LONDON (IT BOLTWISE) – FeRD und FNFE-MPE verschieben die Veröffentlichung der neuen E-Rechnungs-Standards ZUGFeRD 2.5 und Factur-X 1.09. Als Hauptgrund nennen die Gremien die laufende Überarbeitung der EU-Norm EN 16931, an die die Formate angepasst werden müssen. Ein erster Veröffentlichungsschritt mit aktualisierten Codelisten und Frankreich-spezifischen Anforderungen ist bereits am 10. Juni 2026 erfolgt. Der zweite Schritt mit technischen Funktionen für Bruttorechnungen hat noch keinen konkreten Termin.

Die für den 20. Mai 2026 angekündigte Bereitstellung neuer E-Rechnungs-Spezifikationen rückt für viele Unternehmen spürbar nach hinten. FeRD und FNFE-MPE haben die Veröffentlichung der nächsten Versionen der Formate ZUGFeRD 2.5 und Factur-X 1.09 verschoben. Hintergrund ist nicht ein Stillstand in der Praxis, sondern eine zwingende Anpassung an die europäische Norm EN 16931, die derzeit überarbeitet wird. Damit ändern sich für Softwarehäuser und Betreiber von Buchhaltungsprozessen die Planungsannahmen: Wer die Spezifikationen bereits jetzt einrollen will, muss die nächste EN-16931-Fassung abwarten oder zumindest mit späteren Mapping- und Validierungsroutinen rechnen.
Auch wenn der Termin für die aktualisierte Basisversion nach hinten wandert, folgt die Standardarbeit einem geregelten, mehrstufigen Prozess. Laut Mitteilung wurde bereits am 10. Juni 2026 ein erster Schritt abgeschlossen. Dabei aktualisierten die Gremien Codelisten und definierten Anforderungen, die speziell für das kommende B2B-Mandat in Frankreich relevant sind. Das ist für die Implementierung wichtig, weil Codelisten häufig die Grundlage für die technische Konsistenz sind: Sobald etwa Codes für Steuerkategorien, Versandarten oder Abrechnungsdetails abweichen, müssen Parser, Validierer und Prüfregeln nachgezogen werden, sonst scheitert die Datenverarbeitung bereits im frühen Import- oder Übertragungsstadium.
Offen bleibt zum zweiten Veröffentlichungsschritt, der noch aussteht. Er soll unter anderem technische Funktionen für Bruttorechnungen integrieren. Gerade in der Praxis ist das relevant, weil Bruttorechnungen andere Interpretationen und Konsistenzprüfungen auslösen können als Formate, die primär mit Nettobasis und separaten Steuerfeldern gerechnet haben. Zwar nennen FeRD und FNFE-MPE bislang keinen konkreten Termin für diesen zweiten Teil, doch die Richtung ist klar: Die Format-Spezifikationen sollen die Abbildung mehrerer Abrechnungslogiken robuster unterstützen. Für Unternehmen bedeutet das, dass Tests nicht nur auf „bestehende Belegfälle“ beschränkt sein dürfen, sondern auch auf Varianten, die den Brutto-/Netto-Mechanismus im Rechnungsdatenmodell widerspiegeln.
Technisch lohnt zusätzlich die saubere Abgrenzung zwischen ZUGFeRD und XRechnung, weil dadurch oft Missverständnisse in Projekten entstehen. ZUGFeRD wird international als Factur-X bezeichnet und gilt als hybrides Rechnungsformat: Es kombiniert eine PDF/A-3-Datei mit einer integrierten XML-Struktur. Das Ergebnis ist zweigeteilt gedacht – einerseits bleibt die Rechnung für Menschen lesbar, andererseits kann die XML-Komponente automatisiert verarbeitet werden, etwa beim Import in ERP- oder Buchhaltungssysteme. XRechnung folgt dagegen ebenfalls der EN-16931-Struktur, verzichtet jedoch auf die visuelle PDF-Komponente. Es ist damit rein XML-basiert und für vollständig maschinelle Verarbeitung ausgelegt. Im Business-to-Government-Kontext (B2G) kommt zudem die Leitweg-ID hinzu, die im Feld BT-10 verpflichtend anzugeben ist, um die Zustellung an öffentliche Auftraggeber sicherzustellen. Für Integrationsprojekte bedeutet das: Middleware und Validierungslogik sollten formatabhängig getrennt testen – nicht nur „ein EN-16931-kompatibles XML“, sondern die tatsächlich geforderten Felder je Zielkontext.
Parallel zur Formatentwicklung reagiert der Softwaremarkt auf regulatorische Anforderungen, ohne auf die letzte Spezifikations-Stufe warten zu müssen. So veröffentlichte ein Anbieter von Agentursoftware am 18. August 2026 Version 8.1 und positionierte damit E-Rechnungs-Funktionen im Produkt. Für Anwender heißt das: Viele Workflows werden derzeit bereits so gebaut, dass sie unterschiedliche Ausgangsformate akzeptieren und in die eigenen Buchhaltungs- oder Archivierungsprozesse übersetzen. In den konkreten Funktionsbeschreibungen tauchen dabei typische Integrationsthemen auf – etwa die Unterstützung von XRechnung im UBL-Format sowie spezielle Konfigurationsmöglichkeiten für ZUGFeRD. Das zeigt, wie stark die Implementierung nicht nur an einem „Standardnamen“, sondern an konkreten Datenpaketen hängt: UBL kann je nach Systemkonfiguration und Zielschnittstelle zusätzliche Unterschiede in der Struktur mitbringen, die nur mit entsprechendem Mapping sauber auffangen lassen.
Daneben treiben Anbieter auch Automatisierung innerhalb der Belegerfassung voran. In der aktuellen Software-Version wird etwa ein KI-Assistent namens eVA genannt, der in den Prozess integriert sein soll. Außerdem wird eine branchenspezifische Lösung mit Fokus auf Handwerksbetriebe hervorgehoben, die neben dem DATEV-Export auch die Formate ZUGFeRD und XRechnung unterstützt. Solche Kombinationen sind in der Umsetzung entscheidend, weil viele Unternehmen nicht bei der reinen Rechnungsübertragung stehen bleiben, sondern die Belege anschließend in nachgelagerte Systeme überführen: Klassische Aufgaben sind Plausibilisierung, Zuordnung zu Kostenstellen oder Projekten sowie die Archivierung in Formaten, die im Audit-Fall nutzbar bleiben. Wer hier zu spät testet, riskiert Inkonsistenzen zwischen dem, was im Archiv „lesbar“ dokumentiert ist (PDF-Anteil) und dem, was technisch als XML-Datensatz weiterverarbeitet wurde.
Finanziell und organisatorisch stellt sich für IT- und Buchhaltungsverantwortliche damit vor allem die Frage, wie flexibel die eigenen Prozesse auf spätere Spezifikationsänderungen reagieren. Ein Beispiel für die Vermarktung solcher Funktionen sind zwei Preismodelle: Ein Pro-Abo wird mit 29,90 Euro pro Monat angegeben, während eine Starter-Variante für 12,90 Euro pro Monat verfügbar sein soll. Diese Spanne ist nicht nur ein Marketingdetail, sondern spiegelt häufig wider, wie stark Funktionsumfang und Integrationsgrad in Stufen angeboten werden – und damit auch, wie viel Aufwand Anwender in ein späteres Re-Konfigurieren investieren müssen. Für Unternehmen empfiehlt sich daher, E-Rechnung nicht als einmaliges Formatprojekt zu behandeln, sondern als fortlaufende Schnittstellenpflege: Parser- und Validierungslogik sollten versionierbar sein, Testdatensätze sollten die relevanten Codelisten-Updates abdecken, und die Brutto-/Netto-Varianten müssen in der nächsten Spezifikationsrunde wieder erneut durchlaufen.
Unterm Strich verknüpfen FeRD und FNFE-MPE zwei Entwicklungen: Einerseits verschieben sie die nächste Veröffentlichung von ZUGFeRD 2.5 und Factur-X 1.09 wegen EN 16931, andererseits liefern sie bereits Zwischenergebnisse, darunter die am 10. Juni 2026 aktualisierten Codelisten und Frankreich-spezifischen Anforderungen. Gleichzeitig zeigt der Blick auf Software-Updates, dass viele Anbieter die Integration bereits parallel zur Spezifikationsarbeit vorantreiben – mit XRechnung-Unterstützung, UBL-Importen und konfigurierbaren ZUGFeRD-Setups. Für die nächsten Monate heißt das: Wer jetzt vorbereitet, muss besonders genau auf die Versionierung und auf die Abgleichbarkeit zwischen PDF/A-Anteil und XML-Struktur achten, damit die nächste Spezifikationsrunde nicht erneut zu Unterbrechungen in der Rechnungsverarbeitung führt.
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