FRANKFURT / LONDON (IT BOLTWISE) – Ölpreise und Anleiherenditen setzen den Ton für den DAX, während mit der US-Berichtssaison ein dritter Richtungsgeber dazukommt. Claudia Windt von der Landesbank Helaba beschreibt die Gemengelage aus schwankenden Rohölkursen und verharrenden Renditen als spürliche Nervosität der Marktteilnehmer. Entscheidend dürfte vor allem die Veröffentlichung der US-Inflationsdaten für September sein, weil sie die Leitzinspläne der Fed im Dezember neu ausrichten kann. Parallel starten die Quartalszahlen großer US-Banken, während in Deutschland insbesondere VW, Porsche und BMW sowie später Airbus und Chiphersteller im Blick bleiben.

Zum Wochenstart stehen im DAX vor allem die klassischen Makro-Treiber im Vordergrund: Ölpreise und Anleiherenditen wirken zugleich als Bremsklötze. Dass diese beiden Einflussgrößen die Stimmung an deutschen Aktienmärkten weiter drücken können, liegt auf der Hand, weil sich aus beiden Märkten schnell „Kosten“-Signale ableiten lassen. Steigende Renditen erhöhen zum Beispiel die Diskontierung zukünftiger Gewinne, während teurere Energie häufig über Transport- und Produktionskosten in die Inflationserwartungen hineinwirkt. In den jüngsten Schwankungen sehen Marktakteure deshalb kein isoliertes Ereignis, sondern eine fortlaufende Kette von Reaktionen, die sich in Kursbewegungen von Aktien und auch in der Entwicklung von Gold widerspiegeln kann.
Claudia Windt von der Landesbank Helaba bringt die Mechanik dahinter auf den Punkt: Die „zwei zentralen Belastungsfaktoren“ seien Ölpreise und Anleiherenditen, beides zerrt an der Risikobereitschaft. Besonders relevant ist dabei, dass die Renditen sowohl im Euroraum als auch in den USA in der Nähe ihrer Hochstände verharren, statt deutlich nachzugeben. Daraus leitet Windt ab, dass sich die angespannte Stimmung noch bis mindestens Anfang November halten könnte. In dieses Timing passt auch der Hinweis auf die Zwischenwahlen in den USA, weil politische Ereignisse typischerweise die Risikoprämien erhöhen und damit die Volatilität an den Märkten. Selbst der Blick auf den US-Iran-Konflikt wird in dieser Argumentation nicht als Schlagzeile behandelt, sondern als möglicher Hebel für die Ölpreise: Solange der Konflikt weitergeht, könnten die Rohölkurse kräftig schwanken.
Entscheidend für die nächste Kursrichtung werden dabei die US-Inflationsdaten für September, die bereits am Mittwoch veröffentlicht werden sollen. Volkswirt Christoph Balz von der Commerzbank erwartet deutliche Preissteigerungen bei den Verbraucherpreisen, wobei insbesondere teureres Benzin als Haupttreiber genannt wird. Für die Anleger ist diese Einordnung nicht nur eine Frage der Schlagzeile, sondern auch des „Qualitätsanteils“ der Inflation: Die Kernrate ohne Energie und Nahrungsmittel dürfte laut Balz moderater ausfallen. Trotzdem könne der Bericht die Fed wohl nicht davon abhalten, im Dezember an einer weiteren Zinserhöhung festzuhalten. Genau an diesem Punkt treffen zwei Einflussstränge zusammen: Hohe Ölpreise können die Inflationskomponente stützen, während die Rentenmärkte ihre Erwartungen an den zukünftigen Zinskurs über die Renditekurve nachziehen.
Neben der Inflation rücken dann weitere US-Konjunkturdaten nach, die am Donnerstag im Kalender stehen, darunter der Philly-Fed-Index, Einzelhandelsumsätze sowie wöchentliche Arbeitsmarktdaten. Am Freitag folgen Daten zur Industrieproduktion. Parallel dazu startet mit den Quartalsbilanzen großer US-Banken die Berichtssaison, und damit ein weiterer Impuls für den DAX, obwohl die Unternehmen primär in den USA beheimatet sind. Am Dienstag beginnt der Reigen mit JPMorgan Chase & Co., Goldman Sachs und Citigroup, am Mittwoch setzen Morgan Stanley und die Bank of America die Zahlenreihe fort. Jefferies-Analyst David Chiaverini bleibt dabei optimistisch: Für die Nettozinserträge im dritten Quartal rechnet er damit, dass die Prognosen erreicht oder leicht übertroffen werden. Dazu erwartet er starkes Einlagenwachstum und eine stabile Kreditqualität. Für den deutschen Markt ist das relevant, weil ein stabiler bis besserer Ausblick im Bankensektor die generelle Bewertung von Finanzwerten stützen kann, gerade wenn die Zinslandschaft ohnehin im Fokus steht.
Auch jenseits der Makrodaten gibt es in Deutschland unternehmensseitig klare Termine, die Anleger diese Woche beschäftigen dürften. Vor allem Autobauer stehen auf dem Plan: VW liefert am Montag ein Investoren-Update, eingebettet in die Paris Motor Show, und ergänzt dies mit Blick auf den Autoabsatz im dritten Quartal. Am Dienstag folgen weitere Signale kurz vor der Schweigeperiode, unter anderem von VW und dessen Sportwagentochter Porsche sowie von BMW. Zusätzlich rückt Airbus am Mittwoch mit den letzten Aussagen vor den am 28. Oktober erwarteten Neunmonatszahlen in den Fokus. Daneben könnten auch Halbleiterwerte Aufmerksamkeit erhalten, weil der niederländische Ausrüster ASML am Mittwoch berichtet und der weltgrößte Auftragsfertiger für Mikrochips, TSMC, am Donnerstag aus Taiwan Einblicke in die operative Entwicklung gibt. Gerade diese Kombination aus Rüstungs-/Industriekomponenten, Bankensektor und Chip-Zulieferkette ist für die Marktbreite wichtig, weil sie zeigt, wie stark Unternehmen in unterschiedlichen Zyklen die aktuellen Rahmenbedingungen verarbeiten.
In Summe deutet der Wochenstart auf ein Umfeld hin, in dem Makrofaktoren und Unternehmensberichte eng miteinander verzahnt sind. Für Anleger bedeutet das: Die 25.000-Punkte-Marke im DAX wird nicht nur von Charttechnik, sondern auch von der Frage beeinflusst, ob Öl und Renditen weiter Druck erzeugen oder ob sich aus den Inflations- und Unternehmensdaten neue Erwartungspfade ergeben. Für Unternehmen mit Blick auf Planung und Kommunikation ist die Lage ebenfalls spürbar, weil steigende Zinskosten laut Windt die Staatshaushalte belasten können und damit indirekt auch Nachfragepfade verändern. Gleichzeitig liefern die Bank- und Konjunkturdaten Hinweise darauf, wie resilient Kredit- und Einlagensegmente in einem volatilen Zinsumfeld bleiben. Für die nächste Phase bleibt damit vor allem eine Frage offen: ob die Inflationsdaten in den USA die Fed-Erwartungen eher erhärten oder den Märkten Spielraum für eine Entspannung geben.
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