TAN TAN / LONDON (IT BOLTWISE) – Covenant Industries hat im Süden Marokkos einen Live-Launch des neuen „Anthem“-Kreuzflugkörpers durchgeführt. Der Test fand im Rahmen der Inbetriebnahme des Africa Multidomain Training and Experimentation Center (AMTEC) statt und umfasste auch die Überprüfung von Kommunikations- und Startsystemen. US- und marokkanische Kräfte bauten dafür einen temporären Startplatz in den Dünen auf und erfassten Daten zu Funk- und Klima-Parametern in Echtzeit. Covenant will das Konzept als kostengünstigere Alternative zu teuren Langstrecken-Marschflugkörpern in Richtung Serienproduktion bis Anfang 2027 treiben.

Covenant Industries testet neue „Anthem“-Kreuzflugkörper im AMTEC in Marokko
Covenant Industries testet neue „Anthem“-Kreuzflugkörper im AMTEC in Marokko (Foto: IT BOLTWISE)
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Der jüngste Live-Start des neuen Kreuzflugkörpers „Anthem“ in Marokko ist vor allem eines: ein Belastungstest für den gesamten Ring aus Testinfrastruktur, Nutzlast-Engineering und Betriebsprozessen. Die Mission lief in der Tan-Tan-Region im Süden des Landes und wurde laut Quelle als gemeinsames Manöver von US-Kräften und den marokkanischen Streitkräften angelegt, bei dem auch die Ingenieurteams des Herstellers direkt vor Ort eingebunden waren. Damit rückt weniger die reine Flugphase in den Fokus, sondern wie schnell ein System im realen Umfeld bereitgestellt, kommunikationsseitig angebunden und in eine kontrollierte Datenerhebung überführt wird.

Technisch betrachtet ging es in dem Versuch nicht nur um den Startmechanismus. Nach Angaben des Textes richteten US- und marokkanische Kräfte zusammen mit Unternehmensingenieuren einen temporären Startplatz in den Dünen des Sahara-Umfelds ein. Dort wurde insbesondere die Funktionskette für Kommunikationstauglichkeit und Startlogik überprüft, ergänzt durch das Sammeln von Kommunikations- und Klimadaten in Echtzeit. Genau solche Messungen sind für moderne Flugkörper zentral, weil sich Funkverhalten, Umgebungsbedingungen und Steuerungsfenster in der Praxis anders darstellen als in Simulationen oder Laboraufbauten. Die Quelle ordnet den Test zudem als operativen Launch im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des Africa Multidomain Training and Experimentation Center (AMTEC) ein.

AMTEC selbst wird als „military laboratory“ für fortgeschrittene Kriegstechnologien beschrieben und ist als permanentes Trainings- und Experimentierzentrum gedacht. Der Text verknüpft die Einrichtung ausdrücklich mit den Abraham Accords und „close cooperation“ zwischen Washington und Rabat und macht damit deutlich, dass es hier nicht nur um einen einzelnen Waffentest geht, sondern um eine wiederkehrende Plattform für wiederholte Erprobung. Für die Industrie ist so ein Standort vor allem deshalb wertvoll, weil er eine standardisierbare Umgebung für multidosimetrische Tests liefert: Kommunikationskette, Startumgebung und Sensor-/Datenerhebung lassen sich über mehrere Durchgänge hinweg konsistent vergleichen, was für die spätere Produktisierung entscheidend ist.

Für Covenant Industries ist der Schritt nach außen zugleich strategisch und operativ. Die Firma wurde 2024 gegründet; als Gründer und Kopf wird Michael Kaufman genannt, ein US-amerikanischer Investor und Unternehmer mit Sitz in Israel. Laut Quelle bleibt das Unternehmen ungewöhnlich unauffällig: Es gibt keine offizielle Website, dennoch habe man „hundreds of millions of dollars“ von großen Silicon-Valley-Fonds erhalten, darunter Founders Fund und Andreessen Horowitz. Diese Diskrepanz zwischen öffentlicher Sichtbarkeit und Kapitalausstattung passt zur beschriebenen Bewegung im Defense-Tech-Bereich: Startups versuchen, Entwicklungs- und Testzyklen durch frühe Finanzierung sowie die Nutzung externer Erprobungsräume zu beschleunigen.

Mit „Anthem“ adressiert Covenant ein klassisches Spannungsfeld im Rüstungsmarkt: Leistung gegen Stückkosten. Der Text beschreibt „Anthem“ als Flaggschiff mit dem Anspruch, eine günstigere und einfacher massenproduzierbare Alternative zu schweren, teuren Kreuzflugkörpern wie dem US-Tomahawk zu sein. Entscheidend ist dabei die Formulierung, dass trotz geringerer Kosten Langstreckenfähigkeit sowie Präzisionsschlagkapazität erhalten bleiben sollen. Zusätzlich arbeitet das Unternehmen laut Quelle an niedrigeren Kosten für Abfangsysteme gegen Drohnen und Schwärme von Flugzielen – ein Bereich, in dem sich die Kostenlogik besonders stark auswirkt, weil die Angreiferzahl häufig skaliert und damit auch die erforderliche Reaktionskapazität.

Auch die Rahmenbedingungen der Erprobung wirken wie ein Turbo für die Serienreife. Der Start in Marokko sei durch eine Initiative des Office of the US Secretary of the Army ermöglicht worden, die privaten Technologieunternehmen den schnellen Zugang zu Testgeländen erlaubt – innerhalb von 30 Tagen, so die Quelle. Covenant sei dabei die erste Firma gewesen, die diese Möglichkeit genutzt habe. In der Einordnung heißt es außerdem, der Test markiere ein kritisches Meilensteinziel auf dem Weg zur Serienproduktion, die bereits Anfang 2027 beginnen könnte. Für Betreiber und Beschaffer in den USA und Partnerstaaten heißt das: Wenn sich die getesteten Komponenten wie Kommunikationsfähigkeit, Startmechanik und Echtzeitdatenerfassung zuverlässig wiederholen lassen, reduziert sich das Risiko, dass spätere Integration und Betrieb an unerwarteten Praxisparametern scheitern.

Gleichzeitig setzt das AMTEC-Konzept den Maßstab für zukünftige Erprobungszyklen. Wenn ein Zentrum wie dieses wiederholt für verschiedenartige Technologien genutzt wird, wird die Messbarkeit einzelner Software- oder Hardware-Änderungen wichtiger als die einmalige Demonstration einer End-to-End-Fähigkeit. Gerade im Bereich der KI-gestützten Signalverarbeitung und der Auswertung von Flug- und Funkdaten profitieren Hersteller typischerweise von großen Datensätzen aus realen Umgebungen, weil daraus Trainings- und Validierungsroutinen entstehen. Ob Covenant mit „Anthem“ genau diesen Weg konsequent ausbaut, wird sich daran zeigen, ob die nächsten Schritte zur Serienproduktion die im Test gewonnenen Kommunikations- und Klimadaten in stabile, wiederholbare Betriebsprofile überführen. Bis Anfang 2027 bleibt damit vor allem die Frage offen, wie stark die Kostenvorgaben tatsächlich mit der geforderten Präzision im Dauerbetrieb zusammengehen.


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