WIEN / LONDON (IT BOLTWISE) – ConsentFlow macht Einwilligungen im Filmdreh digital, statt Papierstapel im Nachgang zu sortieren. Das Wiener Startup stellt auf dem Set per QR-Code transparente Datenschutz- und Widerrufshinweise bereit und ermöglicht die Unterschrift auf dem eigenen Smartphone. Im Hintergrund werden Vertragsversionen verknüpft und revisionssicher im Backoffice abgelegt. Damit adressiert das Unternehmen ein konkretes Risiko durch nicht eindeutig zuordenbare Dokumente und fehlende Nachweise im Compliance-Prozess.

Am Set entscheidet sich in Sekunden, was in der Postproduktion Wochen kostet: Wer bei Straßeninterviews oder spontanen Drehterminen Einwilligungen nicht sauber dokumentiert, läuft Gefahr, dass Unterlagen später nicht mehr zu einem Clip passen. Genau diese Lücke beschreibt ConsentFlow mit dem zentralen Problem-Setup aus dem Wiener Alltag: eine Straßenumfrage, viele spontane Beiträge und am Ende ein Stapel zerknitterter Formulare, bei dem niemand mehr sicher sagen kann, welcher Zettel zu welchem Material gehört. Der Kern ist damit weniger der eigentliche Upload oder die Schnittarbeit, sondern der fehlende „Compliance-Track“ vom Scan am Set bis zur revisionssicheren Ablage.
Rein technisch greift das Tool dabei auf einen QR-Code als Interaktionsanker zurück. Vor dem Dreh legt das Team im Backoffice-Dashboard ein Projekt an und wählt eine passende Einwilligungsvorlage aus, etwa für unterschiedliche Rollen (Talent, Passant: innen, Minderjährige) und mehrsprachige Varianten. Anschließend generiert ConsentFlow einen QR-Code, der in der Produktion als Medienkontaktpunkt dient. Auf dem Smartphone erhalten die gefilmten Personen kurz nach dem Scan die Datenschutz- und Widerrufshinweise; danach unterschreiben sie per Touch oder Stift. Eine Vertragskopie landet unmittelbar auf dem eigenen Gerät, sodass nicht nur eine digitale Unterzeichnung entsteht, sondern auch eine sofortige, nachvollziehbare Bereitstellung der Inhalte.
Wichtig ist die zweite Hälfte der Lösung: Nicht jede digitale Unterschrift ist automatisch revisionssicher oder eindeutig zuordenbar. ConsentFlow beschreibt, dass es im Hintergrund beide Vertragsversionen hashed und dadurch eine „hundertprozentige Übereinstimmung“ zwischen den Vertragspartnern herstellt. In der Praxis bedeutet das für Teams eine klare Kette von Evidenz: Das Set bekommt nicht nur eine praktische On-Set-UX ohne Klemmbrett, sondern das Backoffice kann danach jede Einwilligung zentral erfassen, durchsuchen und nach Person, Projekt, Datum oder Drehort ausspielen. Hosting in der EU sowie definierte Aufbewahrungsfristen sind laut Unternehmensangaben Standard; für Produktionsfirmen ist das besonders relevant, weil sich damit Dokumentationsarbeit eher in einen wiederholbaren Workflow übersetzen lässt, statt in eine Serie manuell nachgereichter Nachweise.
Der Markt stellt sich dabei gleichzeitig als sehr groß und operativ zersplittert dar. Der Anbieter begründet das mit der Dynamik von Video als Marketingkanal: Social-Video, Streaming und Creator-Produktionen treiben demnach eine spürbare Zunahme an Drehs, während Einwilligungen vielerorts weiterhin analog laufen. Genau an dieser Reibungsfläche setzt ConsentFlow an: Papierformulare sind nicht nur schwer durchsuchbar, sie lassen sich bei Verlust oder unklarer Zuordnung auch kaum zweifelsfrei einem Clip zuordnen. Für Unternehmen wird es dann schnell teuer, weil Kampagnen unter Umständen gestoppt werden müssen, Material nicht mehr genutzt werden darf und im Worst Case Bußgelder von bis zu 20 Millionen Euro oder vier Prozent des Jahresumsatzes in den Raum gestellt werden. ConsentFlow positioniert sich als Infrastruktur-Schicht zwischen Kamera und Compliance, also dort, wo bisher entweder improvisiert oder zu spät digitalisiert wird.
Mit Blick auf das Geschäftsmodell folgt ConsentFlow einem klassischen SaaS-Ansatz, aber mit klaren Grenzen für unterschiedliche Teamgrößen. Der Free-Plan ist auf bis zu zwei Einwilligungen pro Monat begrenzt, inkludiert eine Nutzerin oder einen Nutzer und ein aktives Projekt als Funnel. Basic startet bei 9 Euro pro Monat und deckt bis zu 10 Einwilligungen ab; hier sind eigene Logos sowie Standard-Reports vorgesehen. Der Pro-Plan kostet 49 Euro monatlich und richtet sich laut Anbieter an Teams mit bis zu 100 Unterschriften, 1 Workspace, 3 Nutzer: innen, Rollen- und Rechte-Management, erweiterten Reports, Export und API-Zugriff. Für größere Produktionsumfänge gibt es ein Agency-Paket für 89 Euro pro Monat mit unbegrenzten Unterschriften, 3 Workspaces, 5 Nutzer: innen sowie Orderverwaltung. Für Entscheider in Agenturen und Produktionsteams ist diese Staffelung vor allem dann nützlich, wenn Compliance-Arbeit über mehrere Projekte hinweg geplant werden muss.
Beim Blick auf das Team wird deutlich, warum das Produkt stark auf den Ablauf am Set fokussiert ist: Hinter ConsentFlow stehen Thomas Meyer und Alexander Kuales. Meyer hält 50 Prozent der Anteile über die Wiener Büro für Interaktion GmbH und bringt sechs Jahre Sales-Erfahrung im SaaS-Markt mit; zudem kann seine Agentur Marketing inhouse abbilden. Kuales ergänzt das mit Erfahrung aus dem Aufbau sicherer Cloud-SaaS-Plattformen und verantwortet laut Darstellung Architektur, Entwicklung, Infrastruktur und Integrationen. Diese Aufteilung ist in der Softwarepraxis oft entscheidend: Wenn On-Set-Workflows und Backend-Integrität zusammenkommen sollen, braucht es sowohl Vertriebsknow-how für die tatsächliche Produktakzeptanz als auch Architekturkompetenz für revisionssichere Datenflüsse. In der Argumentation vermeidet das Startup dabei ausdrücklich, „Jurist: innen zu ersetzen“, sondern sieht sich als Tool, das Produktionsteams beim Scannen entlastet und Rechtsabteilungen die Nachweisführung erleichtert.
Strategisch zielt ConsentFlow auf den DACH-Raum und nennt als Größenordnung unter anderem über 26.000 Werbeagenturen in Deutschland und rund 4.500 in Österreich; hinzu kommen Produktionsfirmen, Inhouse-Studios, Marktforschungsinstitute und Eventveranstalter. Als Differenzierung hebt der Anbieter hervor, dass allgemeine E-Sign-Tools meist nicht auf Projekt- und Set-Workflows ausgelegt sind, Model-Release-Apps eher solo und für einzelne Shoots konzipiert werden und Consent-Module in DAM-Systemen oft asset-zentriert sowie enterprise-lastig wirken. Das schmale Produktversprechen „Specialist statt Bauchladen“ führt dabei zu einer klaren Eintrittslogik: Bottom-up startet der Free-Plan, parallel läuft ein direkter B2B-Vertrieb mit Outbound-Kampagnen, Performance-Marketing in sozialen Medien und Self-Service-Onboarding. Langfristig will ConsentFlow zudem über reine Videoproduktionen hinausreichen, etwa wenn auch Datenschutzzustimmungen in Kundenlisten oder Zustimmungen in anderen sensiblen Kontexten digital nachgehalten werden sollen. Für Unternehmen bleibt das eigentliche Nutzenargument dabei erstaunlich konkret: weniger Compliance-Stress, mehr Sicherheit für Rechtsabteilungen und ein deutlich besserer Umgang mit gefilmten Personen, die nicht „einen Zettel“ unterschreiben müssen, sondern eine verständliche, unmittelbar dokumentierte Einwilligung erhalten.
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