planbarkeit für Anbieter und Investoren.

Auch das Spannungsfeld mit dem traditionellen Finanzsektor kam im Gespräch zur Sprache. Armstrong adressierte den Widerstand einzelner Banken gegen den CLARITY Act und ordnete ihn als Mischung aus Akzeptanzentwicklung und strategischer Sorge ein. Er sagte, einige Häuser wie Goldman Sachs, Citi und BNY hätten sich mittlerweile geöffnet, während andere weiterhin dagegen seien, weil sie Wettbewerb durch die Digital-Assets-Industrie fürchten. Für die Marktreife ist diese Perspektive typisch: Sobald regulatorische Leitplanken entstehen, verlagert sich der Konflikt oft von der reinen Rechtsunsicherheit hin zu Marktanteilen, Produktgrenzen und Zugang zu Liquidity-Pools. Für Unternehmen wie Coinbase bedeutet das in der Praxis, dass der regulatorische Fortschritt nicht nur PR-relevant ist, sondern unmittelbar auf die Go-to-Market-Planung, Partnerschaften und das Produktportfolio einzahlt.

Unterm Strich beschreibt Armstrong ein Paket aus politischer Beschleunigung, erwarteter parlamentarischer Mehrheit und möglichen Liquiditätseffekten als Auslöser für den aktuellen Bitcoin-Rebound. Für den Markt ist dabei weniger die einzelne Zahl im Interview entscheidend, sondern die Kombination: Ein konkretes Abstimmungsdatum (15. September), eine prognostizierte Größenordnung der Unterstützung (mehr als 60 Stimmen) und ein zusätzliches Makro-Signal über Anleiherückkäufe. Wenn der CLARITY Act in dieser Form tatsächlich vorankommt, könnten sich die Erwartungen an die Risikoprämien bei Krypto-Unternehmen weiter verschieben – und damit auch die Geschwindigkeit, mit der institutionelle Akteure erneut Kapital allokieren. Bis zur Senatsabstimmung bleibt aber genau dieser Erwartungskorridor das zentrale Handelsnarrativ, das Kursausschläge kurzfristig oft stärker treibt als rein technische Faktoren.


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