BERLIN / LONDON (IT BOLTWISE) – Die Deutsche Umwelthilfe weist in Supermärkten weiter eine hohe Verpackungsquote nach. Besonders bei Obst und Gemüse liegen Discounter in den untersuchten Filialen bei rund 68 Prozent Verpackungsanteil. In Biomarkt-Ketten schneiden Alnatura, Denns und Bio Company deutlich besser ab, während bei Getränken Einwegflaschen dominieren. Die DUH kritisiert, dass Freiwilligkeit nicht ausreicht und fordert verbindliche Regeln für Mehrweg.

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sieht die Fortschritte bei weniger Verpackungsmüll in deutschen Supermärkten weiterhin als zu langsam. Laut der Analyse bleiben viele Produkte in umweltschädlichen Verpackungen in den Regalen von großen Ketten und Discountern präsent. „Noch immer bestimmen Einweg-Flaschen, Dosen und unnötig vorverpackte Lebensmittel die Regale großer Supermärkte und Discounter“, sagte DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Der Bericht wirkt damit wie ein Stresstest für bestehende Vermarktungs- und Einkaufsstrategien: Selbst dort, wo Verbraucher in Umfragen Mehrweg oder lose Ware bevorzugen, entscheiden am Ende Auswahlkriterien im Handel über die tatsächliche Verpackungstiefe.
Rein mengenbezogen zeigt die DUH-Studie bei Obst und Gemüse ein deutliches Gefälle zwischen Discountern und Vollsortimentern. In den untersuchten Filialen der Discounterketten liegt der Verpackungsanteil demnach bei rund 68 Prozent. Bei Vollsortimentern – zu denen die DUH Rewe, Edeka und Kaufland zählt – liegt er mit 58 Prozent etwas niedriger. Der Unterschied ist nicht nur ein Detail für die Nachhaltigkeitskommunikation, sondern beeinflusst direkt die Müllströme: Mehr Verpackung bedeutet in der Regel mehr Materialmix, mehr Transportvolumen und häufig einen größeren Anteil an Einwegkomponenten, die im End-of-Life-Handling schlechter abschneiden.
Dass es auch anders geht, führen die Studienautoren über die Biomarkt-Ketten Alnatura, Denns und Bio Company aus. Dort lag der Verpackungsanteil bei Obst und Gemüse im Schnitt bei lediglich 16 Prozent. In der Untersuchung gilt das als ein praktisches Gegenbeispiel: Lose Ware, Mehrwegsysteme oder konsequentere Sortimentsgestaltung können den Verpackungsdruck senken, ohne dass das Warenangebot zwingend „schmaler“ werden muss. Interessant ist dabei auch, dass die DUH nicht nur zwischen Kettentypen vergleicht, sondern Verlaufstendenzen betrachtet: Bei den Biomärkten ist laut Bericht zwar grundsätzlich der Wert niedrig, doch er ist nicht in jedem Fall konstant geblieben.
Besonders kritisch werden die Ergebnisse bei Getränken, weil sich hier die Verpackungsform unmittelbar im Konsumverhalten widerspiegelt. In den untersuchten Filialen der Discounterketten Lidl sowie Aldi Nord und Aldi Süd wurden Wasser, Saft, Softdrinks und Bier ausschließlich in Einwegflaschen verkauft. Bei Vollsortimentern war die Mehrwegquote demgegenüber deutlich höher. Genau an dieser Stelle adressiert die DUH auch die strategische Frage hinter den Zahlen: Wenn Einweg bei zentralen Getränkekategorien „Default“ ist, entsteht ein Systemeffekt, der Mehrweg-Nutzung strukturell begrenzt. Barbara Metz brachte es dabei auf den Punkt: „Freiwilligkeit funktioniert nicht“ – und fordert politisch verbindliche Regeln auch beim Thema Mehrweg.
Die Studie wurde in einem nicht repräsentativen Design durchgeführt, bietet aber dennoch belastbare Indikatoren. Die DUH untersuchte zwischen April und August dieses Jahres das Angebot in insgesamt 48 Filialen. Jeweils vier Filialen kamen aus Aldi Süd, Aldi Nord, Lidl, Penny, Netto, Norma sowie aus Rewe, Edeka, Kaufland, Alnatura, Denns Biomarkt und Bio Company. Die Kontrolle erfolgte für verschiedene Produkte aus definierten Produktgruppen anhand eines standardisierten Testbogens mit Fokus auf Verpackungen. Zusätzlich fällt auf, dass der Bericht auch Zunahmen über die Zeit beschreibt: Bei verpacktem Obst und Gemüse stieg der Anteil in den Alnatura-Märkten auf 11 Prozent, bei Bio Company auf 15 Prozent und bei Denns auf 17 Prozent. Beim Discounter Netto kletterte der Verpackungsanteil im selben Zeitraum sogar um 16 Prozentpunkte auf 74 Prozent.
Für Unternehmen im Handel und in der Zulieferkette ist die Botschaft damit zweigeteilt: Erstens werden Verpackungsentscheidungen nicht als Nebenprodukt, sondern als messbare Größe sichtbar – mit klaren Vergleichswerten je Kettentyp. Zweitens verschiebt die Forderung nach verbindlichen Mehrweg-Regeln den Bereich der Wirtschaftlichkeit. Anbieter müssen dann nicht nur Verpackungen austauschen, sondern auch Logistik, Pfandsysteme, Rücknahmeprozesse und mögliche Lieferkettenrisiken neu auslegen. Gleichzeitig zeigt der Biomarkt-Ansatz, dass niedrigere Verpackungsquoten operativ realisierbar sind; der Hebel liegt vermutlich weniger in „Technik“, sondern in Sortiments- und Prozessdisziplin, etwa bei der Abfüll- und Verpackungstiefe sowie der Verfügbarkeit lose geführter Ware.
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