FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Nach dem Rekordhoch setzt der DAX seine Korrektur fort und gibt zur Mittagszeit um 0,69 Prozent auf 25.791 Punkte nach. Im Fokus steht jetzt die 50-Tage-Linie bei 25.646 Punkten, die der Index zunehmend testet. Belastet werden die Kurse vor allem durch weiter steigende Ölpreise, anhaltend hohe Anleihezinsen und rote Signale aus Asien. Gleichzeitig bleiben einige Marktakteure für die Eurozone mittelfristig optimistisch, weil sie Inflation vor allem als energiegetrieben ansehen.

Die DAX-Korrektur wirkt nach dem zuletzt erreichten Rekordhoch wie eine Art Rückprallphase: Statt stabil zu bleiben, rückt der deutsche Leitindex deutlich näher an die viel beachtete technische Schwelle heran. Am Mittwoch setzte sich die Schwäche fort, zur Mittagszeit notierte der Index 0,69 Prozent tiefer bei 25.791 Punkten. Auffällig ist dabei weniger der Tagesverlust an sich, sondern der Abstand zur Marke von 26.000 Punkten, von der sich der DAX weiter entfernt.
Technisch betrachtet steht nun die 50-Tage-Linie im Mittelpunkt, weil sie für den kurzfristigen bis mittelfristigen Trend von vielen Marktteilnehmern als Orientierungswert genutzt wird. Laut den im Handel genannten Niveaus verläuft diese Linie aktuell bei 25.646 Punkten – damit kommt sie in greifbare Nähe. Eine derartige Annäherung verändert oft das Verhalten im Orderbuch: Händler werden vorsichtiger, weil der Index entweder eine Gegenbewegung startet oder bei erneutem Verkaufsdruck eine noch größere Dynamik auslösen kann. Parallel dazu schwächte sich auch der MDAX der mittelgroßen Unternehmen spürbar ab, er gab um 1,24 Prozent auf 31.774 Punkte nach.
Das übergreifende Signal kommt derzeit aus mehreren Richtungen. In Europa verlor der EuroStoxx 50 0,4 Prozent, während der New Yorker Tech-Index Nasdaq 100 am Dienstag 1,3 Prozent im Minus schloss. Besonders stark belasteten die Technologiewerte in Asien: Der süd-koreanische KOSPI, der japanische Nikkei 225 und der taiwanische Topix meldeten am Mittwoch Abschläge von bis zu 4 Prozent. Der Hintergrund: Die USA und der Iran greifen sich weiter gegenseitig an, wodurch die Ölpreise nach oben getrieben werden – und damit steigt der Druck auf Unternehmenserwartungen, Transportkosten und gesamtwirtschaftliche Risikoaufschläge.
Für die Aktienstory in der Eurozone liefert die Zinsseite deshalb den zweiten zentralen Treiber. In der Meldung wurden anhaltend hohe Anleihezinsen als zusätzlicher Gegenwind genannt. Gleichzeitig betont Mark Haefele von der Vermögensverwaltung bei der Schweizer Großbank UBS, dass er die Inflationsentwicklung vor allem als Folge steigender Energiepreise interpretiert. Daraus leitet er ab, dass die nächste Leitzinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) kommende Woche keinen generellen Zinserhöhungszyklus einleitet. Er nennt zudem ein weiteres Argument: die anziehende Wirtschaftsaktivität, stärkere Unternehmensgewinne und „vernünftige Bewertungen“ als Basis dafür, dass Aktienkurse mittelfristig weiter steigen können.
An deutschen Einzelwerten zeigt sich, dass die Marktbewegung nicht nur makrogetrieben ist. Zur Wochenmitte fiel GEA besonders auf, die Aktie gab um 3,1 Prozent auf 64,80 Euro nach. Der Auslöser liegt in einer Platzierung: Die Kuwait Investment Authority (KIA) bietet rund fünf Millionen Aktien des Anlagenbauers zu einem Preis von 64,85 bis 65,50 Euro je Anteilsschein an; zuletzt lag die Beteiligung des kuwaitischen Staatsfonds bei 10,5 Prozent. Solche Vorgänge wirken oft kurzfristig doppelt: Einerseits verändert das Angebot die kurzfristige Nachfrage, andererseits signalisiert es, dass ein Großaktionär zu einem konkreten Kursfenster handelt.
Auch Indexmechanik und Analysten-Impulse mischen im Tagesgeschäft mit. Bei Volkswagen stiegen die Titel um 3,1 Prozent; zudem muss der Autobauer den EuroStoxx 50 am 21. September verlassen, wie der Indexanbieter ISS Stoxx mitteilte. Handelsnahe Akteure sehen den Abstieg jedoch nicht als überraschend an – angesichts der zuletzt spürbaren Belastung ist das Ereignis eher ein Spiegel bereits eingepreister Probleme als ein neues Negativsignal. An anderer Stelle profitierten Anleger von positiven Bewertungen: Die Deutsche Bank legte um 0,6 Prozent zu und erreichte zeitweise den höchsten Stand seit Anfang 2014, nachdem Goldman Sachs das Votum auf „Kaufen“ angehoben hat und eine „Ära höherer Profitabilität“ in Aussicht stellt. Bei adidas half eine positive Einschätzung: Barclays brachte die Bewertung des Sportartikelherstellers mit einer Anlageempfehlung nach oben und verwies dabei auf die Innovationstage am 23. und 24. September als möglichen Kurstreiber.
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