LONDON (IT BOLTWISE) – Der DAX ist zum Wochenstart freundlich erwartet und setzt den positiven Trend fort, nachdem er am Freitag mit 26.440,31 Punkten ein neues Hoch auf Schlusskursbasis markiert hat. Für die Zeit vor Börsenstart werden zeitweise 0,2 % Plus genannt, getrieben von stabiler Stimmung und einer breiteren Marktbreite. Trotz der anhaltenden Unsicherheit rund um den Nahost-Konflikt und steigenden Ölpreisen wirkt die Anlegernervosität weniger stark als noch im März. Am Hintergrund stehen vor allem weiter steigende Unternehmensgewinne und die Erwartung, dass die Fed mit der Zinspolitik zunächst zurückhaltend bleibt.

Der DAX startet mit Rückenwind in die neue Woche. Am Freitag schloss der Leitindex 0,53 % fester bei 26.440,31 Punkten und erreichte damit ein neues Hoch auf Schlusskursbasis. Entscheidend für den weiteren Verlauf ist, dass der Markt diese Marke nicht nur einmalig abarbeitet, sondern die Bewegung auch in die vorbörsliche Phase hinein verlängern will: In zeitweisen Indikationen wird für den Wochenstart ein Plus von etwa 0,2 % bei rund 26.495 Punkten genannt. Damit rückt ein klassisches Muster in den Fokus, das viele Trader aus früheren Hochphasen kennen: Nach einem Schlusskurs-Rekord gewinnt der Markt häufig zusätzliche Liquidität, weil Indexfonds und Trendfolger ihre Positionierung weniger zögerlich ausweiten.
Die Kursdynamik speist sich aus mehreren Strängen zugleich. Zum einen war die vergangene Woche bereits die vierte in Folge, in der das Börsenbarometer zulegte. Insgesamt gewann der DAX sechseinhalb Prozent und baute sein Jahresplus auf knapp acht Prozent aus. Seit dem Jahrestief im März hat der Index um etwas mehr als ein Fünftel zugelegt. Dieser Abstand erklärt auch, warum der Markt trotz politischer Risiken spürbar „durchatmet“: Wer die Erholung seit dem März-Tief bis heute mitverfolgt hat, hat das Risiko-Setup mehrfach neu bewertet und dennoch systematisch höhere Kurse akzeptiert.
Dass der Ölpreis dabei eine sichtbare Rolle spielt, zeigt der Blick zurück. Wegen des Iran-Kriegs und des dadurch stark gestiegenen Ölpreises war der DAX im März zeitweise sogar unter die Marke von 22.000 Punkten gerutscht. Der Kontrast ist auffällig: Heute scheint der Markt den Konflikt zwar nicht zu ignorieren, aber die direkten Effekte auf die Bewertungskurve treten in den Hintergrund. So wird der Ausgang des Nahost-Konflikts inzwischen offenbar als weiter unklar beschrieben, und genau diese Unsicherheit hatte zuletzt belastet. Stattdessen rücken Faktoren in den Vordergrund, die an den Fundamenten ansetzen: steigende Unternehmensgewinne, eine zunehmende Marktbreite und eine nach wie vor nicht extrem wirkende Positionierung.
Unter der Oberfläche verändert sich damit die Qualität des Aufwärtsimpulses. Anlagestratege Mislav Matejka von JPMorgan blieb in seiner Einschätzung generell optimistisch und nennt als Kernargument die steigenden Unternehmensgewinne. Gleichzeitig verweist er darauf, dass die Positionierung der Anleger trotz Indexrekorden weiter alles andere als extrem sei. Zudem nehme die Marktbreite zu; die Anstiege würden also nicht ausschließlich von wenigen sehr starken Werten getragen. Für viele Portfolios ist das mehr als ein Stimmungsdetail: Eine breitere Rally reduziert das Risiko, dass schon kleine Enttäuschungen in einzelnen Sektoren den gesamten Index kippen. Außerdem wirkt sie häufig stabilisierend auf das Orderbuch, weil mehr Titel gleichzeitig Nachfrage erhalten und nicht nur die „Lieblinge“ der letzten Wochen.
Auch Robert Halver, Marktanalyst bei der Baader Bank, bringt die Stimmung in eine bildhafte Perspektive: Er beschreibt, dass die „Sommerpause an den Aktienmärkten“ in diesem Jahr offenbar ausfällt. Das ist in der Praxis ein Hinweis darauf, dass weniger Anleger in den defensiven Modus wechseln, obwohl sich saisonale Muster in der Regel über Jahre verlässlich zeigen. Ungeachtet des Iran-Konflikts erwartet Halver eine „sonnige Börsenstimmung“, unter anderem wegen einer wachsenden Weltkonjunktur, abnehmender Inflation und der zinspolitischen Zurückhaltung der US-Notenbank Fed. Gerade die Kombination aus sinkender Inflationsdynamik und nicht weiter steigenden Finanzierungskosten kann Bewertungsniveaus stützen, weil künftige Cashflows weniger stark abgezinst werden.
In die kurzfristige Betrachtung passt zudem, wie stark der DAX seine Rekordsignale bereits mehrfach ausgespielt hat. Am Mittwoch der vergangenen Woche hatte der Index zuletzt ein Allzeithoch auf Intraday-Basis verzeichnet, als er bis auf 26.573,60 Zähler stieg. Am Freitag folgte dann das neue Hoch auf Schlusskursbasis bei 26.440,31 Punkten. Der technische und psychologische Unterschied ist relevant: Intraday-Rekorde zeigen, dass der Markt die Richtung testet. Schlusskurs-Rekorde dagegen werden von vielen systematischen Strategien stärker beachtet, weil sie die Erwartung reduzieren, dass es sich nur um ein kurzfristiges Strohfeuer handelt. Für den Wochenstart bedeutet das: Solange die 26.440-Punkte-Zone nicht wieder klar aufgegeben wird, bleibt der Trend nach oben tendenziell „gelernter“ für den Markt.
Warum der Nahost-Teil derzeit weniger durchschlägt, lässt sich auch aus der Nachrichtenlogik erklären. In der Quelle wird betont, dass der völlig unklare Ausgang des Konflikts die Anleger zuletzt kaum noch tangiert habe. Hintergrund ist, dass die ursprünglich rund zwei Monate nach Unterzeichnung des Rahmenabkommens geplanten Fortschritte beim iranischen Atomprogramm ausblieben und stattdessen neue Spannungen aufkamen. In dem Zusammenhang wird beschrieben, dass US-Präsident Trump am Wochenende mit der Ankündung einer Übernahme der Straße von Hormus reagierte. Der Iran wies die Pläne zurück und stelle die Wiederaufnahme von Verhandlungen mit den USA offen infrage. Diese Kette zeigt: Das Risiko bleibt bestehen, aber der Markt könnte in der Erwartung handeln, dass es kurzfristig keine klare Lösung gibt und damit die Volatilität stärker „ausläuft“ als zuvor.
Für Unternehmen und Investoren heißt das vor allem: Das Chance-Risiko-Profil verschiebt sich in Richtung operativer Ergebnisse. Wenn Indexrekorde auftreten, obwohl geopolitische Schlagzeilen weiter präsent sind, liegt die Vermutung nahe, dass die Marktteilnehmer vor allem auf die Gewinnentwicklung schauen und nicht nur auf den Makro-Impuls. Gleichzeitig sorgt die steigende Weltkonjunktur laut Einschätzungen dafür, dass viele Margenannahmen nicht sofort gekappt werden. Unterm Strich spricht vieles für eine Fortsetzung des positiven Trends zum Wochenstart, aber mit einem wichtigen Mechanismus: Sollte der Ölpreis erneut deutlich anziehen oder die Fed-Kommunikation in eine straffere Richtung kippen, könnte die Bewertung schnell wieder stärker vom Makro abhängen. Bis dahin bleibt der DAX das zentrale Barometer dafür, ob breite Kurse weiterhin tragen – oder ob einzelne Schocks die zuletzt gedämpfte Risikoaversion doch wieder hochdrehen.
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