LONDON (IT BOLTWISE) – Der CryptoQuant-Gründer Ki Young Ju erwartet für den laufenden Bitcoin-Zyklus nur ein dreifaches bis fünffaches Plus gegenüber dem jeweiligen Tief. Aus diesen Multiplikatoren leitet sich grob eine mögliche Spanne bis etwa 174.000 bzw. 290.000 USD ab. Als Begründung nennt er vor allem veränderte Bitcoin-Eigentümerstrukturen mit mehr institutionellen Haltern. Damit rückt ein „milderer“ Zyklus in den Fokus, bei dem frühere, stark von Retail dominierten Hochphasen nicht eins-zu-eins wiederholbar wären.

CryptoQuant-Gründer: Bitcoin-Zyklus könnte nur bis 290.000 USD reichen
CryptoQuant-Gründer: Bitcoin-Zyklus könnte nur bis 290.000 USD reichen (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer aus den vergangenen Bitcoin-Zyklen eine simple Faustregel ableitet, bekommt in dieser Runde eine Gegenposition: Der On-Chain-Analyst Ki Young Ju, Gründer von CryptoQuant, argumentiert, dass der aktuelle Zyklus sehr wahrscheinlich „anders“ ausläuft als frühere Durchläufe. Sein Kernpunkt ist keine neue Wette auf eine andere Preislogik, sondern ein anderer Blick auf die Marktmechanik: Wenn sich die Gruppe der Bitcoin-Halter verändert und damit das Verhältnis von institutionellem Kapital zu kurzfristigem Retail-Flow, dann verschieben sich auch die Ausschläge von Rallys und Rücksetzern. Ju beschreibt den erwarteten Zyklus-Effekt als Faktor von drei bis fünf gegenüber dem Zyklustief, statt der vielfach beobachteten Größenordnung von etwa dem Zehnfachen, die viele Marktkommentare seit 2017 als Referenz heranziehen.

Technisch betrachtet steckt in dieser Einschätzung viel Infrastrukturdenken, obwohl der Beitrag primär marktbezogen wirkt. CryptoQuant steht für Analytik, die Bewegungen und Muster auf der Blockchain in Kennzahlen übersetzt, etwa indem Transaktionen und Wallet-Kohorten im Zeitverlauf eingeordnet werden. Ju nutzt genau diese Perspektive, um eine Eigenschaft hervorzuheben, die für die Preisbildung indirekt relevant ist: Aktuelle Halter befinden sich seiner Darstellung zufolge häufiger „oberhalb“ ihrer Kaufpreise, selbst während der Rückgänge im laufenden Jahr. Das ist nicht automatisch ein Sicherheitsversprechen, aber es verändert die Wahrscheinlichkeit, dass größere Teile des Marktes bei Stress in eine einheitliche Verkaufsreaktion kippen. Wenn weniger „unter Wasser“-Hintergründe zu massiven Kaskaden führen, wird das Muster nach außen weniger explosiv.

Konkrete Rechenlogik macht aus der Spanne eine mögliche Preisregion. Der Artikel ordnet Ju’s Erwartung an ein Zyklustief im Bereich von rund 58.000 USD ein: Ein fünfmaliger Effekt entspräche etwa 290.000 USD, ein dreimaliger läge bei ungefähr 174.000 USD. Zusätzlich wird auf die aktuelle Marktlage verwiesen: Bitcoin notiert demnach bei 83.803 USD, etwa 10,5 % im Wochenvergleich und rund 45 % über dem Tief des Jahres 2026. Daraus folgt unmittelbar die Größenordnung dessen, was „drei- bis fünfmal“ in Prozent bedeutet: Für ein dreifaches Szenario wären rund 108 % Kursanstieg nötig, für fünfmal etwa 246 %. Damit wird klar, warum die Diskussion weniger nach „neuem Allzeitrekord“ klingt, sondern eher nach einer Risiko-/Ertragskurve, die im oberen Bereich flacher ausfällt als in früheren Zyklen.

Der Kontext wird besonders deutlich über den historischen Vergleich, weil er das Narrativ „diminishing returns“ stützt: In der Rückschau multiplizierte sich Bitcoin von ungefähr 0,30 USD im Januar 2011 auf 30 USD bis Juni, also grob um den Faktor 100. Später reichte die Spanne von rund 172 USD im Januar 2015 bis nahezu 19.927 USD im Dezember 2017 – ebenfalls ein sehr hoher Multiplikator. Ab 2018 verändert sich die Statistik jedoch: Ausgehend von einem Tief um 3.189 USD im Dezember 2018 erreichte Bitcoin bis November 2021 rund 68.770 USD, also etwa 22-fach. Die jüngste große Phase von einem Tief bei rund 15.598 USD im November 2022 bis zu einem Peak von 126.296 USD im Oktober 2025 lag bei ungefähr dem Achtfachen. Diese Abfolge dient in der Argumentation als „Trendlinie“, wonach frühere, sehr starke Prozentbewegungen in späteren Zyklen weniger stark ausfallen, weil größere Kapitalmengen für vergleichbare Prozentzuwächse mehr „Hebelwirkung“ brauchen.

Entscheidend ist außerdem, ob das Juni-Tief bereits den Start eines neuen Zyklus markiert – oder nur eine Zwischenphase war. Der Artikel stellt die Frage deshalb so konkret, weil sich daraus die Interpretierbarkeit der Faktoren ableitet. Bitcoin habe zwar auf 57.718 USD bis zum 1. Juli nachgegeben und sich seitdem um etwa 45 % erholt, aber als nächstes Signal gilt: die Rückeroberung des Peaks von 126.296 USD aus dem Oktober 2025. Ohne ein klares Durchbrechen und Halten über diesem Niveau bleibt diese frühere Spitze eher der „cycle high“, wodurch ein Ziel wie 290.000 USD zur Spekulation wird, statt zu einem sauber begründeten nächsten Schritt. Für Marktteilnehmer bedeutet das: Der Erwartungswert hängt nicht nur am Multiplikator, sondern an der zyklischen Struktur, die erst durch bestätigte Preisniveaus sichtbar wird.

Für die Praxis wird die Aussage deshalb zu einer Timing- und Strukturfrage: Wenn Anleger die Juni-Markierung als neuen Startpunkt behandeln wollen, soll Bitcoin diese etablierte Schwelle bis Ende 2027 zurückgewinnen. Gelingt das nicht, könnte der Oktober-2025-Peak bereits die eigentliche Zykusspitze gewesen sein, was die oben genannten Szenarien für die nächste Runde entsprechend „neu“ setzt. Aus Sicht des Risiko-Managements ist das eine wichtige Verschiebung, denn der Artikel deutet an, dass Käufer zum aktuellen Zeitpunkt bei einer konservativeren Auslegung lediglich einen eher moderaten Ertrag erzielen könnten, möglicherweise eher in Richtung einer Verdopplung als eines sprunghaften Mehrfachen. Gleichzeitig bleibt der obere Bereich nicht ausgeschlossen, denn er wird an „continued institutional investment“ geknüpft: Institutionelles Kapital kann die Marktmechanik glätten, aber es ist zugleich schwerer zu prognostizieren als eine einzelne Retail-Welle.

Für technologie- und datengetriebene Teams lässt sich daraus ein breiterer Lernpunkt ableiten: On-Chain-Analytik wirkt nicht nur als Preisnachlauf, sondern kann helfen, die Annahmen hinter Trading-Logiken zu überprüfen. Wenn Haltergruppen, Kohorten und Kennzahlen zum Cost Basis-Verhalten sich ändern, dann verliert eine starre „Multiplikator-Erinnerung“ aus früheren Zyklen an Aussagekraft. Für die nächste Phase heißt das konkret, dass nicht nur Preisniveaus beobachtet werden sollten, sondern auch die Datenpfade, die solche Multiplikatoren begründen: Wallet-Strukturen, realisierte Positionen und die Verteilung von Käufen über die Zeit. Genau an dieser Schnittstelle zwischen KI-ähnlicher Mustererkennung in Analysesystemen und marktbezogener Interpretation entscheidet sich, ob die Spanne bis 174.000 USD oder bis 290.000 USD in der Praxis greifbar wird.


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