BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Das Bundeskabinett hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der Papierbelege ab 2028 grundsätzlich durch digitale Belege ersetzen soll. Wer einkauft, soll damit häufiger einen elektronischen statt gedruckten Kassenbon erhalten. Gleichzeitig sollen Unternehmen mit mehr als 100.000 Euro Jahresumsatz ab 2028 elektronische Kassensysteme nutzen. Ausnahmen sind vorgesehen, unter anderem für niedrige Barumsätze unter 12.000 Euro pro Jahr.

Digitaler Kassenbon ab 2028: Pflicht für elektronische Belege und Kassensysteme
Digitaler Kassenbon ab 2028: Pflicht für elektronische Belege und Kassensysteme (Foto: IT BOLTWISE)
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Wer heute einen Kassenbon in der Hand hält, bekommt oft noch Papier – künftig soll das im Massenmarkt deutlich seltener werden. Das Bundeskabinett hat in Berlin einen Gesetzentwurf des Bundesfinanzministeriums (BMF) auf den Weg gebracht, der Papierbelege ab 2028 grundsätzlich durch digitale Belege ersetzt. Die Idee dahinter ist zweigeteilt: Für Bürgerinnen und Bürger sowie Unternehmen soll der Wechsel zu elektronischen Belegen Bürokratie reduzieren, gleichzeitig aber auch die Erfassungsqualität im Handel erhöhen. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) ordnete das Vorhaben dabei als Schritt ein, bei dem digitale Belege zur neuen Norm werden.

Technisch betrachtet bedeutet „digital“ in diesem Kontext nicht, dass jede Kasse automatisch eine App ersetzt, sondern dass Belegdaten in einem elektronisch bereitstellbaren Format entstehen und im Prozess der Kassenabrechnung mitgeführt werden. Für die Praxis heißt das: Unternehmen brauchen Wege, um Belege erzeugen, speichern und dem Kunden verfügbar machen zu können – etwa über ein elektronisches Konto, QR-basierte Übergaben oder eine Übergabe an eine hinterlegte digitale Identität. Entscheidend ist zudem die Nachweisführung im steuerlichen Kontext, denn Belege müssen maschinell auswertbar und konsistent bleiben, damit Prüfungen nicht an Medienbrüchen oder unvollständiger Dokumentation scheitern. Gerade deshalb zielt der Entwurf nicht nur auf den „Ausdruck“, sondern auf die gesamte Kasseninfrastruktur.

Der Gesetzentwurf knüpft seine Steuerungswirkung außerdem an Umsatzgrenzen und will damit dort regulieren, wo das Risiko für unvollständige Erfassung besonders groß sein kann. Nach den Angaben des BMF sollen Unternehmen mit einem Jahresumsatz von mehr als 100.000 Euro ab 2028 elektronische Kassensysteme nutzen. Hintergrund ist die Beobachtung, dass es in Deutschland noch offene Ladenkassen gibt, bei denen Einnahmen teils handschriftlich erfasst werden oder gar nicht. Das BMF macht dafür explizit geltend, dass diese Lücken Steuerhinterziehung begünstigen können, also nicht nur buchhalterisch, sondern auch in der Kontrolllogik der Behörden problematisch sind.

Um den Effekt nicht ins Leere laufen zu lassen, setzt der Entwurf zugleich auf Ausnahmen, die den Alltag kleiner Betriebe berücksichtigen sollen. So ist vorgesehen, dass wer im Jahr weniger als 12.000 Euro Barumsatz erzielt, keine elektronische Kasse nutzen muss. Weitere Ausnahmen sollen unter anderem Vertrauenskassen auf Selbsternte-Feldern sowie die Direktvermarktung in landwirtschaftlichen Betrieben betreffen. Damit wird der Regulierungsrahmen sehr selektiv: Der Gesetzgeber will offenbar die technischen und organisatorischen Hürden dort begrenzen, wo Prozesse typischerweise stark standardisiert sind und der Bedarf an digitaler Erfassung geringer sein könnte.

Für den Markt ist das Timing besonders relevant. Ein Stichtag 2028 zwingt Händler, Systemhäuser und Kassenhersteller, ihre Roadmaps jetzt an der gesetzlichen Zielrichtung auszurichten: von der Umstellung der Kassensoftware über die Datenmodellierung der Belege bis hin zur Frage, wie lange Daten revisionssicher vorgehalten werden. Gleichzeitig verschiebt sich der Wettbewerbsdruck in Richtung Lösungen, die nicht nur „Ausgabeformate“ liefern, sondern auch betriebliches Lifecycle-Management beherrschen – also Updates, Protokollierung und Schnittstellen zu Buchhaltung oder Warenwirtschaft. In der Praxis entscheidet sich dann, ob ein Kassensystem als austauschbares Endgerät oder als Plattform für durchgängige Compliance und Reporting verstanden wird.

Für Unternehmen bedeutet das Vorhaben vor allem Planbarkeit: Wer heute Belege ausdruckt, muss rechtzeitig prüfen, wie Kundenbelege künftig zugestellt werden, welche Betriebsabläufe betroffen sind und ob die Kassensoftware die neuen Anforderungen bereits heute vorbereitet oder erst mit einem Update abbilden kann. Auch organisatorisch entsteht Handlungsbedarf, etwa bei Schulungen an der Kasse, bei der Umstellung von Prozessen im Tagesgeschäft und bei der Abstimmung mit steuerlichen Beratern. Das BMF verknüpft den Schritt dabei bewusst mit einem klaren Leitmotiv, nämlich dass nicht die Ehrlichen die Benachteiligten sein sollen, während die Möglichkeiten zum Missbrauch eingeschränkt werden.

Offen bleibt in dem Entwurfstext zunächst, wie die konkreten technischen Übergaben im Detail ausgestaltet werden, insbesondere wenn es darum geht, unterschiedliche Händlerkonstellationen in einen einheitlichen Belegprozess zu bringen. Dennoch ist die Richtung deutlich: Ab 2028 sollen digitale Belege Papier im Normalfall ablösen, während elektronische Kassensysteme vor allem bei größeren Umsätzen verpflichtend werden. Für die nächsten Jahre wird daher weniger die Grundidee im Mittelpunkt stehen, sondern die konkrete Umsetzungsfähigkeit in heterogenen IT-Landschaften – von kleinen Filialnetzen bis zu Einzelläden. Unternehmen, die den Wechsel jetzt als Projekt planen, verschaffen sich damit einen zeitlichen Vorsprung gegenüber der späten „Push“-Phase rund um den Stichtag.


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