LONDON (IT BOLTWISE) – Delivery Hero erhöht die eigene Prognose für 2026: Beim bereinigten operativen Gewinn peilt der MDAX-Konzern nun 960 Millionen Euro bis 1 Milliarde Euro an. Auch beim Bruttowarenwert GMV und beim Gesamtumsatz erwartet das Unternehmen höhere Wachstumsraten, während der Free Cashflow stärker ausfallen soll als bisher. Hintergrund ist ein verbessertes erstes Halbjahr mit einem Anstieg des bereinigten EBITDA auf 426,7 Millionen Euro. Parallel bleibt die geplante Übernahme durch den US-Fahrdienstleister Uber ein zentraler Kurstreiber, nachdem dieser 41,50 Euro je Aktie geboten hat.

Die Delivery-Hero-Aktie steht vorbörslich zeitweise im Plus, und das ist weniger ein isolierter Kurstreiz als eine Reaktion auf eine konkret angehobene Ergebnis- und Umsatzsicht. Im zweiten Quartal meldete der Berliner Lieferkonzern Umsatz- und GMV-Wachstum oberhalb der Erwartungen, zugleich verringerte sich der Verlust unter dem Strich. Für Investoren ist vor allem die Richtung entscheidend: Die neue Guidance signalisiert, dass sich die operative Steuerung im Tagesgeschäft bereits in Zahlen übersetzt, statt nur in einer reinen „Hoffnung auf bessere Makrobedingungen“ zu bleiben.
Operativ greift Delivery Hero dabei auf drei Stellhebel zugleich: bereinigtes EBITDA, Bruttowarenwert (GMV) und Free Cashflow. Beim bereinigten operativen Gewinn nennt das Unternehmen für das Gesamtjahr nun 960 Millionen Euro bis 1 Milliarde Euro statt der zuvor kommunizierten oberen Zielspanne von 910 bis 960 Millionen Euro. Im ersten Halbjahr stieg das bereinigte EBITDA auf 426,7 Millionen Euro nach 411 Millionen Euro im Vorjahr; Konsensprognosen sahen zwar einen Rückgang auf 396 Millionen Euro vor, sodass die Abweichung in der Summe als „Execution“-Signal gelesen werden kann. Technisch betrachtet liegt die Aussage damit nicht nur in einer besseren Ergebniskennzahl, sondern auch in einer stabilen Kosten- und Erlösarchitektur, die offenbar auch in einem schwierigen Wettbewerbsumfeld funktioniert.
Daneben verschiebt sich die Wachstums-Story: Der Bruttowarenwert GMV soll nun um 9 bis 11 Prozent wachsen, statt um 8 bis 10 Prozent; 2025 lag der Wert bei 9,0 Prozent. Der Gesamtumsatz soll um 17 bis 19 Prozent zulegen statt um 14 bis 16 Prozent, wobei Delivery Hero ausdrücklich auf währungsbereinigte Werte sowie eine Like-for-Like-Basis verweist. Auch beim Free Cashflow hebt das Management die Erwartung an: mehr als 250 Millionen Euro statt mehr als 200 Millionen Euro. Solche Anpassungen haben an der Börse regelmäßig eine doppelte Wirkung. Erstens werden damit die Erwartungen an Marge und Kapitalbindung neu kalibriert. Zweitens verringert eine höhere Free-Cashflow-Zielgröße die Wahrscheinlichkeit, dass mittelfristig wieder stärker auf externe Finanzierung gesetzt werden muss.
Ein weiterer Baustein für die Marktreaktion ist der zeitliche Zusammenhang mit der Übernahmeofferte. Ende April hatte Delivery Hero die Guidance bereits etwas optimistischer gestellt, nur wenige Wochen später wurde Mitte Juli bekannt, dass der US-Fahrdienstleister Uber das Unternehmen komplett übernehmen möchte. Für diese geplante Transaktion nennt der Bericht 41,50 Euro je Aktie. Genau hier entsteht häufig ein Bewertungs-„Doppelregime“: operatives Update auf der einen Seite, M&A-Expectations auf der anderen. Selbst wenn der operative Pfad kurzfristig die Vergleichbarkeit verbessert, beeinflussen Merger-Szenarien die Risikoprämie, weil Anteilseigner typischerweise stärker auf Vollzugsaussichten, Zeitplan und regulatorische Prüfungen schauen.
Beim Blick auf die Detailkennzahlen fällt zusätzlich auf, dass sich die operative Ergebnisqualität zumindest im betrachteten Zeitraum nicht „weg-durch-margen“ erklärt. Die entsprechende Marge blieb stabil bei 1,7 Prozent; eine leichte Verschlechterung auf 1,6 Prozent war erwartet worden. Diese Konstanz ist für die Interpretation wichtig, weil Delivery Hero häufig an Wachstum, Skaleneffekten und Effizienzgewinnen arbeitet. Wenn die Marge trotz gesteigerter Aktivität nicht nennenswert leidet, wirkt das wie ein Hinweis darauf, dass das Unternehmen nicht nur mit höheren Umsätzen „arbeitet“, sondern zugleich Mechanismen nutzt, um Kosten pro Bestellung bzw. pro Plattformumsatz zu kontrollieren.
Für die Branche ist der Kern damit klar: Delivery Hero versucht, den klassischen Zielkonflikt zwischen Marktanteilsgewinnen und Profitabilität enger zu navigieren. Neben der Bewertung spielt dabei auch die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Plattform eine Rolle, etwa durch Automatisierung in der Dispatch-Logik, effizientere Angebots- und Nachfragesignale oder die Aussteuerung von Werbemaßnahmen. In der Praxis sind es solche Systeme, die sich in Kennzahlen wie GMV-Qualität, Wiederkaufsraten und der Entwicklung des Cashflows niederschlagen können. Dass Uber als potenzieller Käufer ausgerechnet in einem solchen Moment stärker in den Fokus rückt, passt zudem in ein Muster, das man in der Tech- und Mobility-Branche seit Jahren sieht: Plattformen versuchen, sich vertikal stärker zu verzahnen, statt lediglich punktuell zu kooperieren.
Unterm Strich liefert die angehobene Guidance ein klares Argument für die kurzfristige Kursbewegung: steigende Zielkorridore, ein besseres erstes Halbjahr als erwartet und ein Free-Cashflow-Ausblick oberhalb der bisherigen Spanne. Gleichzeitig bleibt die Aktie in einem Umfeld, in dem M&A-Nachrichten als „zweite Informationsschicht“ wirken. Für Investoren heißt das, die nächsten Schritte weniger als lineare Fortsetzung des operativen Plans zu betrachten, sondern als Zusammenspiel aus Umsetzung im Kerngeschäft und dem erwarteten Verlauf der Übernahmeprozesse. Genau dort entscheiden sich häufig, ob das Papier „nur“ das operative Momentum einpreist oder ob die Prämie aus dem Uber-Angebot vollständig und zeitnah realisiert wird.
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