SAN FRANCISCO / LONDON (IT BOLTWISE) – CrowdStrike und Palo Alto Networks melden ihre besten Quartale seit Börsenbeginn: +95% bzw. +113% zwischen April und Juni. Der Grund ist nicht nur ein allgemeiner Cyber-Boom, sondern eine neue Angriffswelle aus leistungsstarken Künstliche-Intelligenz-Modellen. Branchenbeobachter sehen vor allem in Agenten- und Identitätsschutz den Kern, während Unternehmen ihre Sicherheitsbudgets angesichts „Mythos“-fähiger Angriffe hochfahren. Gleichzeitig steigt der Druck auf die Ergebnisse: Gute Zahlen reichen Investoren offenbar nicht mehr.

CrowdStrike und Palo Alto mit Best-Quartal: Mythos treibt KI-Cyber-Rüstung
CrowdStrike und Palo Alto mit Best-Quartal: Mythos treibt KI-Cyber-Rüstung (Foto: IT BOLTWISE)
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CrowdStrike und Palo Alto Networks haben in einem Umfeld geliefert, in dem viele Tech-Segmente noch mit der Sorge kämpfen, dass die „Software-as-a-Service“-Ära ausläuft. Stattdessen zeigen sich die Cyber-Sicherheitsanbieter geradezu immun gegen die üblichen zyklischen Erschütterungen: Zwischen April und Juni stiegen die beiden Aktien um 95% (CrowdStrike) beziehungsweise 113% (Palo Alto Networks) – jeweils als bestes Quartal in der eigenen Historie. Der Treiber wird in der Quelle klar benannt: Künstliche Intelligenz macht Angriffe skalierbarer, schneller und für immer mehr Akteure praktisch nutzbar. Damit verschiebt sich der Wettbewerb weg von reaktiver Abwehr hin zu proaktiver Absicherung ganzer Betriebs- und Identitätslandschaften.

Im Zentrum steht die „Mythos“-Klasse von Modellen, die Angreifern helfen soll, Software-Schwachstellen schneller zu finden und dann auch weitergehende Angriffe durchzuführen. Genau dieser Mechanismus wirkt in der Beschleunigungskurve: Wo früher Wochen für Recherche und Verifikation nötig waren, kann sich der Aufwand in Richtung Sekunden verlagern, sobald KI-gestützte Agenten konkrete Angriffsschritte in einer Kette auslösen. Für CISOs bedeutet das eine harte Neujustierung von Risikomanagement und Betrieb: Patch- und Vulnerability-Management reichen allein oft nicht mehr, wenn dieselbe KI später auch die Überwindung von Kontrollen automatisiert. Die Folge ist ein spürbarer Bedarf an Sicherheitsplattformen, die nicht nur Signaturen verwalten, sondern Angriffsabläufe antizipieren.

Technisch relevant ist dabei, wie die Anbieter ihre Positionierung entlang agentischer Sicherheit und Identity Access Management (IAM) aufbauen. Laut Quelle setzen beide Unternehmen nicht erst „seit Mythos“ auf diesen Ansatz, sondern haben die Architektur- und Produktentscheidungen bereits früher getroffen. CrowdStrike adressiert das über seine Falcon Shield-Identity Protection; Palo Alto kombiniert Sicherheitskontrollen mit stärker integrierten Identitäts- und Zugriffskonzepten. Besonders auffällig ist die Marktdynamik rund um frühe Zugänge zu Modell-Ökosystemen: Beide Firmen seien frühe Adopter von OpenAI Daybreak gewesen und hatten über „Project Glasswing“ Zugang zu dem als zu mächtig für die öffentliche Freigabe bewerteten Modell. Das lässt vermuten, dass sie in Tests, Integrationen und Produktdesigns schneller lernen als Wettbewerber.

Ein zweiter technischer Hebel betrifft die kommerzielle Umsetzung über Partnerschaften und Zukäufe. Palo Alto hat den laut Quelle erwähnten Mega-Deal über 25 Milliarden US-Dollar zur Übernahme von CyberArk abgeschlossen – ein klares Signal für die Priorität „Identitäten absichern“. CrowdStrike wiederum setzt auf den Startup-Zukauf bzw. die Investitionslinie bei SGNL. Aus Wettbewerbssicht ist das mehr als M&A-Rhetorik: Wenn Angreifer KI-gestützte Workflows nutzen, werden Identitäten und Zugriffsrechte zu einem der wenigen stabilen Ankerpunkte, die man systematisch kontrollieren kann. Unternehmen, die diese Schicht nicht sauber härten, riskieren, dass selbst starke Endpoint- oder Netzwerk-Controls ins Leere laufen.

Auf der Markseite liest sich die Lage zweigeteilt: Nachfrage entsteht, aber die Messlatte für Wachstum steigt zugleich. Die Quelle nennt, dass Palo Alto laut CEO Nikesh Arora seit Mythos über 1.200 Kundenkontakte für Gespräche über Sicherheit verzeichnet habe und binnen sechs Wochen 800 Meetings geführt worden seien. CrowdStrike führt für Falcon Shield laut Kurtz eine Vervierfachung des annual recurring revenue Wachstums im ersten Quartal an. Gleichzeitig sei es zu Kursreaktionen nach starken Ergebnissen gekommen – weil Investoren offenbar mehr als „solide“ Leistungen sehen wollen. Die Analysten von Bernstein warnen demnach vor einem möglichen Enttäuschungseffekt, falls nach den frühen Glasswing-/Daybreak-Wirkungen kein weiteres Beschleunigungsmomentum eintritt oder regulatorischer bzw. staatlicher Druck stärker wird.

Damit verschiebt sich auch die Rolle von Expertise und Ökosystempolitik. Laut Quelle nahmen beide Anbieter an hochrangigen Gesprächen mit großen Tech-Unternehmen und dem Weißen Haus teil, um KI-Sicherheit in den „neuen Normalzustand“ zu integrieren. Solche Initiativen sind zwar schwer in einzelne KPIs zu übersetzen, beeinflussen aber indirekt Beschaffungsvorhaben: Öffentliche Einrichtungen, große Konzerne und regulierte Branchen achten stärker auf auditierbare Sicherheitsprozesse, Messbarkeit und nachvollziehbare Kontrollen entlang von Daten- und Identitätsflüssen. Für Unternehmen entsteht daraus eine Art „Zwei-Schienen-Planung“: Einerseits müssen sie kurzfristig KI-gestützte Angriffe abwehren, andererseits langfristig Dokumentation und Compliance so auslegen, dass sie mit zukünftigen Anforderungen kompatibel bleibt.

Der Wettbewerbsvergleich fällt dabei deutlich aus, weil beide Anbieter eine ähnliche Richtung einschlagen, aber unterschiedliche Stärken betonen. TD Cowen-Analyst Shaul Eyal wird in der Quelle mit der Aussage zitiert, beide seien aus Produktperspektive am besten positioniert, um Marktanteile zu gewinnen, weil „sie alle notwendigen Zutaten“ mitbringen. Genau diese Zutaten lassen sich operationalisieren: robuste Plattform-Integration, Erfahrung in großen Kundenumgebungen und ein Portfolio, das Identitäten, Zugriffe und Bedrohungsanalyse zusammenführt. In der Praxis bedeutet das, dass Entscheider weniger „Proof of Concept“-Abkürzungen wagen, sondern stärker nach Lösungen suchen, die sich schnell in bestehende IAM- und Security-Operations-Setups einbetten lassen – inklusive Migrationspfade und klarer Erfolgskriterien.

Für die nächsten Quartale dürfte die Frage weniger lauten, ob KI-bedingte Angriffe zunehmen, sondern ob Sicherheitsanbieter die dadurch entstehenden Workflows dauerhaft monetarisieren können. Agentische Angriffsautomatisierung verstärkt den Bedarf an hochverfügbaren Abwehrketten, in denen Erkennung, Zugriffskontrolle und Incident Response eng gekoppelt sind. Auch die Lieferfähigkeit wird zum Engpass: Wenn mehr Kunden gleichzeitig neue Kontrollen ausrollen wollen, entscheidet die Implementierungs- und Integrationsgeschwindigkeit über die „Time to Value“-Wahrnehmung. Gleichzeitig könnten strengere Regulierungs- und Regierungsanforderungen die Produktroadmaps beeinflussen, etwa durch Vorgaben zu Protokollierung, Nachvollziehbarkeit und Datenminimierung. Entwickler erhalten dabei Chancen: Schnittstellen, Telemetrie-Modelle und policy-getriebene Automatisierung werden zum Differenzierungsfeld.


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