NÜRNBERG / LONDON (IT BOLTWISE) – DATEV mahnt Unternehmen wenige Monate vor der E-Rechnungspflicht zu mehr Tempo bei der Umstellung. Laut Robert Mayr gehört das Thema bei vielen kleineren Mittelständlern noch nicht zum Prioritätenplan. Gleichzeitig laufen über DATEV-Systeme bereits Millionen E-Rechnungen, doch der Anteil am Gesamtvolumen bleibt ausbaufähig. Mit klaren Zeitmarken ab 2025 (Empfang) sowie 2027/2028 (Versand) wird aus einem IT-Projekt eine Pflicht zur Prozess- und Datenumstellung.

DATEV warnt vor Zeitdruck vor der E-Rechnungspflicht 2027/2028
DATEV warnt vor Zeitdruck vor der E-Rechnungspflicht 2027/2028 (Foto: IT BOLTWISE)
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Wenige Monate vor dem nächsten juristischen und operativen Meilenstein rund um die E-Rechnungspflicht schiebt DATEV das Thema nach vorn – und zwar mit einem klaren Hinweis auf Tempo und Prozessreife. Der Nürnberger Software-Anbieter zeigt sich dabei nicht grundsätzlich skeptisch gegenüber der Digitalisierung, sondern beobachtet eine Lücke in der Umsetzung bei vielen Betrieben. In Deutschland wird die E-Rechnung häufig als zusätzliche Belastung wahrgenommen, vor allem dort, wo Buchhaltung, Fakturierung und IT ohnehin mit knappen Ressourcen organisiert sind. Dass sich der Übergang trotzdem lohnt, begründet DATEV auch mit einer besseren Prüf- und Fehlererkennung direkt in digitalen Rechnungsdaten.

DATEV liefert dazu auch eine Zahlenbasis aus dem eigenen Betrieb: Im ersten Halbjahr 2026 sollen über DATEV-Systeme mehr als 51 Millionen E-Rechnungen gelaufen sein. Das ist mehr als im Gesamtjahr 2025, als rund 64 Millionen E-Rechnungen verarbeitet wurden. Der Chef des Unternehmens, Robert Mayr, stellt diese Entwicklung jedoch in einen größeren Kontext: Die Wachstumsraten seien zwar ermutigend, aber sie spiegelten noch nicht den gewünschten Durchbruch im gesamten Rechnungsaufkommen wider. Diese Diskrepanz ist für viele Entscheider relevant, weil sie zeigt, dass es nicht nur um die technische Empfangsfähigkeit geht, sondern um den gesamten Rechnungsworkflow vom Erstellen bis zur Verarbeitung.

Technisch betrachtet führt die Pflicht zu einer Umstellung von „Rechnung als Dokument“ hin zu „Rechnung als strukturierte Daten“. Seit dem 1. Januar 2025 müssen Unternehmen in Deutschland in der Lage sein, strukturierte E-Rechnungen zu empfangen – also Rechnungen, die nicht nur als PDF verschickt werden, sondern als maschinenlesbare Datensätze. Der Versand wird gestaffelt: Ab dem 1. Januar 2027 müssen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 800.000 Euro E-Rechnungen ausstellen. Spätestens ab 2028 greift die Verpflichtung dann für alle Rechnungen im geschäftlichen Verkehr. Für Unternehmen heißt das konkret, dass Buchhaltungslogik, Fakturierungsprozesse und Stammdatenqualität gemeinsam nachziehen müssen.

Für die praktische Umsetzung ist entscheidend, wie die Organisation die Schnittstellen zwischen ERP, Buchhaltung und Rechnungsplattformen aufsetzt. Der Nutzen entsteht laut DATEV nicht zuletzt daraus, dass digitale Rechnungsdaten leichter zu prüfen sind und Unstimmigkeiten schneller erkannt werden können. Genau hier unterscheiden sich Ansätze: Manche Firmen setzen zunächst auf Konvertierungsschichten, andere bauen stärker in Richtung „native“ E-Rechnungserzeugung aus ihren Systemen. Im Markt arbeiten neben DATEV auch andere Anbieter und Ökosysteme an E-Invoicing-Lösungen und Integrationswegen; gerade bei großen ERP-Landschaften ist der Wettbewerb stark, weil Unternehmen ihre Workflows nicht komplett neu aufsetzen wollen, sondern standardisierte Anschlüsse erwarten.

Der Markt betrachtet die Entwicklung inzwischen als operativen Umbau, nicht als isoliertes Compliance-Thema. Gerade im Mittelstand wird E-Rechnung oft als zusätzlicher Aufwand eingeordnet, weil Anpassungen in der Fakturierung, beim Belegfluss und bei der Datenverarbeitung nötig sind. Analystisch lässt sich der Effekt jedoch auch umdrehen: Je später die Migration beginnt, desto höher sind typischerweise die Projektkosten durch parallele Übergangsprozesse, zusätzliche Fehlerquoten und manuelle Ausnahmen. Unternehmen, die wie beschrieben erst auf den letzten Metern handeln, treffen dann auf die Engpässe aus Schulung, Systemtests und Fachabnahme. Wer früh startet, kann dagegen iterativ testen, Konverter- und Validierungsregeln verfeinern und den Umstieg in die Jahresprozesse einbetten.

Ein weiterer Wettbewerbs- und Technologieaspekt liegt in der Frage, wie stark Unternehmen von Automatisierung profitieren, sobald strukturierte Daten durchgehend vorliegen. E-Invoicing ist im Kern nicht nur „Formatwechsel“, sondern eine Voraussetzung für automatisierte Validierung, schnellere Freigabe- und Prüfprozesse sowie eine sauberere Abstimmung zwischen Rechnung und Bestellung. DATEV positioniert dabei vor allem die organisatorische Seite: digitale Daten seien besser prüfbar, Unstimmigkeiten früher sichtbar. Diese Logik passt auch zu aktuellen Unternehmensanforderungen an Auditierbarkeit und Prozesssicherheit. In der Praxis bedeutet das, dass Rollen in der Buchhaltung, im Einkauf und in der IT gemeinsam definieren müssen, welche Validierungsregeln gelten und wie Ausnahmen dokumentiert werden.

Mit Blick auf Regulierung und Datenschutz bleibt die Umsetzung anspruchsvoll, auch wenn die E-Rechnung selbst primär ein Format- und Prozessstandard ist. Sobald Rechnungsdaten digital fließen, rücken Fragen nach Zugriffskontrollen, Protokollierung und Datenschutz-Folgenabschätzungen stärker in den Fokus. Für Unternehmen ist außerdem wichtig, dass die Verarbeitung nicht nur „funktioniert“, sondern nachweisbar korrekt abläuft: etwa durch Logging, nachvollziehbare Umwandlungs- und Prüfketten sowie klare Verantwortlichkeiten zwischen Fachbereich und IT. Gerade in sicherheitsbewussten Umgebungen entscheidet die Architektur darüber, wo Daten gespeichert werden, wie lange Logs vorgehalten werden und wie Integrationen abgesichert sind – etwa durch rollenbasierte Berechtigungen und verschlüsselte Übertragung.

Für die nächsten Monate zeichnet sich deshalb ein klarer Ausblick ab: Die Phase bis 2027 wird weniger von technischen Machbarkeiten dominiert, sondern von Projektplanung, Testabdeckung und dem Rollout in den Fachbereichen. Wer ab 2025 „nur empfangen“ kann, ist noch nicht automatisch „versandbereit“; entscheidend sind dann auch die Erzeugung strukturierter Rechnungen, die Konsistenz in den Stammdaten sowie die Abstimmung von Produkt-/Leistungslogik mit dem Rechnungsdatenmodell. Der Blick auf DATEVs eigene Zahlen zeigt zudem, dass das Wachstum noch Luft nach oben hat: Wenn bereits über 51 Millionen E-Rechnungen im ersten Halbjahr 2026 liefen, dann ist der nächste Schritt, diese Zahl in den Hauptstrom der Rechnungsvolumina zu bringen. Für Entwickler und Integratoren bedeutet das eine stabile Nachfrage nach Schnittstellen, Validierungs-Engines und Monitoring in E-Invoicing-Pipelines – insbesondere dort, wo Prozesse hochgradig automatisiert und Compliance-fähig werden müssen.

Am Ende geht es für Unternehmen um eine schlichte Entscheidung: E-Rechnung als einmaliges Projekt behandeln oder als fortlaufende Daten- und Prozessdisziplin etablieren. DATEV setzt dafür bewusst auf den Appell „mehr Tempo“, weil Umstellungen im Mittelstand selten ohne Nebenwirkungen laufen – etwa bei der Schulung, bei der Dokumentation und bei den Abstimmungen zwischen Systemen. Der Zeitplan bis 2027 und 2028 ist eng genug, dass ein frühzeitiger Pilot schnell zum Standard ausgebaut werden sollte. Wer die Umstellung jetzt strukturiert angeht, kann die gesetzliche Pflicht in einen Wettbewerbsvorteil übersetzen: weniger manuelle Nacharbeit, klarere Prüfpfade und ein Rechnungsprozess, der sich besser skalieren lässt, wenn das Volumen weiter wächst.


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