BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Beim Deutschen Gründerpreis 2026 wurden sechs Unternehmen ausgezeichnet, darunter Proxima Fusion, DeepDrive, mtex antenna technology und Pixel Photonics. Die Finalisten decken Themen von Fusionsenergie über ressourcenschonende Metallbearbeitung bis hin zu hochempfindlichen Quantendetektoren ab. Zusätzlich überzeugte ein Team aus Würuelen mit einer Lösung für Öko-Streusalz. Damit rückt die Preisverleihung eine Mischung aus Energie- und Industrie-Engineering sowie skalierbarer Quantenhardware in den Fokus.

Die diesjährige Preisverleihung des Deutschen Gründerpreises hat vor allem eines sichtbar gemacht: Der Sprung von der Grundlagenidee in den Markt passiert derzeit oft an zwei Fronten gleichzeitig. Einerseits geht es um neue Energiequellen, andererseits um präzise Hardware für Industrie, Forschung und Kommunikation. In Berlin standen sechs Unternehmen im Finale, und die Spanne reicht von Fusionskraftwerken bis zu hochempfindlichen Einzelphotonendetektoren. Besonders auffällig ist dabei, wie stark sich die Gewinner auf physikalisch anspruchsvolle Komponenten fokussieren – also auf Bauteile, die nicht nur eine Software-Logik verändern, sondern ganze Mess-, Fertigungs- oder Energieprozesse.
Im Bereich „Startup“ gewann Proxima Fusion aus München mit einem klaren Zielbild: Aus dem Max-Planck-Institut für Plasmaphysik hervorgegangen, entwickelt das Unternehmen Fusionskraftwerke auf Basis der Stellarator-Technologie. Die Idee dahinter ist, aus jahrzehntelanger Grundlagenforschung eine CO2-freie, grundlastfähige Energiequelle zu machen. Was das für die technische Umsetzung bedeutet, liegt auf der Hand: Stellaratoren benötigen sehr präzise Magnet- und Feldgeometrien, um Plasma stabil zu halten, und diese Präzision wirkt bis in die Fertigungstiefe der Bauteile hinein. Genau an dieser Stelle entsteht die Brücke zu den weiteren „Startup“-Gewinnern, denn auch AdaptX Systems und Flybaby zeigen, wie sich Innovation in konkrete Produktionsschritte übersetzen lässt.
AdaptX Systems aus Berlin setzt bei der Metallbearbeitung direkt am Kontaktpunkt an und kühlt dort die Werkzeuge statt wie bisher üblich über Kühlschmierstoffe im großen Stil. Die Metapher „wie eine Klimaanlage“ beschreibt im Kern die Strategie: weniger Nebenverbrauch, dafür gezieltere Wärmeabfuhr. Dadurch soll die Menge der üblicherweise eingesetzten Kühlschmierstoffe sinken – ein Ansatz, der sowohl Ressourcen schont als auch potenziell die Prozessstabilität verbessert, weil die thermischen Bedingungen lokal steuerbarer werden. Flybaby, ebenfalls aus Berlin, verfolgt dagegen einen fast produktionstechnologischen End-to-End-Gedanken: Babytragen werden nahezu nahtlos direkt aus der 3D-Strickmaschine produziert. Die Gründerinnen Elisabeth und Gesine Hillmann verbinden Industriedesign mit moderner Stricktechnologie, sparen Materialabfall und kombinieren die Vorteile von Tragetuch und klassischer Trage. Dass das Produkt bereits in 13 Ländern erhältlich ist, zeigt, dass der Weg von der Fertigung bis zum Vertrieb in kurzer Zeit funktionieren kann.
In der Kategorie „Aufsteiger“ stand bei den prämierten Unternehmen weniger das Forschungsrisiko im Vordergrund, sondern die Skalierung bereits marktnaher Technologie. DeepDrive aus Garching entwickelte eine Doppelrotor-Technologie für Elektromotoren, die mit weniger Magnetmaterial und Eisen auskommen soll als herkömmliche Antriebe. Für Hersteller von Antriebssystemen ist das eine relevante Stellschraube, weil Materialkosten und Lieferkettenrisiken bei Motoren stark ins Gewicht fallen; zugleich kann ein effizienterer Aufbau zu günstigeren Produktionsrouten beitragen. Auch mtex antenna technology aus Wiesbaden adressiert eine industrielle Hebelwirkung: Das Unternehmen baut hochpräzise Antennen und Radioteleskope, empfängt Signale aus dem Weltall und steuert Raumsonden. Dass ein Vater-Sohn-Team dahintersteht, ist im Alltag für die technischen Vorteile nicht direkt entscheidend – aber es verweist auf die Kontinuität in der Fertigungs- und Messkompetenz, die solche Systeme brauchen.
Mit Pixel Photonics aus Münster kommt dann die Quantenkomponente ins Spiel, die stärker in Richtung „Zukunftshardware“ geht. Entwickelt werden hochempfindliche Einzelphotonendetektoren, mit denen sich einzelne Lichtteilchen nachweisen lassen. Solche Detektoren gelten als Schlüsselkomponente für Quantencomputer, für abhörsichere Kommunikation und für medizinische Diagnostik. Entscheidend ist hier nicht nur die physikalische Messfähigkeit, sondern die Frage, ob sich die Detektoren industriell skalieren lassen – genau das wollen die Gründer erreichen. In Summe zeigt die Zusammenstellung im Finale ein Bild: Für Quantenanwendungen reicht es nicht, nur Algorithmen zu verbessern; ohne robuste, wiederholbare Sensorik bleibt die Industrialisierung stecken. Die Jury hat mit dieser Auswahl also auch ein Signal gesetzt, wie stark echte Systemkomponenten inzwischen als Wettbewerbsfaktor zählen.
Ergänzend wurde ein Lebenswerk und ein Sonderpreis vergeben: Lebenswerk ging an Dirk Rossmann, der Sonderpreis an OMSS. Außerdem gewann das Schüler-Team „IceGreen“ aus Würselen für Öko-Streusalz. Diese Breite ist nicht nur Festival-Charme, sondern spiegelt unterschiedliche Innovationspfade wider: Energie- und Quantenhardware benötigen lange Entwicklungszyklen, während Nachhaltigkeitslösungen im Alltag oft schneller in Test- und Einsatzszenarien übergehen. Für Startups bedeutet das: Förder- und Wettbewerbsformate wirken besonders dann, wenn sie nicht nur Ideen würdigen, sondern auch die konkrete Umsetzungsfähigkeit adressieren – von der Fertigungskette bis zur Marktreife.
Für die Tech-Branche ist der Deutsche Gründerpreis 2026 damit mehr als eine PR-Schlagzeile. Die Sieger zeigen, dass aktuelle Innovationswellen in Deutschland stark in Richtung physischer Engpass-Kompetenzen laufen: stabile Energiequellen, präzise Kühl- und Fertigungsprozesse, effiziente Antriebstechnologien und quantentaugliche Messtechnik. Wer in solchen Feldern investiert oder eigene Produkte entlang derselben Systemgrenzen plant, kann daraus vor allem eines ableiten: Der Markt belohnt zunehmend Lösungen, die sich an messbare Randbedingungen koppeln lassen – etwa an Energieeffizienz, Materialeinsatz oder Detektionsgenauigkeit. Damit wird der Wettbewerb auch für Unternehmens- und Forschungskooperationen zu einem brauchbaren Einstiegspunkt, weil die ausgezeichneten Teams jeweils an klaren technischen Schnittstellen arbeiten.
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