BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Der Bauernverband warnt wegen anhaltender Trockenheit im Sommer vor massiven Ernte-Einbußen bis hin zu Totalausfällen. Vor allem Süddeutschland spüre den Effekt bereits deutlich, während die Lage im Norden lokal etwas besser sei. Der Verband rechnet zudem mit Ertragseinbußen bei Herbstkulturen und kritisiert, dass viele Betriebe die steigenden Kosten kaum noch tragen können. Gleichzeitig fordert er Soforthilfen, darunter eine Aufstockung bei geplanten EU-Düngemittelbeihilfen und zeitnahe Liquiditätsbrücken für den Übergang.

Dürre bedroht Ernte: Bauernverband warnt vor Totalausfällen und fordert Soforthilfen
Dürre bedroht Ernte: Bauernverband warnt vor Totalausfällen und fordert Soforthilfen (Foto: IT BOLTWISE)
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Die Trockenheit in diesem Sommer macht der Landwirtschaft nicht nur einzelne Schlagflächen zu schaffen, sondern schlägt zunehmend auf die gesamte Ernteplanung durch. Laut Bauernverband müssen Landwirte in Deutschland mit unterdurchschnittlichen Ergebnissen bei mehreren Kulturen rechnen; teils seien sogar Totalausfälle möglich. In der aktuellen Einschätzung geht es dabei besonders um Getreide, insbesondere Weizen, sowie Raps. Der Hinweis ist mehr als eine Wetterbeobachtung: Für Betriebe bedeutet ein schlechter Ertrag unmittelbar weniger Erlös, aber häufig zugleich hohe Fixkosten für Betriebsmittel, Logistik und die nächste Anbauphase.

Die regionalen Unterschiede folgen einem Muster, das in den vergangenen Jahren immer wieder sichtbar war: Wo die Niederschläge nur kurz oder sehr schwach ausfallen, kippt das Wachstum schneller. Der Bauernpräsident Joachim Rukwied sieht größere Schäden vor allem in Süddeutschland. Er verwies auf einen besonders geringen Regen in seinem Heimatumfeld in Baden-Württemberg: Im Juli seien es elf Millimeter gewesen, im August bisher acht. Das größte Regenereignis im Juli brachte laut seiner Darstellung nur drei bis vier Millimeter; damit „verpuffe“ der Effekt. Während im Norden nach dieser Darstellung häufiger etwas Regen gefallen ist und die Bestände dort noch akzeptabel wirkten, deutet die Tendenz auch dort auf unterdurchschnittliche Ernten hin.

Technisch betrachtet treffen Dürreperioden die Landwirtschaft in mehreren Phasen gleichzeitig. Erstens leidet die Pflanzenentwicklung durch fehlende verfügbare Bodenfeuchte, zweitens verschiebt sich die Erntequalität und drittens gerät die Futterversorgung in den Fokus. Genau das betont der Verband mit Blick auf Gras und Heu von Wiesen: Wenn in südlichen Teilen kein Futter mehr nachwächst, wird die Tierhaltung kurzfristig zur Stellschraube. Vereinzelt gehen Höfe demnach dazu über, Tiere früher als geplant zu schlachten. Für die Betriebe ist das ein weiterer Einschnitt, weil dadurch nicht nur Produktionspläne, sondern auch Vermarktungszyklen und Einkommensstabilität betroffen sein können.

Die finanziellen Folgen werden inzwischen in klaren Größenordnungen beschrieben. Nach Angaben, die der Deutsche Raiffeisenverband für eine Schätzung bereits vorgelegt haben soll, könnte die Getreideernte 2026 auf 40,6 Millionen Tonnen sinken, nach 45 Millionen Tonnen im Jahr 2025. Der Verband beziffert zudem Verluste in der Hitze- und Dürreperiode Mitte Juni: In diesem Zeitraum seien rund drei Millionen Tonnen Getreide und Raps verloren gegangen. Aus Sicht des Verbandes entspricht das Einnahmeverlusten von 600 Millionen Euro. Gleichzeitig betont der Bauernverband, dass das Thema nicht mit der Ernte 2026 endet: Für die Herbstkulturen zeichne sich ebenfalls ab, dass mit erheblichen Ertragseinbußen zu rechnen sei, darunter bei Kartoffeln, Gemüse, Zuckerrüben, Körnermais und Sojabohnen.

Im Gespräch über Gegenmaßnahmen wird auch die Frage nach Beregnung und Anpassungsstrategie schnell konkret. Rukwied äußerte sich zurückhaltend zur künstlichen Bewässerung und ordnete sie mit einer klaren Größenordnung ein: Beregnet werden könne in Deutschland in etwa drei Prozent der Fläche. Sein Argument lautet, dass sich das wirtschaftlich nur bei Obst und Gemüse rechne. Technisch bleibt damit der Fokus eher auf „intelligenterer“ Ressourcensteuerung: Überlegungen, im Winter Wasser zu sammeln und es später zur Beregnung einzusetzen, tauchen als Option auf. Daneben nennt der Verband die Zucht und Erhaltung widerstandsfähiger Pflanzensorten gegen Hitze als zentralen Hebel, weil sie die Notwendigkeit teurer Zusatzmaßnahmen im Feld reduzieren können.

Die politischen Forderungen zielen deshalb auch auf kurzfristige Liquidität und direkte Kostenentlastung. Der Bauernpräsident fordert schnelle Hilfen für die Branche und nennt als Beispiel die EU-geplanten Düngemittelbeihilfen: Statt 60 Millionen Euro sollen diese national auf 180 Millionen Euro aufgestockt werden. Ebenso soll es bei der EU-Agrarfinanzierung eine Vorziehung geben, bei den Direktzahlungen von Dezember auf Oktober mit dem Ziel, die Zahlungsfähigkeit in der Anbau- und Bewirtschaftungsphase zu stützen. Zusätzlich fordert der Verband eine Senkung der Dieselsteuern bis Ende November. Hintergrund ist, dass zu Jahresbeginn bereits Steuerentlastungen beim Agrardiesel und bei den Stromkosten in Kraft getreten waren; die neue Situation stellt diese Entlastungen jedoch in Frage, weil die Kostenbelastung offenbar gleichzeitig weiter steigt.

Ein wichtiger Teil der Lagebeschreibung ist die Aussage zur aktuellen Wirtschaftsdynamik in den Betrieben: hohe Kosten bei Betriebsmitteln treffen auf niedrige Preise für Produkte. Rukwied schildert, dass einzelne Kollegen ihre Rechnungen für Pflanzenschutz- und Düngemittel nicht mehr bezahlen könnten und dann zur Bank gehen müssten. Für die Branche ist das ein Risiko, das über die Ernte hinauswirkt: Wenn Kreditlinien enger werden oder Konditionen steigen, leidet die Fähigkeit, rechtzeitig einzukaufen, Arbeitsplanung umzusetzen und Investitionen in Technik vorzubereiten. In diesem Zusammenhang spricht auch die Politik von der Notwendigkeit, Betriebe nicht „allein“ zu lassen, und es wird die Idee eines Krisenfonds sowie der Ausbau von krisenfesten Strukturen in der Landwirtschaft genannt.

Dass Länder für Hilfszahlungen bei Extremwetter zuständig sind und der Bund bei entsprechenden Voraussetzungen beteiligt werden kann, ordnet die föderale Logik der Agrarfinanzierung ein. Maßgeblich ist laut Darstellung eine Einstufung als „Ereignis von nationalem Ausmaß“, wobei die Entscheidung sich erst Ende August belastbar bewerten lassen soll. Bundesagrarminister Alois Rainer hatte zudem von einer „ernsthaften Belastung“ gesprochen und zugesichert, betroffene Betriebe nicht allein zu lassen. Für die Praxis heißt das: Die Landwirtschaft muss in den nächsten Wochen mit Unsicherheit über das finale Ausmaß und die Verteilung konkreter Hilfen weiterarbeiten. Gleichzeitig wird die nächste Wachstumsperiode immer schneller relevant, sodass Anpassung, Liquiditätsplanung und die Frage nach robusteren Anbau- und Bewässerungskonzepten zusammen gedacht werden müssen.

Wie sich die Lage entwickelt, hängt daher nicht nur von den Wetterdaten ab, sondern auch davon, wie rasch Finanzierungs- und Förderinstrumente greifen. Die angekündigte genauere Bilanz der Ernte 2026 soll der Bauernverband am kommenden Dienstag vorstellen. Bis dahin wird in vielen Betrieben vermutlich bereits entschieden, welche Schläge priorisiert werden, ob Vermarktungs- und Futterpläne angepasst werden und wie viel Liquidität im Risiko-Management übrig bleibt. Gerade für Unternehmen entlang der Agrar- und Verarbeitungswertschöpfungskette entsteht daraus ein Planungsdruck, weil Mengen, Qualitäten und Zeitpunkte der Belieferung spürbar schwanken können. Unterm Strich zeigt die aktuelle Lage damit, wie eng Wetterrisiken, Agrarökonomie und politische Handlungsfähigkeit inzwischen verzahnt sind.


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