LONDON (IT BOLTWISE) – Dash0 kombiniert OpenTelemetry mit einem KI-Agenten, der Auffälligkeiten in Cloud-Anwendungen analysiert und Teams bei der Fehlersuche in Echtzeit unterstützt. Das Startup ist laut Quelle seit März 2026 Unicorn-Status und sammelte dafür 110 Millionen US-Dollar ein. Im Gespräch mit Gründerszene erklärt Mirko Novakovic, Seriengründer und Dash0-CEO, warum er im B2B-Vertrieb auf Telefonate statt E-Mails setzt. Besonders auffällig: Er beschreibt Cold Calls als wiederholbaren Prozess mit klaren Regeln und nennt als Touchpoint-Zahl 16 Versuche.

Wenn man Dash0 und den aktuellen Vertriebshintergrund aus demselben Blickwinkel betrachtet, wirkt die Story erstaunlich stringent: Technisch steht Observability im Zentrum, organisatorisch aber auch die Art, wie Wissen in das Produkt zurückfließt. Das Startup entwickelt eine KI-gestützte Observability-Plattform, deren Kern auf dem Open-Source-Standard OpenTelemetry aufbaut. OpenTelemetry fungiert dabei weniger als „neues Werkzeug“, sondern als Konvergenzschicht: Daten aus unterschiedlichen Systemen werden zusammengeführt, statt dass Teams jedes Tool-Silo einzeln auswerten müssen.
Statt nur Dashboards zu füllen, setzt Dash0 auf einen KI-Agenten, der Auffälligkeiten analysiert und Nutzer bei der Fehlersuche direkt unterstützen soll. Das ist im Kern ein Ansatz gegen den klassischen Observability-Stau: Logging, Metriken und Traces liefern zwar Spuren, aber die eigentliche Frage lautet oft „Was ist hier gerade wirklich kaputt – und wo fange ich an?“. Ein KI-Agent zielt auf genau diese erste Eingrenzung ab, insbesondere wenn mehrere Dienste gleichzeitig laufen und Fehlerfälle zeitlich oder ursächlich ineinander greifen.
Der Marktbezug ergibt sich aus der Kombination mehrerer Signale. Zum einen verweist die Quelle auf einen konkreten Funding-Moment: Im März 2026 sammelte Dash0 110 Millionen US-Dollar ein und stieg damit zum Unicorn auf. Zum anderen ist das Unternehmen nicht aus dem Nichts entstanden, sondern wird mit einem Seriengründer verknüpft, der bereits früh Erfahrung mit Enterprise-Software gemacht hat. Novakovic hatte nach der Gründung des IT-Dienstleisters Codecentric 2005 ein weiteres Unternehmen aufgebaut, mit Instana dann eine Monitoring-Komponente für Cloud-Anwendungen geschaffen und 2020 für rund 500 Millionen US-Dollar an IBM verkauft bekommen.
Inhaltlich wechselt die Erzählung danach vom Produkt zum Vertrieb – und genau da steckt der eigentliche Learning-Transfer für viele Gründerteams. Novakovic beschreibt „Basics“ als wiederholbaren Arbeitsrahmen: Sichtbarkeit, Disziplin und die Bereitschaft, Chancen aktiv zu suchen. Ein Beispiel aus dem persönlichen Alltag: Er sei in diesem Jahr 88-mal geflogen. Die Logik dahinter ist nicht Glamour, sondern Reichweite durch Begegnungen – wer regelmäßig vor Ort ist, trifft zufälligere Gesprächspartner als jemand, der ausschließlich im Office bleibt. Das erklärt auch, warum sein Vertrieb nicht primär auf E-Mail-Kampagnen setzt, sondern auf Telefonate.
Der Ton ist dabei bewusst unromantisch: E-Mails würden bei vielen potenziellen Kunden immer seltener Aufmerksamkeit erzeugen, sagt die Quelle sinngemäß über die Erfahrungen seines Teams. Cold Calls seien für ihn nicht nur Akquise, sondern auch ein Feedbackkanal zur Produktweiterentwicklung. Statt direkt Entscheider „abzuräumen“, empfiehlt Novakovic einen Bottom-up-Ansatz: Zuerst sollen Gründer mit den operativen Mitarbeitern sprechen, also mit den Menschen, die das System täglich nutzen und Störungen tatsächlich erklären können. In einem B2B-Kontext entsteht dadurch weniger Folklore über „Wünsche“, sondern konkretere Informationen dazu, welche Probleme Nutzer lösen wollen, welche Funktionen fehlen und welche Lösung sie sich tatsächlich erhoffen.
Entscheidend ist außerdem die Ausdauer – und hier nennt Novakovic eine harte Kennzahl: Man müsse es sechzehnmal versuchen, die meisten hörten nach fünfmal auf. Seine Botschaft richtet sich damit gegen einen typischen Selbstschutz vieler Teams: wenn ein Call scheitert, wird daraus schnell eine persönliche Ablehnung. Er empfiehlt stattdessen ein strukturiertes Nachfassen, regelmäßige Follow-ups und die Bereitschaft, den eigenen Ansatz an die Zielgruppe anzupassen. Auch die Angst vor Ablehnung sei normal; im schlimmsten Fall lege der Gesprächspartner auf, mehr passiere nicht. Gleichzeitig schlägt er vor, Cold Calls gemeinsam im Team zu machen, damit jeder einen Korb erhält, aber auch intern Lernkurven entsteht: Man kann Gesprächsverläufe vergleichen und seine Argumentation verbessern.
Praktisch fasst die Quelle die Regeln eines Cold Calls in einen sehr operationalen Rahmen zusammen. Novakovic rät, gut vorbereitet in das Gespräch zu gehen, also das Unternehmen und relevante Initiativen zu kennen, damit Fragen gezielt werden und das Produktargument nicht „aus dem Bauch“ kommt. Freundlichkeit und Bestimmtheit sollen das Gespräch in Gang halten, ohne Respekt zu verlieren. Zeitlich soll der erste Kontakt kurz bleiben – ein bis anderthalb Minuten –, weil das Ziel nicht der Abschluss ist, sondern ein persönlicher Termin oder ein ausführlicheres Folgegespräch. Für Unternehmen bedeutet das: Selbst wenn ein KI-Agent im Produkt die Fehlersuche beschleunigt, bleibt das menschliche „Feedback-Loop-Design“ entscheidend. Genau darin verbindet sich bei Dash0 Technik mit Vertrieb – das System soll schneller Diagnosen liefern, aber der Go-to-Market-Prozess sorgt dafür, dass die Diagnosen auch die richtigen Fragen beantworten.
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