BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Frauenanteil in den Vorständen der 40 DAX-Unternehmen liegt nach Angaben der AllBright Stiftung bei 28,5 Prozent. Das sind 2,8 Prozentpunkte mehr als vor rund einem Jahr, nach zwei Jahren der Stagnation. Gleichzeitig bleibt die Autoindustrie klar hinter dem Durchschnitt. Zudem liegen MDAX und SDAX mit 19,1 beziehungsweise 14 Prozent deutlich niedriger.

Nach zwei Jahren ohne spürbare Bewegung kommen die größten Börsenunternehmen Deutschlands beim Anteil von Frauen in Spitzenpositionen wieder in Fahrt. Für den Deutschen Aktienindex (DAX) beziffert eine Auswertung der gemeinnützigen deutsch-schwedischen AllBright Stiftung den Frauenanteil in den Vorständen der 40 gelisteten Unternehmen auf 28,5 Prozent. Das entspricht einem Plus von 2,8 Prozentpunkten gegenüber dem Stand vor rund einem Jahr. Entscheidend ist dabei nicht nur das Ergebnis, sondern der Trend: Laut Bericht war die Entwicklung zuvor über längere Zeit „stillgestanden“.
Die Datenerhebung ist dabei vergleichsweise breit angelegt, weil sie nicht nur den DAX abbildet, sondern auch andere große Volkswirtschaften. Für die Studie wurden Frauenanteile in Top-Etagen führender Unternehmen in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Polen, Schweden und den USA gesondert betrachtet. Auf dieser Basis zeigt der Bericht, dass der Abstand innerhalb des internationalen Wettbewerbs durchaus groß bleibt: In Großbritannien liegt der Wert bei 34,6 Prozent, in Frankreich bei 31,5 Prozent und in den USA bei 30,7 Prozent. Gleichzeitig hebt die Auswertung hervor, dass das Wachstum bei deutschen Firmen erstmals stärker ausfiel als in den Vergleichsländern.
Ein Blick auf die Stichtagslogik verdeutlicht, wie die Studie ihre Messpunkte setzt. Am 1. September 2026, so heißt es, hatte „jedes vierte“ DAX-Unternehmen einen Frauenanteil von mindestens 40 Prozent im Vorstand. Diese Schwelle wird in der Studie als Hinweis auf ein „ausgewogenes Verhältnis“ von Frauen und Männern interpretiert. Damit liefert die Momentaufnahme auch eine für Aufsichtsgremien relevante Kennzahl: Statt nur auf Durchschnittswerte zu schauen, lassen sich Unternehmen anhand definierter Zielzustände vergleichen.
Gleichzeitig wird klar, dass der Fortschritt nicht gleichmäßig verteilt ist. Die Autoindustrie wirkt laut Bericht als „Bremsklotz“. Genannt werden hier insbesondere die deutschen Autohersteller: BMW, Mercedes-Benz und Volkswagen hätten jeweils nur eine Frau in ihren sehr großen Vorstandsteams mit sieben beziehungsweise acht Mitgliedern. Auch Porsche und TRATON, die nicht im DAX notieren, werden als weitere Beispiele mit je einer Frau im Vorstand angeführt. In der Praxis bedeutet das: Selbst wenn sich einzelne Unternehmen bewegen, können Branchengewicht und Teamgröße die Gesamtquote im DAX spürbar dämpfen.
Während der DAX also wieder zulegt, hinken mittlere und kleinere Börsenunternehmen deutlich hinterher. Für den MDAX mit den 50 mittelgroßen börsennotierten Unternehmen nennt die Studie einen Frauenanteil von 19,1 Prozent in den Top-Positionen. Der SDAX liegt bei 14 Prozent. Auffällig ist außerdem die Verteilung der „Null-Fälle“: Von 58 börsennotierten deutschen Unternehmen, die laut Bericht noch immer keine Frau im obersten Führungsteam haben, seien 57 in MDAX oder SDAX notiert. Für Investoren und Aufsichtsräte ergibt sich daraus eine klare Priorisierung: Wenn Diversität als messbare Corporate-Governance-Größe verstanden wird, entscheidet die Streuung über die Wirkung.
Der Bericht knüpft an konkrete politische und unternehmensseitige Hebel an, ohne den Zusammenhang zu Personalplanung und Unternehmenskultur zu kappen. In den Aussagen von AllBright-Geschäftsführung Wiebke Ankersen und Christian Berg wird zwar eingeräumt, ob man bereits „vom Beginn eines neuen Aufschwungs“ sprechen könne, als sicher gilt aber: Die Vorstände der DAX-Konzerne könnten in acht Jahren paritätisch aufgestellt sein – „wenn es gewollt ist“. Dazu müssten Aufsichtsräte Prioritäten setzen und die Modernisierung von Führung ernst nehmen. Außerdem werden steuerliche Anreize, eine paritätisch aufgeteilte Elternzeit sowie ein massiver Ausbau von Kitas und Ganztagsschulen gefordert.
Aus Sicht der Unternehmenspraxis lohnt sich das Thema gerade für Tech- und Digital-Teams weniger als „reine HR-Debatte“, sondern als Governance- und Planungsaufgabe mit messbaren Parametern. Sobald Unternehmen den Frauenanteil in Vorständen oder oberen Führungsebenen als KPIs in ihre strategische Personalplanung integrieren, entstehen auch Anforderungen an Datenqualität: Welche Teams gelten als „Top-Etagen“, wie werden Wechsel zwischen Ebenen erfasst und wie konsistent sind die Zeitstempel über Jahre hinweg? Selbst ohne konkrete Tech-Nachweise aus der Studie lässt sich daraus eine klare Schlussfolgerung ziehen: Je besser die Kennzahlen strukturiert und vergleichbar werden, desto schneller können Aufsichtsgremien Steuerungsimpulse ableiten – etwa, wenn bestimmte Branchen wie die Autoindustrie als dauerhaft niedrige Benchmark erscheinen. Für die nächsten Monate wird damit weniger die Frage sein, ob sich etwas tut, sondern wie stark sich die Lücke zwischen DAX-Spitzenwerten und MDAX/SDAX-Niveaus schließen lässt.
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