LONDON (IT BOLTWISE) – DJI ergänzt seine kompakte Wireless-Mikrofonserie mit dem Mic Mini 2S und schließt damit eine Schwachstelle der Vorgänger. Die Sender nehmen intern mit 32-Bit-Float auf, wodurch bei übersteuertem Audio selbst bei Fehlern noch mehr Spielraum bleibt. Dazu kommen bis zu vier gleichzeitige Sender per Empfänger und eine App-gestützte Rauschunterdrückung. Entscheidend ist, dass damit nicht nur Komfort, sondern auch ein echtes Backup für Creator ohne Profi-Audio-Workflow entsteht.

DJI hat beim Mic Mini 2S vor allem an der Stelle nachgelegt, an der viele professionelle Creator beim Mic Mini 2 gezögert haben: fehlende interne Aufzeichnung. Genau dieses Detail entscheidet in der Praxis über den Workflow, denn ein Funkmikrofon ist immer dann kritisch, wenn etwas Unerwartetes passiert – ein Pegel steigt zu spät an, ein Windgeräusch überlagert, oder der Clip auf der Kamera wird zu schnell zur Sackgasse. Der Mic Mini 2S adressiert das, indem die Sender nun intern mit 32-Bit-Float aufzeichnen. Damit bleibt nach der Aufnahme deutlich mehr Dynamik- und Entzerrungsspielraum, was sich in typischen Fehlerfällen wie „zu hoch gefahrenem Gain“ besonders stark bemerkbar macht.
Technisch bleibt das Gerät dabei konsequent in der Tiny-Form. Die Sender wiegen weiterhin nur um die 12 Gramm, und die zusätzliche Masse kommt von dem größeren internen Speicher: Pro Sender sind 14,5 GB integriert. Laut Herstellerangaben reichen diese für etwa 28 Stunden bei 24-Bit oder rund 22 Stunden bei 32-Bit-Float pro Mikrofon. Interessant ist außerdem, dass DJI mehrere Kleinigkeiten am Gehäuse verändert hat: Die Abdeckung wirkt minimal transparenter, außerdem gibt es ein „Mini 2S“-Logo auf dem Sender sowie farbige Elemente, die sich in das mitgelieferte Set aus Mikrofonabdeckungen einpassen. Wer seine Videos strikt ohne sichtbares Branding halten will, wird allerdings weiterhin einen Filter oder eine Lösung für das Logo brauchen – DJI stellt dafür in diesem Paket vor allem die passenden Abdeckungen bereit.
Beim Setup punktet das Mic Mini 2S mit einer Mischung aus einfacher Bedienung und erwachsener Erweiterbarkeit. Je nach Kit bekommt man entweder einen Smartphone-Empfänger mit USB-C-Anschluss oder einen Kamera-Empfänger mit 3,5-mm-Mikrofoneingang und Kabel für spiegellose Systeme. Der Kamera-Empfänger übernimmt außerdem das Hot-Shoe-Handling und bietet einen Lautstärkeregler sowie Bedienelemente für Strom und Bluetooth. Die große System-Option ist die Unterstützung von bis zu vier Sendern gleichzeitig; dafür zeigt der Empfänger per nummerierten LEDs an, welche Kanäle verbunden sind. Genau an dieser Stelle liegt ein klares „Pro-Plus“ gegenüber einfacheren Einstiegslösungen, weil Creator damit Interviews, wechselnde Sprecher oder mehrere Quellen in einem Lauf abdecken können.
In der Bedienlogik bleibt DJI seinen Grundprinzipien treu: Sender anstecken, Empfänger verbinden, automatisch koppeln, dann am Empfänger den Dial-Pegel setzen. Für die Audiotrennung gibt es jedoch Settings, die man vor dem Dreh kurz prüfen muss. Ein Doppelklick auf die Link-Taste schaltet zwischen Mono und Stereo um, sodass bei zwei Mikrofonen jeweils ein Sender links und der andere rechts landet. Wenn vier Mikrofone im Spiel sind und die Trennung nicht verloren gehen soll, empfiehlt sich die interne Aufzeichnung pro Mikrofon. Für die 32-Bit-Float-Funktion, Loop Recording sowie weitere Tools braucht man die Steuerung über die Mimo-App: Dort lässt sich 32-Bit-Float aktivieren, außerdem arbeitet eine Loop-Option so, dass bei vollem Speicher die ältesten Abschnitte überschrieben werden.
Bei der Audioqualität zeigt sich, wo das System wirklich reift. Aufnahmen mit 48 kHz und 24 Bit klingen laut Testsetup klar und verständlich, allerdings zunächst mit einer Tendenz zu weniger Bass. Das lässt sich über die Voice-Tone-Presets abfedern; besonders „Rich“ hebt die wahrgenommene Tiefe, ohne dass man zwingend im Post-Processing stark eingreifen muss. Beim Feinschliff ist auch die AI-gestützte Rauschunterdrückung relevant: Im Basic-Modus gibt es messbaren Abbau, im Mic Mini 2S fällt die Verschlechterung der Stimmqualität aber geringer aus als beim Vorgänger. Gleichzeitig bleiben Verzerrungen bei stärkerer Rauschunterdrückung weiterhin ein Thema – nur eben so, dass nicht-verbale Frequenzen nicht ganz so hart „abgeschnitten“ werden. Entscheidend ist: Die 32-Bit-Float-Aufnahme spielt ihre Stärken vor allem dann aus, wenn der Pegel wirklich daneben liegt.
Genau das wurde im Test durch einen klassischen Fehlerfall demonstriert: In der Praxis wurden die Pegel am Setup nahe an die rote Zone gefahren und die interne Aufnahme dann später in DaVinci Resolve Studio korrigiert. Während die Clips bei „normalem“ 24-Bit-Audio nach dem Übersteuern deutlich unbrauchbar werden, lässt 32-Bit-Float selbst bei starkem Clipping noch saubere, verzerrungsfreie Ergebnisse erwarten. Für viele Creator ist das der Unterschied zwischen „wir müssen neu drehen“ und „wir retten es zumindest teilweise“. Marktseitig nimmt DJI damit direkt Druck aus einem Segment, in dem es für kleine Funkstrecken bisher entweder wenig interne Redundanz oder höhere Preise gab. Als Alternativen werden beispielsweise Rode Wireless Pro und Sennheiser Pro Audio Profile Wireless mit ebenfalls 32-Bit-Float genannt, während DJI selbst zusätzlich noch das Mic 3 positioniert – je nach Region und Verfügbarkeit ist der Mic Mini 2S damit für viele die ausgewogenste Option.
Preislich ist der Mic Mini 2S auf die Zielgruppe zugeschnitten: Für den Kamera-Kit-Preis nennt der Test je nach Region etwa 169 oder 189 Euro und für den Smartphone-Kit 79 beziehungsweise 99 Euro. Dazu kommt ein klarer Wettbewerbsvorteil in der Praxis: Mit internem 32-Bit-Float entfällt das Risiko, dass ein Backup fehlt, wenn der normale Signalweg scheitert. DJI erreicht damit nicht nur „mehr Funktionen“, sondern schließt eine Lücke, die gerade daten- und workfloworientierte Teams zuvor von der Mic-Mini-Linie ferngehalten haben. Wer allerdings ausschließlich Broadcast-Qualität in der ersten Stufe erwartet, sollte die Grenzen mitdenken: Die Stimmwiedergabe erreicht nicht ganz das Niveau sehr hochwertiger Profi-Lavalier-Mikrofone. Für die große Mehrheit der Content-Produktionen ist der Mic Mini 2S dennoch genau die Art von Upgrade, das man spürbar im Alltag merkt.
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