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LONDON (IT BOLTWISE) – Das Deutsche Diabetes-Zentrum ordnet den Konsum zuckerhaltiger Getränke mit einem messbaren Risiko für Übergewicht und Typ-2-Diabetes ein. Michael Roden (UKD/DDZ) nennt konkrete Kalorien- und Zuckerwerte: Schon ein halber Liter Cola bringt rund 210 kcal und 53 g Zucker. Gleichzeitig steht in Deutschland eine gestaffelte Zuckersteuer auf Erfrischungsgetränke im politischen Raum. Offen bleibt laut Roden, wie stark die Abgabe kurzfristig tatsächlich die Zahl der Diabetes-Neuerkrankungen senken kann.

DDZ warnt vor zuckerhaltigen Drinks: Risiko für Typ-2-Diabetes steigt
DDZ warnt vor zuckerhaltigen Drinks: Risiko für Typ-2-Diabetes steigt (Foto: IT BOLTWISE)
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Der Zusammenhang zwischen dem Trinken süßer Getränke und dem Risiko für Übergewicht sowie Typ-2-Diabetes ist seit Jahren ein Schwerpunkt der Stoffwechselforschung. Die aktuelle Einordnung des Deutschen Diabetes-Zentrums (DDZ) knüpft dabei an große internationale Beobachtungsstudien und Metaanalysen an, die einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem regelmäßigen Konsum zuckerhaltiger Getränke und einer Zunahme dieser Erkrankungen beschreiben. Im Kern geht es nicht um eine einzelne „Problemzutat“, sondern um das wiederholte Muster: Flüssige Kalorien gelangen rasch in den Stoffwechsel und können den Körper im Alltag wiederholt mit Zucker belasten, ohne dass Sättigungseffekte die Gesamtenergieaufnahme im gleichen Maß begrenzen.

Damit wird auch verständlicher, warum das DDZ in seiner Argumentation besonders auf typische Alltagsmengen schaut. Michael Roden vom Universitätsklinikum Düsseldorf (UKD) und dem DDZ nennt als Beispiel für herkö mmliche Cola: Ein halber Liter bringt rund 210 kcal und 53 g Zucker. Diese Menge entspricht etwa 18 Wü rfeln Zucker – ein Detail, das die Dimensionen verdeutlicht, mit denen Betroffene im Alltag konfrontiert sind, selbst wenn die Portion „nur“ nach einem Glas oder einer Flasche wirkt. Neben klassischen Softdrinks rü cken zudem Energy Drinks in den Fokus; ein hoher Konsum wird mit einem gesteigerten Risiko fü r Adipositas und Typ-2-Diabetes in Verbindung gebracht.

Interessant ist dabei auch die differenzierte Betrachtung von Fruchtsä ften. Obwohl sie in der Wahrnehmung vieler Verbraucher als natü rliche Produkte gelten, enthalten sie laut Roden ebenfalls erhebliche Zuckermengen. Entscheidend ist aus metabolischer Sicht weniger der „Label“-Effekt – sondern was der Kö rper daraus macht: Roden weist darauf hin, dass Fruchtzucker die Entstehung einer metabolischen Fettleber fö rdern kann. Diese Brü cke zwischen „Getränkewahl“ und „Folgeerkrankung“ ist fü r die praktische Prä vention bedeutsam, weil sie zeigt, dass auch scheinbar gesunde Alternativen bei unkritischem Konsum denselben Mechanismus anstoß en kö nnen.

Als wirksame Entlastung beschreibt das DDZ den Ersatz zuckergesü ß ter Geträ nke durch Wasser oder ungesü ß ten Tee. Das ist inhaltlich nicht neu, aber die Argumentation gewinnt an Schä rfe, sobald man die Mengen quantifiziert. Aus der Sicht der Prä vention liegt die Logik nahe: Je frü her vermeidbare Risikofaktoren reduziert werden, desto eher lassen sich langfristige Pfadabhä ngigkeiten im Stoffwechsel unterbrechen. Gleichzeitig betont die Einordnung, dass wer den Blutzucker stabil halten will, die „versteckten“ Gefahren nicht nur bei Geträ nken, sondern auch bei typischen Snacks und Alltagsroutinen im Blick behalten muss.

Parallel zur Debatte ü ber Ernä hrungsrisiken bewegt sich auch die Politik. Wie aus dem Prozess rund um das Bundeskabinett hervorgeht, soll eine Zuckersteuer auf Erfrischungsgeträ nke eingefü hrt werden: Geträ nke mit weniger als 5 g Zucker pro 100 ml blieben abgabenfrei. Ab einem Gehalt von 5 g ist eine Abgabe von 26 Cent je Liter geplant, ab 8 g Zucker steigt der Satz auf 32 Cent je Liter. Prof. Monika Hartmann von der Universitä t Bonn verweist dabei auf die Idee „leerer Kalorien“ – also Energie ohne nennenswerten ernä hrungsphysiologischen Ausgleich – und bewertet zuckergesü ß te Erfrischungsgeträ nke als besonders gesundheitsschä dlich.

Welche Wirkung eine solche Lenkungsabgabe entfalten kann, bleibt jedoch wissenschaftlich differenziert. Roden ordnet die Befunde so ein, dass der direkte Einfluss einer Zuckersteuer auf die Zahl der Diabetes-Neuerkrankungen bislang nicht abschließ end geklä rt ist. Gleichzeitig zeigen internationale Erfahrungen, dass sich positive Effekte zumindest in Teilbereichen einstellen kö nnen: So wird berichtet, dass in Groß britannien, wo eine ä hnlich gestaffelte Abgabe seit 2018 gilt, der Zuckergehalt betroffener Geträ nke bis 2024 im Schnitt um fast die Hä lfte gesunken sei. Unabhä ngig davon bleibt die sozialmedizinische Dimension zentral: Sozial benachteiligte Gruppen konsumieren im Mittel mehr gezuckerte Geträ nke und sind zugleich ü berdurchschnittlich hä ufig von Adipositas und Typ-2-Diabetes betroffen.

Fü r Unternehmen und Entscheider entsteht daraus eine klare Konsequenz: Prä vention endet nicht bei Kampagnen, sondern braucht messbare Hebel in Produktdesign, Portfolio-Strategie und Kommunikation. Wenn Abgaben nach Zuckergehalt gestaffelt werden, wirkt das wie ein externer Taktgeber fü r Rezepturä nderungen und Formulierungsentscheidungen – gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerb hin zu besseren Alternativen bei Geschmack und Alltagsbrauchbarkeit. In der Praxis dü rfte das vor allem die Frage nach Umstellungspfade beschleunigen, etwa wie schnell Hersteller Zuckergehalte reduzieren, ohne Konsummuster abrupt zu verändern, und wie begleitende Angebote (z. B. Wasser- oder Teealternativen) in Vertriebs- und Gastrokanä len sichtbar werden.


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